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Atlanten und „Ballast“ sicher verwahrt

pet Lüneburg. Manche schwören auf sie, andere finden sie unnötig. Viele Schulen in Stadt und Landkreis bieten sie an, andere wiederum nicht – Schließfächer, die Schülerinnen und Schüler gegen eine Gebühr mieten und nutzen können. Ob es der Atlas ist, der nur in der Schule benötigt wird. Andere Bücher, mit denen ausschließlich im Unterricht gearbeitet wird. Oder „Ballast“, den die Jugendlichen nicht unnötig zwischen Elternhaus und Schule hin und her schleppen wollen – im Schließfach ist Platz dafür. Un sie sollen auch Schutz gegen möglichen Diebstahl bieten.

Während die Hansestadt Lüneburg keinen Übersicht darüber hat, in welchen Schulen gebührenpflichtige Schließfächer aufgestellt sind, führt der Landkreis Buch. Ergebnis: Von 20 weiterführenden Schulen bieten sieben Schließfächer gegen Gebühr an, an den Berufsbildenden Schulen II gibt es mietfreie Spinde in den Werkstätten, die Oberschule Adendorf probiert gebührenpflichtige Schließfächer gerade aus. Die Schließfächer werden in fast allen Fällen von gewerblichen Anbietern aufgestellt, die meisten vom Mannheimer Unternehmen AstraDirekt, nach eigenen Angaben mit 4200 Schulen der größte Anbieter in Deutschland.

Grundsätzlich positiv bewertet Hendrik Six, Leiter der Adendorfer Oberschule Am Katzenberg, Schließfächer. „Wir probieren das gerade aus“, erzählt er. In der Aula hat ein darauf spezialisiertes Unternehmen ein Schließfachmodul mit zwölf Fächern aufgebaut, Mitglieder der Schülervertretung sollen die Fächer testen, nach den Herbstferien solle dann darüber entschieden werden, ob ein Bedarf in der Schule da ist. Nach seinen Erfahrungen nutzen 20 Prozent der Schüler einer Schule Schließfächer.

Das Bernhard-Riemann-Gymnasium in Scharnebeck behört zu den Schulen in der Region, die schon vor Jahrzehnten vom Landkreis mit Schließfächern ausgestattet wurden. „Lange vor meiner Zeit“, sagt Schulleitern Thomas Müller, der 2001 nach Scharnebeck kam. Die Schüler zahlten nur eine Kaution, aber keine Miete.

„Die Schränke sind alt, wir tauschen sie nach und nach aus“, erklärt Müller. Vor einem Jahr hat die Schule ein neues System eingeführt: Im Gegensatz zu den meisten Schulen, die einen privaten Anbieter beauftragen, verwaltet sie die Schließfächer in eigener Regie. Vorteil für die Schüler: Statt 1 bis 1,90 Euro pro Monate zahlen sie nur 8 Euro Schrankmiete im Jahr, also knapp 67 Cent pro Monat. In Scharnebeck, sagt Schulleiter Müller, würden die Schließfächer gut genutzt – von 950 Schülerinnen und Schülern haben etwa die Hälfte ein Fach.

Berichte über eine Schule in Bochum, die im vergangenen Schuljahr von ihren Schülerinnen und Schülern jeweils 10 Cent für einen Toilettenbesuch gefordert hatte, diese Maßnahme allerdings mittlerweile wieder zurücknehmen musste, hatten Eltern in dieser Woche aufhorchen lassen, berappen sie für ihre Kinder mit Schulbüchern, Material, Klassenfahrten, Kopien, Ausflügen und vielem mehr bereits reichlich. Einen Zusammenhang mit den Gebühren für Schließfächer sieht der Landkreis Lüneburg aber nicht. Sprecherin Frauke Noweck sagt: „Die Schließfächer sind jeweils ein freiwilliges Angebot der Schulen, die sich in Eigeninitiative darum gekümmert haben.“