Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Alles unter einem Lüneburger Dach?

ca Scharnebeck. Mitarbeiter des insolventen Krankenhauses in Scharnebeck können auf Hilfe aus Lüneburg hoffen. Oberbürgermeister Ulrich Mädge bestätigt, dass er Gespräche in Sachen Scharnebeck geführt habe. Rückenwind dafür sei aus dem Sozialministerium in Hannover gekommen, an der Leine wünsche man sich, mögliche Perspektiven für das angeschlagene Haus zu entwickeln. Ob endlich Bewegung in die verfahrene Situation kommt, bleibt abzuwarten. Denn Mädge stellt klar, dass Stadt und die ihr angeschlossene Gesundheitsholding sich auf kein Wagnis einlassen wollen, finanzielle Risiken müssten „über Dritte abgesichert werden“. Dafür kämen etwa Land und Landkreis infrage.

Das Insolvenzverfahren läuft seit vier Jahren. Der Hamburger Verwalter Berthold Brinkmann führt das Haus mit den 70 Mitarbeitern seitdem und schreibt schwarze Zahlen – auch deshalb, weil es beispielsweise keinen Geschäftsführer mit eigenem Gehalt gibt. Brinkmann hatte in der Vergangenheit mehrere Interessenten für das Haus gefunden, so sollte ein Seniorenpflegezentrum entstehen. Doch eine Übernahme kam bislang nicht zustande. Während Brinkmann dafür auch den Eigentümer der Immobilie und dessen Berater verantwortlich macht, ist diese Seite wiederum mit Brinkmanns Agieren unzufrieden. Im Hintergrund laufen verschiedene Prozesse.

Eine Hoffnung Brinkmanns und der Personalvertretung des Krankenhauses um Jana Atay hatte auf dem Krankenhausplanungsausschuss geruht. Der Hintergrund: Im Krankenhausbedarfsplan des Landes ist Scharnebeck mit 16 Betten vertreten. Das sichert Patienten. Diese Betten hätte Brinkmann gern auf eine neue Betreibergesellschaft übertragen, um so quasi Altlasten abzustreifen und die „Braut“ attraktiver zu machen. Doch wie schon in der Vergangenheit hat der Ausschuss dies kürzlich erneut abgelehnt.

Auch wenn dieser Plan sich zerschlagen hat, betont Brinkmann: „Wir führen den Betrieb fort und suchen weiter nach Lösungen.“ Der Hamburger Jurist berichtet von „guten Gesprächen mit Lüneburgs Oberbürgermeister und dem Ministerium“. Zu Inhalten schweigt der Insolvenzverwalter.

Und Mädge? Der berichtet, dass verschiedene Modelle durchgespielt würden. Bei einer Schließung des Krankenhauses sei denkbar, einem Teil der Beschäftigten Stellen anzubieten, um aus der Gesundheitsholding ausscheidende Mitarbeiter zu ersetzen. Eine weitere Idee könne sein, den Pflegebereich zu übernehmen. Denn die Scharnebecker betreiben zwanzig Pflegebetten. Alles mache aber nur Sinn, wenn man Gebäude und Grundstück übernehmen könne. An dieser Frage waren in der Vergangenheit Übernahmen gescheitert, weil die Liegenschaft nicht zum Verkauf stand.

Warum die Lüneburger Hilfe anbieten, darüber wird unter Beobachtern hinter vorgehaltener Hand spekuliert: Der Ortho-Klinik der Gesundheitsholding am Ginsterweg geht es wirtschaftlich mies. Sie schreibt Verluste, erst 2015 soll es voraussichtlich einen Gewinn geben. In Scharnebeck bieten Belegärzte mit ihren Operationen ein ähnliches Angebot. Verschwänden die 16 Betten dort aus dem Krankenhausbedarfsplan, könnte das in Lüneburg zu einer besseren Auslastung führen. Und einem zusätzlichen Pflegezentrum vor der Stadt werden durchaus Chancen eingeräumt. Aber: Gerüchte, die nicht kommentiert werden.

Die 70 Beschäftigten im Krankenhaus Scharnebeck hoffen auf eine Lösung, die ihre Jobs sichert. Auch Patienten wären froh, wenn es eine Zukunft an der Hauptstraße gäbe, sie sind sehr zufrieden mit Ärzten und Pflegepersonal.