Aktuell
Home | Lokales | Schluss mit Schleusen
3551069.jpg

Schluss mit Schleusen

dth Bardowick. Der Bardowicker Schleuse an der Ilmenau droht wegen technischer Mängel ein jahrelanges Aus. Gleichsam würde auch der verbliebenen Schifffahrt auf dem Elbe-Nebenfluss zwischen Fahrenholz und Lüneburg ein letzter Riegel vorgeschoben. Bereits im April hatte das zuständige Wasser- und Schiffahrtsamt (WSA) Lauenburg die „längerfristige“ Sperrung für September angekündigt, „aufgrund notwendiger Bauwerkssicherungen“.

Wie lange die Schleuse tatsächlich außer Dienst gestellt wird, soll Anfang kommender Woche das Ergebnis einer Bauwerksinspektion durch das WSA entscheiden. Doch die WSA-Leitung befürchtet bereits jetzt nichts Gutes – und setzt sich damit erneut der Kritik aus.

Alle sechs Jahre unterzieht die Schifffahrtsbehörde die Schleusen und Wehre einer großen Inspektion und jährlich einer kleinen, hinzu kommen Sonderprüfungen abhängig vom Bauzustand. Dabei habe das WSA Lauenburg zuletzt den Eindruck gewonnen, dass „tragende Teile der Tore“ an der Bardowicker Schleuse beschädigt seien, bestätigt WSA-Leiterin Bettina Kalytta auf LZ-Nachfrage. Kalytta sagt: „Ich befürchte, dass sich das Obertor in einem so schlechten Zustand befindet, dass es dort mit ein wenig Reparaturaufwand nicht mehr getan ist.“ Genaueres werde die kommende Inspektion ergeben. Doch die WSA-Leiterin schränkt schon jetzt ein: „Für größere Investitionen kriege ich derzeit wohl kein grünes Licht.“ Kalytta betont auch: „Die Schleuse Bardowick wird nicht dauerhaft gesperrt, sondern vorrübergehend bis auf Widerruf.“ Beispiele wie die Schleuse Spandau zeigten aber, dass eine „vorrübergehende Sperrung“ mehrere Jahre dauern könne.

Bis auf Widerruf bis Ende des Jahres gilt auch die Sperrung der Schleuse Wittorf, die im März 2012 angeordnet wurde und seinerzeit den Planern der Lüneburger Hansetage einen Strich durch die Rechnung machte, auf Schiffsgäste via Ilmenau verzichten mussten. Mit Blick auf die Sanierungskosten für die Schleusen und Wehre bei Bardowick, Wittorf sowie Fahrenholz sagt WSA-Leiterin Kalytta: „Man muss das in einem Gesamtzusammenhang sehen: Wir schätzen, dass für die Erneuerung der dortigen Bauwerke rund 20 bis 22 Millionen Euro investiert werden müssten.“ Dabei geht das WSA allerdings nicht von Reparaturmaßnahmen, sondern vor allem von „Ersatzneubauten“ aus.

Der Wittorfer Gustav Rieckmann vom „Föderverein zum Erhalt der Schiffbarkeit“ sagt: „Der marode Zustand der Schleusen ist der Beleg dafür, dass deren Unterhaltung in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt wurde. Hätte das WSA seine Aufgaben erfüllt, wäre es niemals zu diesem Dilemma gekommen.“ Kalytta weist die Vorwürfe zurück: „Man rechnet bei einer Schleuse mit einer Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren, insofern haben wir eine gute Pflege betrieben.“ Die Schleusen Fahrenholz und Wittorf haben jeweils rund 120 Jahre auf dem Buckel. Die Bardowicker Schleuse hingegen wird dieses Jahr erst 80. Wie stark der Zahn der Zeit an ihr genagt hat, wird sich bei der nächsten Inspektion zeigen.