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Hunde jobben als Müllsammler

mm Lüneburg. „Aufheben! In den Müll!“ Das ruft Kate Kitchenham ihrer Hundedame Erna zu. Und die schnappt sich eine herumliegende Plastikflasche und befördert diese gewissenhaft in eine bereitstehende Box. Erna trägt ein rotes Tuch auf dem Rücken, das sie als „Waste Watch Dog“ — einen Müll beobachtenden Hund — ausweist. Gemeinsam mit fünf befreundeten Hundebesitzerinnen hat Hunde“coachin Kate die Initiative der müllsammelnden Hunde im Kurpark ins Leben gerufen.

Die Idee kam der 39-Jährigen bei einer morgendlichen Joggingrunde am Kreidebergsee mit Erna. Die Hündin, ein Husky-Mix, schnappte sich eine im See herumtreibende Plastik“flasche und brachte sie ihrer Besitzerin. Da habe sie sich gedacht: „Die Lüneburger ärgern sich extrem über herumliegenden Müll, anders als vielleicht in einer Großstadt wie Hamburg.“ Der Bedarf an freiwilligen Müllsammlern ist also gegeben.

So entstand der Plan, das Müllsammeln mit mehreren Hunden auszuprobieren. Einzige Voraussetzung: Die Vierbeiner müssen eine Apportierfähigkeit besitzen, also die Bereitschaft, Sachen, die geworfen werden, wiederzubringen. Wenn diese erfüllt sei, könne man den Hunden beibringen, aufgesammelte Gegenstände in eine Box zu bringen statt in die Hand zu übergeben. „Das haben wir mit Bauklötzen versucht, da diese ein Geräusch machen, wenn sie in die Box fallen“, beschreibt Kate das Vorgehen. Als nächstes wurden andere Materialen verwendet. Die Hunde bringen mittlerweile Plastikflaschen, Saftkartons, Dosen, Chipstüten — eigentlich alles an Müll, bei dem für sie keine Verletzungsgefahr besteht.

Das Ziel des Trainings ist es, dass die Hunde aufgesammelten Abfall selbstständig in den Müll“eimer bringen. „Leider geben die aufgestellten Abfallbehälter vor allem nachmittags einen üblen Geruch ab“, sagt die Coachin. Das schrecke die Hunde bisher noch ab, mit der Schnauze richtig vorzustoßen. „Somit können wir noch nicht mit den Leuten von der Stadtreinigung konkurrieren“, witzelt Kate. Im Vordergrund stehe für sie, ihre Freundinnen und die sechs Hunde aber der Spaß an der Sache.

Die studierte Zoologin und Kulturanthropologin arbeitet als freie Journalistin und schreibt Bücher über die Beziehung von Mensch und Hund — wenn sie nicht gerade Hunde mit ihren unkonventionellen Methoden coacht. Ihr nächstes Werk dreht sich um die Frage, ob Hunde wissen, dass sie Hunde sind. Es erscheint 2014. Im Fernsehen ist sie demnächst zu Gast in der ZDF-Herbstshow, wo sie auch über die „Waste Watch Dogs“ berichten wird.