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Wolf macht sich breit

ml Thomasburg. Das Video ist nur wenige Sekunden lang. Und dennoch jagt es dem Pferdezüchter und Jäger aus dem Raum Thomasburg einen Schrecken ein. Zeichnet seine Wildbeobachtungskamera normalerweise Wildschweine an einer Kirrung, einer Futterstelle, auf, ist in der vergangenen Woche für wenige Momente ein Wolf im Bild zu sehen, dessen Augen im Schein des Infrarotlichtes der Kamera aufleuchten. „Ein Jungtier, vielleicht ein oder zwei Jahre alt“, vermutet der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Dass der Wolf langsam nach Niedersachsen zurückkehrt, ist auch dem Pferdezüchter bekannt. Von drei Rudeln berichtet das Umweltministerium in Hannover: Ihr Revier haben die Tiere in der Göhrde sowie auf den Truppenübungsplätzen Munster und Bergen – also bevölkerungsarmen Landstrichen. Im Thomasburger Fall ist das anders. Die Kamera, die den Wolf aufgezeichnet hat, steht nur 400 Meter vom Hof des Pferdezüchters entfernt.

Und mit der Nähe wächst die Sorge um seine Tiere. Zwar gelten Pferde nicht als Beutetier des Wolfes, „doch geraten sie in Panik, wenn sich ein Wolf ihrer Weide nähert“, sagt der Mann. Insgesamt sind rund 50 Pferde auf seinem Hof untergebracht, 20 Tiere und mehr stehen bisweilen zusammen auf einer Weide. Darunter auch prämierte Fohlen, teilweise mehrere Zehntausend Euro wert. „Kommen die Tiere ins Laufen, hält kein Zaun sie auf“, fürchtet der Züchter. Gestoppt würden sie erst auf der Bundesstraße 216, hohe Schäden sind aus seiner Sicht programmiert. „Doch wer kommt dafür auf? Bei wem liegt die Beweislast?“

Und was, will der Mann wissen, wenn das Jungtier sich in der Region ansiedelt, ein eigenes Rudel gründet. „Der Wolf ist und bleibt ein Raubtier, eine friedliche Koexistenz kann es nicht geben“, ist der Pferdezüchter und Jäger überzeugt. „Am Ende wird der Wolf seine natürliche Scheu verlieren, weil er keine Feinde hat, auch nicht den Menschen.“ Denn der Räuber steht unter Naturschutz, ein Abschuss wird mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft. „Das ist mehr, als auf unterlassene Hilfeleistung steht“, sagt der Jäger und spitzt die Konsequenz zu: „Am Ende wird bei einem Wolfsangriff dem Opfer aus Angst vor einer noch höheren Strafe nicht geholfen.“

Sinnvoll wären aus seiner Sicht verschiedene Zonen, wie es sie früher beim Rotwild gab: ein Kerngebiet, ein Randgebiet und ein Rotwild beziehungsweise Wolf freies Gebiet – zum Beispiel in dichter besiedelten Regionen. Dort wäre auch der Abschuss eines Wolfes erlaubt.

Doch solche Überlegungen werden im Umweltministerium bislang nicht angestellt. „Der Wolf wird weiter nach Westen wandern und auch an der deutsch-niederländischen Grenze nicht halt machen“, sagt Pressesprecherin Inka Burow. Auch glaubt sie nicht, dass sich die Wolfspopulation zu stark verdichtet. Rund 150 bis 200 Quadratkilometer groß sei ein Revier in Mitteleuropa – und sein Revier verteidigt ein Wolf auch gegen Artgenossen.

Gleichwohl nimmt das Umweltministerium laut Burow die Bedenken in der Bevölkerung ernst. Für Transparenz sorgen soll unter anderem eine Liste, die in Kürze ins Internet gestellt werden soll. Dort findet sich, wo welche Tiere von einem Wolf gerissen worden sind. „Auch hat die Landesregierung Geld bereitgestellt, um Tierhalter im Schadensfall zu entschädigen“, sagt Burow. Insgesamt bis zu 7500 Euro zahlt das Land im Einzelfall über einen Zeitraum von drei Jahren. „Einen rechtlichen Anspruch darauf wie beim Schadenersatz gibt es allerdings nicht“, schränkt die Sprecherin ein. Reißt ein Wolf ein anderes Tier, müsse der Fall vom örtlichen Wolfsberater zeitnah aufgenommen werden.

Künftig will das Umweltministerium aber auch präventiv tätig werden. „In Vorbereitung ist eine Förderrichtlinie die regelt, wie präventive Maßnahmen wie der Bau von Zäunen unterstützt werden können“, sagt Burow. Den Pferdezüchter aus dem Raum Thomasburg beruhigt diese Aussicht kaum. „Zusätzliche Zäune werden das Problem auf Dauer nicht lösen“, ist er überzeugt.

Als Wolfsberater im Landkreis Lüneburg ist Uwe Martens unter 0 41 34 / 65 01 oder unter Tel.: 01 51 / 15 21 35 22 zu erreichen. Das kurze Video der Wolfsüberwachungskamera ist auf der LZ-Facebook-Seite.