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Arsen im Grundwasser?

off Alt Garge. Wie gefährlich ist die Arsenbelastung in Alt Garge tatsächlich? Diese Frage stand am Montagabend erneut auf der Tagesordnung einer gemeinsamen Sitzung der Umweltausschüsse des Landkreises Lüneburg und der Stadt Bleckede. Mitte März hatte der Gutachter und Diplom-Geologe Thomas Bogon zunächst die Zwischenergebnisse der Ad-hoc-Beprobung vorgestellt, nun präsentierte der Vertreter des Gutachterbüros „Fugro Consult“ den Ausschüssen einen „Tätigkeits- und Zwischenbericht zur Detailuntersuchung“. Abschließende Antworten zu den Folgen der Arsenbelastung konnte Bogon Politik und Bürgern allerdings auch dieses Mal nicht geben.

Ausgeschlossen hatte der Gutachter bereits im März, dass von der arsenbelasteten Flugasche in den Alt Garger Böden akute Gefahr für Menschen ausgeht. „Ob es aber Risiken durch eine Grundwasserbelastung gibt, muss noch geklärt werden“, hieß es damals. Mittlerweile liegen weitere Ergebnisse vor, und die belegen „eine mögliche Gefahr für das Grundwasser sowie das Oberflächenwasser“, erklärte Bogon. Das heißt: Es ist mit Arseneinträgen in das Grundwasser zu rechnen. In welcher Höhe und mit welchen Folgen, das sollen nun weitere Untersuchungen zeigen.

Konzentriert haben sich die bisherigen Analysen auf drei Standorte. Erstens: eine Fläche nahe dem ehemaligen Kohlekraftwerk, die von 1946 bis 1958 zur Deponierung der arsenbelasteten Flugasche diente. „Ab dem Betriebsbeginn des 1949 gegründeten Porenbetonwerkes wurde die eingelagerte Flugasche bis 1962 wieder abgebaut und weiterverarbeitet“, erklärte Bogon. Zweitens: die Südspitze der Halbinsel „Im Haken“, die laut Gutachter spätestens ab 1958 als Ersatzdeponie für die Fläche beim Kraftwerk diente. Und drittens: der nördliche Teil der Halbinsel, wo ab 1946 vermutlich sowohl Abfälle der Porenbetonfabrik, Flugasche sowie öffentliche Abfälle entsorgt wurden und der in der Vergangenheit bereits mehrfach für Schlagzeilen gesorgt hat.

Auf allen drei Flächen hat das Gutachterbüro in den vergangenen Monaten Proben an mehreren Orten entnommen und untersucht. Das Ergebnis: An allen drei Standorten wurde Arsen gefunden. Erhöht war die Konzentration im Sicker- und Stauwasser, in den oberflächennahen Bodenmischproben hingegen lagen die Werte unter den Höchstwerten für Wohnnutzung. „Eine unmittelbare, direkte Gefahr wurde demnach nicht festgestellt“, schreibt der Kreis in seiner Sitzungsvorlage.

Auch mit einer Belastung des Grundwassers ist auf der Fläche neben dem ehemaligen Kraftwerk laut Bogon aufgrund des „übergroßen Grundwasserflurabstandes“ nicht zu rechnen. Anders sieht es auf der Halbinsel „Im Haken“ aus. Zwar wurden in den nördlichen Ablagerungen keine Hinweise auf kohlenwasserstoff-basierende Stoffe oder Trafo-Öle im Boden festgestellt. Dafür haben „die Untersuchungen vor und während des Elbehochwassers gezeigt, dass mit . . . Arseneinträgen in das Grundwasser zu rechnen ist“, so Bogon. Klarheit darüber sollen nun mehrere Grundwassergütemeßstellen im Norden und Süden der Halbinsel bringen. „In den kommenden Wochen wollen wir die Brunnen errichten“, so Bogon. Mit abschließenden Ergebnissen rechnet der Gutachter allerdings frühestens in einem Jahr.

Hintergrund: Im Zuge des Deichbaus bei Alt Garge wurde am Rand des ehemaligen Porenbetonwerks im Dezember 2012 auffälliger Boden untersucht und eine Arsenbelastung festgestellt. Als Ursache wurde abgelagerte Flugasche ermittelt, die bei der Herstellung von Kohle im ehemaligen Kraftwerk entstanden ist und später zu Porenbeton verarbeitet wurde. Erstellt wird die Gefährdungsabschätzung nun in Abstimmung mit dem Fachdienst Umwelt beim Landkreis im Auftrag der Vattenfall Europa AG als Grundstückseigentümerin und Rechtsnachfolgerin des ehemaligen Kraftwerksbetreiber, der Hamburger Electricitäts-Werke.