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Der Unsichtbare liest mit

dth Lüneburg. Nicht nur Nutzer sozialer Netzwerke wie „Facebook“ oder „Google+“ müssen sich um Datenschutz Gedanken machen, wenn sie Wert auf ein bestimmtes Maß an Privatsphäre legen – und das nicht erst seit der NSA-Spähaffäre. In den Blickpunkt der öffentlichen Diskussion ist auch der Umgang mit E-Mails gerückt: „Unverschlüsselte E-Mails sind unsicherer als herkömmliche Postkarten und demzufolge sollten auf diesem Weg keine sensiblen Daten transportiert werden“, warnt etwa das Niedersächsische Innenministerium auf LZ-Nachfrage. Daher empfiehlt das Ministerium, „dass bei der Versendung von sensiblen Daten eine Verschlüsselung erfolgen sollte“.

Das beherzigen auch Landkreis Lüneburg, Landesbehörden sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg, die ihre eigenen Sicherungssysteme für den E-Mail-Verkehr verwenden. Privatnutzer hingegen sind dabei weitgehend auf sich gestellt.

Auf die Frage, wie etwa die Lüneburger Kreisverwaltung ihre E-Mail-Kommunikation schützt, sagt Kreissprecherin Frauke Noweck: „Der Versand von E-Mails im Hause erfolgt über das vom Internet abgeschottete Intranet des Landkreises. Auf diese E-Mail ist kein Zugriff von außen möglich. Ein Schutz von E-Mails nach außen bietet nur eine Verschlüsselung.“ Ähnlich sieht es bei den Landesbehörden aus. Vera Wucherpfennig, Sprecherin des Innenministeriums, sagt: „Für die E-Mail-Kommunikation verwendet die Landesverwaltung Niedersachsen interne Mail-Systeme, die sie selbst betreibt.“ In einem „internen Datennetz“. Und: „Die Kommunikation mit Behörden anderer Länder und des Bundes erfolgt über das gesicherte Verbindungsnetz des Bundes, das ebenfalls gegen das Internet abgeschottet ist.“

„Datenschutzrelevante Kommunikation“ zwischen Bürgern und Verwaltung läuft unterdessen beim Landkreis Lüneburg laut Sprecherin Noweck noch fast ausschließlich per Brief. Verschlüsselte E-Mail mit der Verwaltung auszutauschen ist aber möglich: Der dafür notwendige öffentliche Schlüssel des Landkreises ist für jedermann unter www.lueneburg.de verfügbar. Weitere Infos dazu gibt der IT-Service des Kreises unter Tel.: 0 41 31 / 26 13 10.

Kompetente Ansprechpartner aus dem Kammerbezirk empfiehlt die IHK an Wirtschaftsunternehmen, wenn sie sich um Datenschutz sorgen machen. Zudem vertreibt die IHK eine elektronische Signaturkarte, die Unternehmen dabei hilft, Geschäftsprozesse auf eine sichere Basis zu stellen. „Sie macht elektronische Unterschriften sicher“, sagt Lars Böker, Referent für E-Business. Dem Nutzer wird dabei ein geheimer Signaturschlüssel zugeordnet. Dieser Schlüssel befindet sich auf einer Chipkarte, kann nur zusammen mit einer PIN verwendet werden, die über ein Kartenlesegerät eingegeben wird. Bisher nutzten das rund 100 Firmen im Kammerbezirk. Viele seien angesichts der Vielzahl an Signatur- und Verschlüsselungsangeboten auf dem Markt aber noch abgeschreckt. Böker: „Außerdem fehlt oftmals das Bewusstsein für die enorme Relevanz von Datensicherheit. Vielleicht ändert sich das durch den NSA-Skandal.“