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„Reife Leistung“ auch mit 50plus

kre Lüneburg. Zu Hause sitzen und die Hände in den Schoß legen? „Da bin ich nicht der Typ für“, sagt Elke Schlüter. Wer der Frau mit dem modisch-frechen Kurzhaarschnitt und dem fröhlichen Lachen gegenüber steht, glaubt ihr das sofort. Elke Schlüter ist 62 Jahre alt – also in einem Alter, in dem manche schon den vorzeitigen Ruhestand genießen oder sich innerlich auf die Rente vorbereiten. Die Lüneburgerin gehört nicht dazu, im Gegenteil: 2009 hat die damals 58-Jährige noch einmal umgeschult – zur Alltagsbetreuerin.

Jetzt arbeitet Schlüter im Seniorenzentrum Alte Stadtgärtnerei. „Das ist meine dritte berufliche Karriere“, sagt sie. „Erst habe ich als Rechtsanwaltsgehilfin gearbeitet, danach war ich mit einem Produktionsbetrieb selbstständig, jetzt arbeite ich in einem Seniorenzentrum.“ Und diese Tätigkeit, versichert sie, „macht mir wirklich Spaß.“

Elke Schlüter ist nicht die einzige, die sich im fortgeschrittenen Berufsleben noch einmal umorientieren musste. Auch Jutta Kasteineke ist neu durchgestartet. Und geholfen hat der 54-Jährigen dabei genau wie Elke Schlüter die Initiative „Reife Leistung!“.

Politik und Arbeitgeberverbände fordern schon lange eine längere Lebensarbeitszeit. Die Lebenserwartung der Deutschen steigt, die Geburtenrate dagegen sinkt. Der Generationenvertrag bekommt Risse. Die Menschen sollen also länger arbeiten – die Rente mit 67 Jahren ist beschlossene Sache. Das Problem: Viele über 50-Jährige, die nach Arbeitslosigkeit oder längerer Familienzeit zurück ins Berufsleben wollen, haben es schwer, eine Anstellung zu finden. Hier setzt das Projekt „Reife Leistung!“ an.

Trotzdem war Jutta Kasteineke zunächst skeptisch, als ihr Vermittler beim Jobcenter Lüneburg sie zur Teilnahme an „Reife Leistung!“ überredete. Schließlich hatte auch sie schon ein Berufsleben hinter sich, viele Hochs und Tiefs erlebt.

Nach dem Studium der Lebensmitteltechnologie war Jutta Kasteineke bei großen Molkereien in Lüneburg und Uelzen beschäftigt, später hat die heute 54-Jährige als Managerin in der Systemgastronomie gearbeitet. Es folgte eine neunjährige Familienphase – und seit August 2011 arbeitet die Mutter von zwei Töchtern als Empfangskraft bei der Service Plus Lüneburg GmbH in der Telefonzentrale. Für die 54-Jährige war es auch der Weg aus der Hartz IV-Falle. „Ich wollte unbedingt wieder arbeiten“, sagt sie. Fühlt sie sich ob ihres abgeschlossenen Studiums nicht überqualifiziert in der Telefonzentrale? „Nein!“, sagt Kasteineke: „Die Arbeit macht Spaß und ist vielseitig.“ Das Beste: „Man hat mit Menschen zu tun.“

„Frau Kasteineke ist für uns ein Volltreffer“, lobt ihr Chef Ekkhard Meyer (48), Geschäftsführer der Service Plus Lüneburg GmbH: „Wir hätten sie auch eingestellt, wenn sie nicht über das Projekt ,Reife Leistung!‘ zu uns gekommen wäre.“ Da allerdings stellt sich für den Geschäftsführer die Frage: „Hätte sich Frau Kasteineke ohne Zutun des Projektes überhaupt bei uns beworben?“

Vor fünf, sechs Jahren habe die Service Plus Lüneburg GmbH keine Probleme gehabt, Personal zu finden. Das sei jetzt anders: „Die Bewerberlage wird schlechter“, stellt der Geschäftsführer fest, der deshalb die Zusammenarbeit mit „Reife Leistung!“ schätzt. Michael Schmidt vom Integrationsmanagement der Initiative – der sich selbst als Jobscout bezeichnet – erklärt, warum: „Wir machen nicht nur klassisches Bewerbertraining mit den Teilnehmern, sondern versuchen, die Lebenssituation der Teilnehmer insgesamt zu verbessern.“ Dazu gehöre eben auch, notfalls quer zu denken, um eine geeignete Stelle zu finden. So wie für Jutta Kasteineke oder Elke Schlüter die beide beweisen: Ein beruflicher Neuanfang ist keine Frage des Alters.

Reife Leistung! Süderelbe packt an ist der Pakt für die Beschäftigung Älterer der Kreise Harburg, Lüchow-Dannenberg, Lüneburg, Rotenburg (Wümme), Stade und Uelzen. Als Teil des Bundesprogramms „Perspektive 50plus – Beschäftigungspakte für Ältere in Regionen“ wird das Projekt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert.

Weitere Mittel erhält „Reife Leistung!“ aus den Förderprogrammen des Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Arbeitsmarktförderung in Niedersachsen. Neun Partner setzen den Pakt gemeinsam um: die Jobcenter, die Grone-Schulen Niedersachsen gGmbH mit den Bildungszentren in Buchholz, Lüchow, Lüneburg, Stade Uelzen und Zeven, die maritime competenzcentrum maco GmbH und die Süderelbe AG.

Weitere Infos im Internet: www.perspektive50plus.de.