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Stillstand am dritten Gleis?

kre Radbruch. Achim Gründel plagt seit kurzem eine große Sorge: Nämlich die, dass die Radbrucher auf einem halbfertigen Bahnhof sitzen bleiben könnten und die Fertigstellung des dritten Gleises in weite Ferne rückt. Der Grund für Gründels Albtraum: Der bundesweit tätige Baukonzern „Walthelm-Gruppe“ mit Hauptsitz in Nürnberg – der im Auftrag der Bahn auch das dritte Gleis zwischen Harburg und Lüneburg baut – hat im August Insolvenz angemeldet. Die Folgen hat Gründel unmittelbar erlebt: „Vergangene Woche ruhten die Arbeiten nach meinem Eindruck erst einmal komplett.“

Seit Anfang dieser Woche herrscht allerdings wieder Leben auf der Gleisbaustelle – wohl auch ein erster Erfolg des vorläufigen Insolvenzverwalters Volker Böhm von der Kanzlei SchultzeBraun. Böhm will den Geschäftsbetrieb fortführen und prüft die Sanierungschancen für das Unternehmen, heißt es in einer ersten Pressemitteilung der Kanzlei.

Dass diese Verhandlungen von Erfolg gekrönt werden – darauf hofft auch Radbruchs Bürgermeister Achim Gründel. Schon im Sinne der Arbeiter, die um ihre berufliche Zukunft bangen. Aber auch, weil noch viele Arbeiten auf der halbfertigen Baustelle zu erledigen sind. Der Radbrucher Rathauschef listet auf: „Der südliche Bahnsteig in Fahrtrichtung Lüneburg muss noch endausgebaut werden, Restarbeiten am Schallschutz erledigt, Fahrradabstellmöglichkeiten aufgestellt werden.“

Die größte Gefahr für die zügige Fertigstellung sieht Gründel dann, wenn die insolvente Firma den Auftrag nicht mehr zu Ende bringen kann, die Arbeiten europaweit neu ausgeschrieben werden müssen. „Sollte dieser Fall tatsächlich eintreten“, dann ,Gute Nacht‘, sagt Gründel.

Bei der Deutschen Bahn AG (DB) dagegen sieht man derzeit keinen Anlass zu übertriebener Sorge: „Die DB geht davon aus, dass die Insolvenz grundsätzlich keine Auswirkungen auf den Bauablauf hat“, teilt DB-Sprecherin Sabine Brunkhorst auf LZ-Anfrage mit. Und weiter: „Die Deutsche Bahn hat einen Bauvertrag mit der Arbeitsgemeinschaft, die gegenseitig gesamtschuldnerisch haftet“. Da im übrigen lediglich nur noch der Lückenschluss des dritten Gleises nördlich von Radbruch im nächsten Jahr anstehe, gehe die Deutsche Bahn davon aus, dass dies termingerecht erfolge. Brunkhorst betont: „Eine neue Ausschreibung muss nicht erfolgen.“

Über die Gründe, warum die 1919 gegründete Johann-Walthelm-Gruppe mit ihren rund 500 Mitarbeitern in wirtschaftliche Schieflage geraten ist, wird in den süddeutschen Medien spekuliert: Planungsunsicherheit um das umstrittene Großbauprojekt „Stuttgart 21“ spielten sicherlich auch ein Rolle, heißt es dort.