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Turbo-Abi überfordert viele Gymnasiasten

rast Lüneburg. „Wir haben nach drei Jahren Erfahrung die Gewissheit, dass mit dem G-8-Gymnasium – also dem Abitur nach zwölf Jahren – viele Schüler überfordert sind, an ihre Grenzen stoßen. Es gibt zahlreiche Wiederholer, die dann ihr individuelles G 9 absolvieren, und Abgänger, die ihre Schulzeit an beruflichen Gymnasien fortsetzen.“ Das sagt Dieter Stephan, Direktor des Gymnasiums Oedeme und Vorsitzender der Niedersächsischen Direktorenvereinigung (NDV). Die hat jetzt mit einer großen Mehrheit von 90 Prozent bei einer außerordentlichen Hauptversammlung in Hannover eine Resolution verabschiedet, in der die Leiter der Gymnasien „für einen grundsätzlich neunjährigen Bildungsgang am allgemein bildenden Gymnasium“ eintreten.

Zurück zum Abitur nach 13 Schuljahren oder doch weiter 12 Jahre lernen, aber mit abgespeckten Lehrplänen? Bei der Frage hielt sich Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt bei einem sogenannten DialogForum im Juni noch zurück, bei der sie mit Vertretern von 15 Organisationen, Verbänden und Institutionen aus dem Bildungsbereich diskutierte, unter ihnen auch Dieter Stephan. Dabei hatten der Philologenverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft als größte Berufsverbände der Lehrer an Gymnasien sich bereits klar für das Abi nach 13 Jahren ausgesprochen.

Die NDV hatte damals noch keine offizielle Stellung bezogen. Die liegt mit der Resolution nun vor. Darin heißt es unter anderem auch: „Im Rahmen eines neu zu definierenden G-9-Gymnasiums ist dabei sicherzustellen, dass lernstarke Schülerinnen und Schüler ihre Schullaufbahn auch nach acht Schuljahren erfolgreich abschließen können.“ Dieter Stephan erläutert: „Es war vorher auch schon möglich, dass eine Klasse übersprungen werden kann. Denkbar ist nun auch eine D-Zug-Klasse, die ein Jahr früher zum Abi führt. Dann würde das in den Klassen 10 und 11 gemeinsam erledigt, mit diesem Modell gibt es bereits positive Erfahrungen.“

Den Hauptvorteil bei G 9 sieht Stephan so: „Es ist ein gründlicheres Üben und Lernen mit einem besseren Lernertrag im Ergebnis.“ Die individuelle Lernförderung und damit Chancengleichheit für alle sei wirksamer umzusetzen. In der Resolution heißt es zudem: „Außerunterrichtliches kulturelles, soziales und sportliches Engagement innerhalb und außerhalb der Schule ist in größerem Umfang möglich.“

Die NDV geht davon aus, dass ein neunjähriger Bildungsgang an Gymnasien keinen höheren Kosten- und Ressourcenaufwand als an den Integrierten Gesamtschulen erfordern werde: „Die NDV sieht es für eine erfolgreiche Arbeit als unerlässlich an, die Gymnasien in Bezug auf Unterstützungspersonal (z. B. Sozialpädagogen) und Ressourcen (Ganztagsausstattung, Leitungszeit) mit den Gesamtschulen grundsätzlich gleichzustellen.“

Bei den Integrierten Gesamtschulen hatte das Kultusministerium schnell reagiert, die 13 Schuljahre gibt es seit dem 1. August 2013. Ob eine Rückkehr zu G 9 bereits zum 1. August 2014 für die 5. Klassen möglich ist, das sieht Dieter Stephan allerdings mit Fragezeichen.