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Ein ungeliebtes Kind

ml Embsen. Die „Porsche 914 Piloten Hamburg“ haben am Wochenende die Farben der 70er-Jahre im Landkreis Lüneburger wieder aufleuchten lassen. Anlässlich ihres 25-jährigen Club-Bestehens hatten die Oldtimer-Fans zu einem Treffen eingeladen, eine Station war am Sonnabend die Kartbahn neben dem Fahrsicherheitszentrum in Embsen.

„Lange Zeit war der Porsche 914 ein ungeliebtes Kind“, sagt Jan Engel aus Büchen, der bei dem Club für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Denn der Porsche 914 ist kein reiner Porsche, sondern das Ergebnis einer letztlich nur kurzen Kooperation zwischen Porsche und VW. „Ende der 60er-Jahre wünschte sich VW einen Sportwagen in der Fahrzeugpalette und Porsche eine günstige Alternative für den 911er“, erzählt der 45-Jährige. Also haben die Ingenieure beider Unternehmen die Köpfe in ihre Teilelager gesteckt und geprüft, was zusammenpassen könnten.

Engel deutet auf das Ergebnis. Vor ihm steht ein orangefarbener 914er mit geöffneter Fahrertür, dahinter leuchten Varianten in allen erdenklichen Farben: rot, gelb, knallblau, giftgrün, silber, weiß – die Farben der 70er eben. „Lichtschalter, Türgriffe und Fensterkurbeln sind von VW, die Instrumente am Armaturenbrett aber von Porsche“, sagt Engel. Auch das Getriebe und die Vorderachse stammen aus der Sportwagenschmiede. Nur 114 000 Stück wurden zwischen 1969 und 1976 gebaut, „die Masse ist in die USA exportiert worden“.

Und von dort werden die 914er jetzt wieder zurückgeholt. Denn das „ungeliebte Kind“ von einst, hat sich in den vergangenen Jahren zum begehrten Sammlerstück gemausert. Auch zum Bedauern von Carsten Fischer aus Stelle. Er ist der Kassenwart der „Porsche 914 Piloten“, und die gestiegene Nachfrage nach seinem Lieblingsauto lässt die Preise in die Höhe schnellen.

Wie viele andere auch, ist er eher zufällig auf das Fahrzeug gestoßen. „Vor rund zehn Jahren wollte ich mir meinen Kindheitstraum von einem Oldtimer erfüllen und suchte gemeinsam mit meiner Frau einen offenen Sportwagen.“ Gestoßen ist er bei seiner Suche auf den VW Porsche 914. Die extravagante Form reizte ihn ebenso, wie der günstige Einstiegspreise – damals jedenfalls. „Inzwischen kostet ein 914 mit guter Substanz 15 000 Euro und mehr, für einen Sechszylinder mit Porschemotor ist man locker 30 000 bis 40 000 Euro los“, erzählt Fischer.

Ebenso wie Engel hält auch der Kassenwart das Vierzylinder-Grundmodell, das VW vertrieben hat, mit rund 100 PS für untermotorisiert. Zu spüren ist davon auf der Embsener Kartbahn allerdings nichts. Denn das Mittelmotorkonzept sorgt für eine optimale Gewichtsverteilung, der 914 klebt auf dem Asphalt. „Ist man erstmal auf der Piste, lässt einen dieses faszinierende Fahrgefühl nicht mehr los“, sagt Fischer, während er mit quietschenden Reifen durch die nächste Kurve jagt.

Infiziert hat das 914-Fieber Hans Gregorius schon 1970. „Damals habe ich einen VW Porsche als Wagen für meine Frau gekauft“, erzählt der 65-Jährige. Was damals nur ein Gebrauchsfahrzeug war, ist seit 1988 zu Gregorius‘ Leidenschaft geworden. Und für die nimmt er auch weite Wege in Kauf. Zu dem Treffen ist er aus Weeze am Niederrhein gekommen. Und was ihn noch heute ärgert: „Der 914er meiner Frau war ein Sechszylinder von Porsche. Hätten wir den bloß nicht irgendwann verkauft.“

Weitere Infos über den Club unter www.914-piloten.de