Dienstag , 27. September 2016
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Studiengang vorerst nur befristet

pm Lüneburg. Die Leuphana Universität in Lüneburg hat ihren neuen Studiengang „Digital Media“ zunächst anscheinend ohne den Segen des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums (MWK) eingerichtet. Da die Uni aber bereits die ersten Studenten zugelassen hatte, sah sich das Land jetzt zu einem vorläufigen „Ja“ veranlasst, heißt es aus der Landesregierung in Hannover.

Vorausgegangen waren nach LZ-Informationen offenbar heftige Diskussionen zwischen der Uni-Spitze um Vizepräsident Holm Keller und dem Ministerium über das von der Leuphana in den höchsten Tönen gepriesene Zukunftsprojekt. Bei diesem kann man laut Eigenwerbung „die Ideen, Ansätze und die Geschichte sowie die technischen Grundlagen und Werkzeuge digitaler Medien“ analysieren und anwenden lernen. Hannover dagegen hatte mehrere Bedenken gegen die Ausgestaltung des englischsprachigen Bachelor-Studiums, für dessen 35 Plätze sich 210 Interessenten beworben hatten. Die Experten des Wissenschaftsressorts rieben sich dem Vernehmen nach an der länderübergreifenden Kooperation mit der Hamburger Media School (HMS), an der Aufteilung der Lernorte in Hamburg und Lüneburg sowie vor allem an der möglicherweise wackligen Finanzierung und Sicherstellung des Lehrangebots.

Sie hegten daher Zweifel, ob die für die Errichtung des Studiengangs notwendigen Voraussetzungen nach dem Niedersächsischen Hochschulgesetz erfüllt seien.

Wegen der von der Uni vollendeten Tatsachen hätten sie nun jedoch zähneknirschend nachgegeben, heißt es aus Hannover. „Die Leuphana hat dem Ministerium die Pistole auf die Brust gesetzt“, sagt ein Kritiker. Schließlich habe keiner die betroffenen Studenten im Regen stehen lassen wollen.

„Eine Verständigung zwischen MWK und Hochschule ist erfolgt, sodass der Studiengang zum Wintersemester 2013/14 starten kann“, teilte ein Sprecher von Ressortchefin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) der LZ mit. Dieses gelte allerdings nur befristet für das neue Semester. „Für den Studiengang wurde eine ausnahmsweise nachzuholende Akkreditierung verabredet, sodass nach Vorliegen des Ergebnisses MWK und Hochschule gemeinsam über die Entfristung befinden werden.“

Mit der Akkreditierung durch ein unabhängiges Institut werden einem Studiengang und dessen Abschluss ein gewisser Qualitätsstandard und die bundesweite Vergleichbarkeit bescheinigt. Wann genau dies für „Digital Media“ erfolgen solle, erklärte die Lüneburger Uni auf Nachfrage nicht.

Schwierigkeiten wegen des Studiengangs? „Der Leuphana Universität sind keine Probleme bekannt“, teilte die Pressestelle mit, bestätigte aber zugleich die Befristung. „Das Studienangebot wurde vom Fachministerium derzeit für einen ersten Jahrgang genehmigt, mit einer Genehmigung der Folgejahrgänge rechnen wir zeitnah.“ Rechtliche und praktische Bedenken wegen der Zusammenarbeit mit der HMS, die im Visier des Hamburger Rechnungshofes stand, sieht die Uni Lüneburg nicht.

Für die Leuphana ist die Kooperation ein erfolgversprechendes Modell. Zwar stelle die HMS kein eigenes Lehrpersonal für den Unterricht im Nachbarland. Aber es fließe Geld: „Die Hamburg Media School unterstützt mit einem namhaften Beitrag die international und qualitative ambitionierte Lehre des Majors (Hauptfach) am Standort Hamburg.“