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Die Würde des Tieres . . .

dth Echem. Das Landwirtschaftliche Bildungszentrum (LBZ) Echem der Landwirtschaftskammer Niedersachsen öffnet sich zunehmend der Kirche in der Region. Ziel sei es, einen auf Gegenseitigkeit beruhenden Dialog zu führen, sagt Bernhard Ende vom LBZ: „Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft.“ Ausdruck dieses Dialogs ist auch ein neues Pilotprojekt: Das LBZ bietet Konfirmandengruppen an, Wochenendfreizeiten auf dem Betriebsgelände zu verbringen. Als erste hat das Angebot eine Scharnebecker Vorkonfirmandengruppe genutzt.

In dem Lehr-Milchviehbetrieb hat nicht nur Pastor Johannes Link neue Erkenntnisse gewonnen, sondern auch die insgesamt 36 Kinder, die, obwohl sie auf dem Dorf wohnen, oftmals einer Milchkuh noch nie so nahe gekommen sind, wie in den vergangenen Tagen. Dabei sollten sie neben der Bedeutung des Tierwohls auch den Wert landwirtschaftlicher Erzeugnisse schätzen lernen.

Mit dem neuen Angebot, etwa Konfirmandengruppen die LBZ-Internatsunterbringung in Doppelzimmern nutzen zu lassen, füllt das LBZ gleichzeitig eine Lücke, die mit der Schließung der Jugendbildungsstätte Neetze Ende 2012 entstanden war. Zunächst waren die beiden Kirchenkreise Lüneburg und Bleckede mit dem LBZ auf Tuchfühlung gegangen, als Pastoren im Mai an Workshops teilnahmen zu Themenbereichen wie Ethik und Tierwohl in der Nahrungsmittelproduktion. Bernhard Ende sagt: „Als wichtigste Aufgabe bei der Neuausrichtung des LBZ sehen wir nicht nur die hochqualifizierte Ausbildung von Landwirten, sondern die Öffnung für alle gesellschaftlichen Gruppen. Und da ist die Kirche für uns von besonderer Bedeutung.“

Besondere Mühe machten sich denn auch die Mitarbeiter des LBZ, den Vorkonfirmanden einen angenehmen und interessanten Aufenthalt zu ermöglichen. So brachte etwa Bernhard Ende im Boxenlaufstall den Kindern verschiedene Melkmethoden nahe, unter anderem mit dem „Lely Astronaut“, ein Melkroboter, dem sich die Kühe dank eines Lockfutters eigenständig anvertrauen. Wie man Milch per Hand melkt, erklärte Ramona Blecken den Kindern anhand einer Gummiattrappe: „An der üben auch Auszubildende“, sagte sie. Und bei der Milchverkostung lernten die Teilnehmer von LBZ-Mitarbeiterin Karen Greve-Krause, dass lactosefreie Milch durch das fehlende Eiweiß wesentlich süßer schmeckt als Vollmilch. Das Programm machte den Kindern sichtlich Freude.

Pastor Johannes Link sagte: „Das ist aber nicht nur Bespaßung, sondern auch Bildung: Für uns ist das eine Steilvorlage, das Thema Schöpfung hier mit der Praxis direkt zu verbinden. Die Kinder kriegen einen direkten Eindruck, wo kommen unsere Lebensmittel her, welche Würde haben die Tiere, erfahren Achtung vor ihnen und erleben das hier als Gemeinschaft.“ Beispielsweise als Azubi Ulf Gödeker mit den Kindern im Stall einzelne Kälber auswählt, um sie zu wiegen. Dabei durften sie die teils nervösen Tiere selbst zur Waage führen. Gödeker gab den Vorkonfirmanden einen guten Tipp: „Ihr müsst vor den Tieren keine Angst haben, sondern ihnen mit Respekt begegnen.“