Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Dem Durchschnitt einen Schritt voraus

Es ist eine Zahl, die mich Schlucken ließ: 69 Prozent der Deutschen bewegen sich weniger als eine Stunde pro Tag. 36 Prozent kommen täglich nicht mal auf eine halbe Stunde zu Fuß oder mit dem Rad. Das sind die Ergebnisse der Bewegungsstudie von Techniker Krankenkasse und forsa-Institut aus Juni 2013. In der repräsentativen Umfrage wurden 1.003 in Deutschland lebende Personen über 18 Jahren zu ihrem Bewegungsverhalten gefragt. Dabei zeigte sich auch, dass etwa drei von zehn Befragten täglich neun Stunden und mehr im Sitzen verbringen, mehr als die Hälfte der Deutschen bezeichnet sich als Sportmuffel oder sogar Antisportler.

Sind wir wirklich so bewegungsfaul? Diese Frage ließ mich nicht mehr los und so beschloss ich, ihr nachzugehen. Ausgestattet mit einem Schrittzähler wollte ich es drei Tage lang ganz genau wissen und zählte jede meiner Bewegungen. Auch zwei Lüneburger haben sich dem Experiment angeschlossen: Christoph Weber, 23 Jahre, Student und Janis Dankers, 29 Jahre, im Preis.de-Geschäft.

Es klickerte und klackerte bei jedem Schritt. Kein anderer hätte das Ticken des Schrittzählers hören können, für mich war jedes Mal wie ein Donnerschlag. Am ersten Tag zählte ich im Kopf mit, schielte immer wieder auf das kleine Display an meinem Gürtel. Eifrig registrierte das Gerät das Auf und Ab meiner Beine, manchmal mehr und manchmal weniger zuverlässig. Bei der Hunde-Gassi-Runde am Morgen machte ich gleich ein paar tausend Schritte und war guten Mutes für den Tag. Doch kaum bei der Arbeit angekommen, blieb der Schrittzähler stumm. Auch der ein oder andere Weg in die Küche oder zum Kopierer machte sich auf dem Zähler kaum bemerkbar. Stunde um Stunde verging und mit der Zeit waren Schrittzähler und Studie vergessen. Umso überraschender war das Ergebnis am Abend: 8.857 Schritte und damit rund eineinhalb Stunden Bewegung am Tag. Auch an den folgenden Tagen bewegte ich mich etwa 9.000 Schritte täglich und legte damit rund sieben Kilometer zurück. Knapp unterhalb der 10.000 Schritte-Marke, die Sportmediziner empfehlen, um die eigene Gesundheit nachhaltig zu verbessern. Aber immer noch mehr, als die meisten Befragten der Bewegungsstudie.

Auch Janis Dankers ließ den Durchschnittsdeutschen der Studie hinter sich und bewegte sich mit 10.400 Schritten am ersten und 9500 Schritten am zweiten Tag jeweils mehr als eineinhalb Stunden. „Ich hatte erwartet, dass ich mich, bis auf das Spazierengehen mit dem Hund, relativ wenig bewege. Auf den Arbeitsalltag traf das auch zu, ich war nur verwundert, wie viele Meter ich abends in der Wohnung noch mache“. Täglich sitze er mindestens acht Stunden, sagt der 29-Jährige. Vor allem die Wege vor und nach der Arbeitszeit, machten sich auf seinem Schrittzähler bemerkbar. Dennoch: „Mit meinem Bewegungspensum bin ich nur mittelmäßig zufrieden. Wenn ich es aber im Gegensatz zu dieser Woche schaffe, zwei Mal in der Woche Sport zu machen, bin ich sehr zufrieden“. Ganz ohne Sport machte der Lüneburger am dritten Testtag sogar über 15.000 Schritte. „Ich hatte direkt nach dem normalen Spazierengehen einen Termin, zu dem ich den Hund mitgenommen habe“, erklärt sich der 29-Jährige das hohe Bewegungspensum.

Christoph Weber ließ es dagegen ruhiger angehen: „Ich bin gerade in der Klausurenphase, da saß ich nur in der Wohnung und habe gelernt“, sagt der Masterstudent zum Wirtschaftsingenieur. 4.300 steht am Ende des ersten Tages auf seinem Schrittzähler. „Ich find’s ja krass, dass es trotzdem so viel ist“, sagt er. Sein Bewegungspensum von durchschnittlich einer dreiviertel Stunde pro Tag, entspricht dem in der Studie ermittelten Durchschnittswert. Normalerweise treibe er fünf bis sieben Stunden wöchentlich Sport und gehört damit laut Studie, schon zu den Leistungssportlern. „Ich bin sonst ganz gut dabei“ sagt er und beweist das am dritten Testtag mit über 10.000 Schritten und knapp zwei Stunden Bewegung. „Ich war in Hamburg, mit Freunden etwas trinken“, erklärt er.