Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Markt lockt mit familiärer Atmosphäre

mm Lüneburg. „Unsere Kunden sind mit uns alt geworden“, sagt Marktbeschicker Horst Wilkens, der seit den Anfängen des Lüneburger Wochenmarktes in Kreideberg vor 25 Jahren auf dem Thorner Platz Gemüse verkauft. Bei Wilkens ist der Generationenwechsel geglückt – seine Tochter hat das Gemüsegeschäft bereits übernommen. Anders sieht es auf dem Kreideberger Wochenmarkt aus, die Marktbeschicker klagen: Hier kämen zu wenig jüngere Kunden nach, das ältere Stammklientel sterbe langsam aus. Aber die Marktbeschicker sind sich mit ihren Kunden einig: Dieser Markt hat durch seine familiäre Atmosphäre etwas ganz Besonderes.

„Wir erleben wie überall einen Strukturwandel“, erklärt Olaf Hirsch vom Verein der Lüneburger Marktbeschicker. Auch Hirsch ist mit seinem Eier- und Kartoffelstand seit August 1988 auf dem Wochenmarkt vertreten. Der Strukturwandel wirke sich bisher noch nicht negativ auf den Umsatz aus, denn auf die ältere Stammkundschaft sei Verlass: „Wir haben sehr treue Kunden, die kommen bei Wind und Wetter“, so Hirsch. Das Selbsterzeugertum der meisten Händler sorge dafür, dass angesichts steigender Lebensmittelpreise während der vergangenen Jahre das Marktangebot konkurrenzfähig bleibe: „Zweieinhalb Kilo Äpfel kosten hier 2,50 Euro. Das halte ich durchaus für einen fairen, marktüblichen Preis“, gibt Beschicker Hirsch ein Beispiel.

Für die Kunden gibt es am Thorner Platz alles, was sie für ihr tägliches Leben brauchen: Ärzte, Apotheke, Sparkasse, Einkaufsläden. Wenn am Donnerstag Markt ist, könne man nach jedem Einzelnen die Uhr stellen, so Gerd Bindernagel, vom Obststand „Südfrüchte“. Die Kunden schätzten die Frische und Regionalität der angebotenen Produkte. „Jeder, der hierher kommt, kauft auch – und man weiß ungefähr von jedem Kunden, was er kauft.“

Das Besondere an dem Wochenmarkt sei sein familiäres Gefüge. „Man weiß, wer kommt, man kennt die persönlichen Verhältnisse, ein Schnack wird fast mit jedem Kunden gehalten“, sagt Olaf Hirsch. Das bestätigen auch die Kunden: „Ich bekomme hier alles. Die Verkäufer wissen sogar immer schon, was ich brauche. Es ist eine sehr familiäre Atmosphäre“, schwärmt Theodora Jelitto, die gerade ein Kilo Kartoffeln gekauft hat. Für die 89-Jährige ist – genau wie für viele andere ältere Herrschaften – der Weg in die Stadt oft zu weit und mit größeren Strapazen verbunden als der zum Markt um die Ecke. Auch oder vor allem deshalb kommen sie. Zu ihnen gehört ebenso Karl-Heinz Rejmann, der nach einem Kaffeekränzchen in der Pauluskirche, das auch jeden Donnerstag stattfindet, seine Besorgungen erledigt. „Ich kaufe hier alles. Die Sachen sind immer frisch“, erklärt der 82-Jährige.

Für September ist eine Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen des Wochenmarkts geplant. Theodora Jelitto und Karl-Heinz Rejmann werden bestimmt dabei sein.