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Der siebte Sinn für Pilze

off Lüneburg. Bernhard Frank gesteht zwischen dem grünen Knollenblätterpilz und dem Birkenpilz. In einem Waldstück bei Lüneburg ist der 59 Jahre alte Sachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie auf Pilzsuche. Das Giftexemplar hat er bereits in den Korb gelegt, den essbaren Vertreter der Rauhstielröhrlinge wird er gleich finden, als er zugibt: „Ich sammele zwar das ganze Jahr über Pilze, esse sie aber nicht gern“. Nur ganz wenige Arten landen hin und wieder auch auf dem Teller des Bardowickers, alle anderen trägt er zu Lehrzwecken zusammen — vor allem jetzt, wenn Maronen, Pfifferlinge und Steinpilze wieder Hunderte Sammler in die Wälder locken.

„Nach der langen Trockenheit haben Regen und Vollmond die Pilze aus dem Boden gelockt“, sagt Frank. Und das bedeutet für den pensionierten Eisenbahner: Er hat alle Hände voll zu tun. Mehrmals täglich klingelt in der Sammelsaison sein Telefon, weil Leute wissen wollen, ob sie die Pilze, die sie mitgenommen haben, auch wirklich essen können. Gleichzeitig geht Frank mehrmals wöchentlich auf Pilzsuche, um seine Lehrwanderungen vorzubereiten. Sein Hauptziel dabei: „Die Leute sollen lernen, die wirklich giftigen Pilze zu erkennen.“ Denn gerade solche wie der grüne oder der kegelhütige (weiße) Knollenblätterpilz können schnell verwechselt werden — und innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen.

Gelernt hat der gebürtige Oberpfälzer die ersten Lektionen Pilzkunde bereits als Kind, sammelte mit Vater und Großvater regelmäßig Pilze in den Wäldern seiner Heimat. Nicht aus Spaß. „Wir haben davon gelebt“, sagt er. Auf dem Dachboden wurde die Ernte kiloweise getrocknet, „ständig standen bei uns Pilze auf dem Speiseplan“. Auch die matschigen Exemplare musste Frank essen, „der Grund, warum ich heute nur noch selten und nur noch sehr ausgewählte Pilze esse“, sagt er. Nicht verleiden konnte ihm seine Kindheit hingegen sein mykologisches Interesse. Im Gegenteil: Bernhard Frank hat mit den Jahren eine wahre Leidenschaft für Pilze entwickelt.

In Nürnberg hat er bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie vor rund 15 Jahren die Prüfung zum Pilzsachverständigen abgelegt, erkennt rund 1000 verschiedene Pilzarten — und verbringt seit seinem Umzug nach Bardowick vor 13 Jahren einen Großteil seiner Zeit beim Pilzesammeln. Auf der Suche ist Frank dabei nicht nach außerordentlich schmackhaften oder extrem giftigen Exemplaren, ihn treibt die Suche nach Besonderheiten in die Wälder. „Wenn da unverhofft ein besonderer Pilz steht, einer, den man noch nie gefunden hat“, sagt er, „das ist einfach nur schön.“ Für dieses Erlebnis kann er stundenlang durch den Wald streifen — dafür muss der Pilz am Abend nicht auf seinem Teller liegen.

Seine nächste Pilzwanderung bietet Frank am morgigen Sonntag an. Treffen, 10 Uhr, am Friedhof in Mechtersen. Mehr dazu bei Bernhard Frank unter 0160/98003795.