Mittwoch , 28. September 2016
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Standhaft im Alter

sim/mm Lüneburg. Erika Franke ist im stolzen Alter von 97 Jahren noch richtig fit. Ihre Drahtigkeit verdankt sie auch der regelmäßigen Teilnahme am Kursus „Sturzprävention für Ältere“. LZ-Volontär Maximilian Matthies und Mitarbeiterin Sara Simons wollten ihrem Fitnessgeheimnis auf die Spur kommen und übten mit.

Der Kursus zur Sturzvermeidung wird von Sporttherapeutin Sigrid Hermanns im Geschwister-Scholl-Haus angeboten. Ziel der gymnastischen Übungseinheiten ist es, Gleichgewichtssinn, Koordination und Muskelaufbau zu trainieren. Diese Faktoren seien maßgeblich, um Stürze zu vermeiden, so Hermanns. Erika Franke besucht die Kurse seit fünf Jahren. Sie wolle ihren Gleichgewichtssinn trainieren: „Ohne meine Stöcke kann ich kaum gerade stehen.“ Die Angst vor einem möglichen Sturz bewege sie dazu, am Kursus teilzunehmen: „Ich sage mir immer wieder: Du darfst nicht stürzen.“ Den Ansporn hat auch Erich Brockmann: „Ich möchte schlimme Stürze vermeiden.“ Denn die können bei Senioren schnell zu einem Bruch führen.

Der Kursus am Dienstagmorgen dauert eine Stunde, die Hälfte der Zeit wird im Freien trainiert. Unser Selbstversuch zeigt: Die Übungen haben es in sich. Die Aufwärmphase beginnt mit wippen, strecken und greifen. Danach folgen Koordinationsübungen. Hier wird es schon kniffliger. Die Königsdisziplin sei es, die Arme in unterschiedliche Richtungen kreisen und am Kopf wieder zusammentreffen zu lassen. Gar nicht so einfach. „Es kann schon anstregend fürs Gehirn werden, wenn alleine die Hände etwas Unterschiedliches machen.“ Damit hat Hermanns Recht.

Die Koordination der Teilnehmer wird in jedem Fall geschult: „Wenn man ins Stocken gerät und nachdenkt, ist der Sinn und Zweck der Übung erfüllt. Die Koordination wird richtig trainiert“, erklärt Hermanns das Ziel. Ein „Feuerwerk im Kopf“ müsse ausgelöst werden. Wer die Übungen einmal beherrsche, bei dem bewirkten sie nichts mehr. „An dem Punkt muss ich mir andere Übungen ausdenken. Dann kommen zum Beispiel noch die Beine mit dazu.“ Irgendwann sei es wie Schlagzeugspielen mit Armen und Beinen im unterschiedlichen Rhythmus.

Nun geht es ins Freie um den Gleichgewichtssinn zu trainieren. Die Teilnehmer bewegen sich im Kreis – und zwar möglichst durcheinander. Es werden im Laufen abwechselnd die Beine angehoben ohne dabei den anderen Teilnehmern in die Quere zu kommen – funktioniert reibungslos. Auf einem Bein stehen, sich gegenseitig versuchen umzuschubsen und dabei Haltung bewahren – wer auch diese Übungen beherrscht, hat das nötige Rüstzeug zur Sturzvermeidung. Wichtig bei Gleichgewichtsübungen sei die langsame Ausführung. Das strengt noch einmal mehr an. „Bei uns gilt die Devise: Jeder macht nur soweit mit, wie er kann“, so Hermanns.

Nicht ohne ist auch das anschließende Training zum Muskelaufbau: Aufstehen und hinsetzen als mehrmalige Wiederholungen, Reaktionsschnelligkeit beim Stabfangen unter Beweis stellen, heben, drücken und jonglieren. Nach dieser letzten Übungseinheit darf man aus der Puste sein.

Unser Fazit: Wer die Übungen beherrscht, der ist für unebene Wege, Treppensteigen und kleine Sprinteinlagen gewappnet. Die Sporttherapeutin bietet den Präventionskursus drei Mal im Jahr an, bei Wiederholungen im Zwei-Jahres-Rhythmus übernehmen die Krankenkassen die Kosten von 99 Euro.