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„Nah an der Realität“

pet Scharnebeck. CDU, SPD, Grüne oder doch Tierschutzpartei? Eckhard Pols, Hiltrud Lotze, Julia Verlinden oder vielleicht Sonni Tonne? Wer bei der Wahl zum 18. Deutschen Bundestag ihre Stimmen bekommt, entscheiden die meisten „richtigen“ Wähler erst am Sonntag. Die Neuntklässler des Bernhard-Riemann-Gymnasiums in Scharnebeck haben ihre Erst- und Zweitstimme schon in dieser Woche abgegeben – bei der „Juniorwahl 2013“.

Und bei der sieht einfach alles aus wie „echt“: Das Wahllokal mit dem dreiköpfigen Wahlvorstand, den Wahlkabinen und der Wahlurne, die – allerdings blauen – Stimmzettel mit den antretenden Parteien und Direktkandidaten aus dem Wahlkreis 37, die Wahlbenachrichtigungen. Einfach alles. Die Wahl wird vom Verein „Kumulus“ bundesweit an 2250 Schulen organisiert, vom Bundesfamilienministerium, dem niedersächsischen Kultusministerium und der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt. Finanziell fördert die AOK Niedersachsen das Bernhard-Riemann-Gymnasium bei der Wahl, für die Andre Maaß, Beauftragter für den Schulservice, nach Scharnebeck gekommen ist. „Uns gefällt, dass die Juniorwahl der realen Wahl wirklich sehr nah kommt.“

Moritz Pöthe, Maximilian Schmager und Sina Neumann bilden für die Klasse 9S2 den Wahlvorstand, der mit strengen Augen über die Wahl wacht. Mitschüler Paul Weigel ist der Erste, der an diesem Vormittag ins Wahllokal kommt, seine Wahlbenachrichtigung abgibt. Sina gleicht das Schreiben mit dem Wählerverzeichnis ab, bittet um den Ausweis, Moritz gibt den Wahlzettel aus – mit dem Hinweis: „Vor dem Einwurf in die Wahlurne bitte falten.“

23 von 24 Schülern haben am Ende ihre Stimmen abgegeben – eine Traumbeteiligung von fast 96 Prozent. Und die Neuntklässler mussten bei der Stimmabgabe nicht lange zögern, sie hatten sich im Unterricht von Politiklehrer Carsten Eichelberger gut vorbereitet. „Was ich wählen würde, wusste ich schon vorher, aber die Juniorwahl hat mich darin bestätigt“, sagt Martin Wegener. Das gilt auch für Fabian Willner und Carla Kardel, die sich zusätzlich bei Wahlkampfveranstaltungen informiert haben. Mareike Freiwald wusste sogar schon vorher, wie das so funktioniert bei der Wahl, „weil ich mit meinen Eltern schon mitgegangen bin“.

Britta Bensinger-Bünte, Fachobfrau für Politik und Wirtschaft am BRG, ist überzeugt vom Konzept der „Juniorwahl“: „Nach den bisherigen Erfahrungen könnte ich mir vorstellen, sie dauerhaft durchzuführen.“ Gut passen könnte das für das zweite Schulhalbjahr 2013/14, wenn die nächsten Wahlen zum Europaparlament anstehen. „Europa ist dann ohnehin gerade Thema für die 10. Klassen.“

Den teilnehmenden Schulen stelle der Verein Kumulus umfangreiches Material zur Verfügung, so Bensinger-Bünte. „Mit dem letzten großen Paket sind dann Wahlurne und Wahlkabinen gekommen.“ Bei der Juniorwahl sind die fünf Klassen des neunten BRG-Jahrgangs dabei.

Am Freitag treffen sich die Auszähler, ermitteln die Ergebnisse. „Die müssen wir bis 18 Uhr an Kumulus übermitteln“, erklärt Fachobfrau Bensinger-Bünte. Per Post geht dann auch noch die „Wahlniederschrift“ an die Veranstalter.

Wenn am Sonntag um 18 Uhr die Wahllokale schließen, werden die BRG-Schüler ganz genau und doppelt hinschauen: Parallel zu den „realen“ Ergebnissen werden dann die Juniorwahl-Resultate im Internet unter www.juniorwahl.de abrufbar sein. „Da wird interessant sein, ob bei beiden Wahlen das Gleiche rauskommt“, meint Mareike Freiwald.