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Chefarzt fristlos gekündigt

ml Salzhausen. Das Krankenhaus Salzhausen kommt nicht zur Ruhe: Bereits am vergangenen Donnerstag hat die Geschäftsleitung Chefarzt Christoph Schlichting vom Dienst freigestellt. Inzwischen hat sich der Betriebsrat zwar gegen eine fristlose Kündigung des Mediziners ausgesprochen, „dennoch ist ihm am Dienstag die fristlose Kündigung zugestellt worden“, sagt Interimsvorstand Ute Golbach auf LZ-Anfrage.

Die Krankenhaus-Chefin betont jedoch: Die Kündigung habe nichts mit den Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Lüneburg zu tun. Erst Ende August hatten Ermittler die Räume des einzigen genossenschaftlichen Krankenhauses bundesweit durchsucht, zahlreiche Akten beschlagnahmt. Der Vorwurf: Abrechnungsbetrug in 64 Fällen zwischen 2009 und 2012. In diesem Zeitraum arbeiteten jedoch weder Interimsvorstand Golbach noch Chefarzt Schlichting am Krankenhaus Salzhausen. Der Mediziner hatte seinen Dienst erst im April dieses Jahres angetreten.

Nun verlässt der Chirurg nach nur wenigen Monaten das Krankenhaus – und nicht auf eigenen Wunsch. Zu den Gründen für die Kündigung will sich Golbach nicht äußern, nur so viel: „Vorgesehen war im Sanierungsplan für das Krankenhaus ein kollegiales System mit zwei Chefärzten für die Chirurgie. Das hat nicht funktioniert.“ Zuvor habe die Chirurgie für zwei Wochen geschlossen werden müssen. „Ein Indiz dafür, dass etwas nicht stimmt“, so der Interimsvorstand weiter.

Ebenfalls erst im April hat Golbach die Führung des Krankenhauses Salzhausen übernommen – zumindest übergangsweise. Nach tiefroten Zahlen 2011 hatte die Einrichtung im November 2012 ein Schutzschirmverfahren nach dem neu geordneten Insolvenzrecht beantragt. Der Krankenhausbetrieb sollte reorganisiert und fit für die Zukunft gemacht werden. Beauftragt wurde damit das Institut für Gesundheits-System-Forschung (IGSF) in Kiel. Geschäftsführerin ist Ute Golbach. In der Folge erstellte sie einen Sanierungsplan, der zum Teil schon umgesetzt ist.

Andere Teile müssen jetzt modifiziert und den Realitäten angepasst werden. Deshalb ist laut Golbach auch nicht vorgesehen, Schlichtings Stelle wieder zu besetzen. „Derzeit verhandeln wir über eine gemeinsame Lösung für die stationäre chirurgische Versorgung im Landkreis Harburg“, sagt die Krankenhaus-Chefin. Vorgesehen ist eine Kooperation mit den Krankenhäusern in Buchholz und Winsen. „Dabei müssen wir auch das Kollegialsystem überdenken.“

Jetzt soll zunächst einmal der zweite Chefarzt, Andreas Leck, den Betrieb in der Chirurgie sicherstellen. Der Mediziner ist spezialisiert auf Schulteroperationen, ihm zur Seite steht ein Honorararzt, dessen Fachgebiet Hüft- und Knieoperationen sind. „Wegen der Freistellung Christoph Schlichtings wird keine OP ausfallen“, sagt Golbach.

Unterdessen laufen die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetruges weiter. Im Fokus stehen mehrere Mediziner einer Arztpraxis, die Belegbetten am Krankenhaus Salzhausen haben und stationäre, statt ambulante Behandlungen abgerechnet haben sollen.