Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Alles beginnt mit einer Idee
3580996.jpg

Alles beginnt mit einer Idee

hjr Lüneburg. Choreografen setzen Zeichen. Dadurch lässt sich ein persönlicher Stil erkennen. Das Ensemble sollte diese Sprache verstehen und szenisch umsetzen. Eine funktionsfähige Korrespondenz und kreative Allianz sind das Resultat. Im Idealfall vollzieht natürlich auch das Publikum die dargestellten Assoziationen nach und fühlt sich angeregt. Zum Saisonstart wechselte im Theater Lüneburg die Ballett-Direktion. Der neue Chef der kleinen Compagnie heißt Olaf Schmidt. In der ersten Werkstatt im ausgebuchten Ballett-Saal stellte er seine Arbeitsweise und Lesart am Beispiel der bevorstehenden „Pinocchio“-Produktion vor.

Fest steht: Auch unter seiner Leitung wird es keine Rückkehr zu klassisch konventionellen Bildern geben. Trotzdem zitiert Schmidt immer wieder den traditionellen Bewegungsapparat. Die Fee zum Beispiel tanzt in „Pinocchio“ nach diesem vertrauten Vokabular zu Klängen aus Vivaldis „Jahreszeiten“. Überhaupt, die Musik: Sie übernimmt bei der Entwicklung einer Choreografie stets eine besondere Rolle. Olaf Schmidt greift dabei lustvoll in das Füllhorn, bedient sich zwischen Barock und Moderne, Bourree und Tango.

Wie wächst ein Tanzstück von der erste Skizze bis zur Premiere? Der Choreograf gewährte interessante Blicke hinter die Kulissen. Zunächst sind es Schnipsel, Ideen, die langsam gedeihen, zu Bewegungsabläufen werden und Zusammenhänge herstellen. Die Raumwirkung will bedacht sein, Bilder, Farben komplettieren die Ingredienzien, bis aus den Bruchstücken fertige Ordnungen und Formationen gereift sind und in „Pinocchio“ die bittersüße Geschichte vom hölzernen Hampelmann dramaturgisch sinnfällige Leitlinien aufweist.

Sehr unterhaltsam und verständlich weckte Olaf Schmidt Appetit auf die Premiere am 5. Oktober, beeindruckend unterstützt vom spielfreudigen Ensemble. Zugleich offenbarte sich sein breites Ausdrucksspektrum. Er verlangt von seinem Ensemble eine Menge. Konzentration und Disziplin sind obligatorisch, aber er will zugleich die kraftvoll ausladende Geste und Energie geladene Szene. Das kostet reichlich Anstrengung und soll doch leichtfüßig aussehen.

Die Tänzer agierten sichtbar motiviert. Der Neubeginn deutet eine positive Spannung an: Von Olaf Schmidt sind interessante Impulse zu erwarten, brav und abgestanden jedenfalls werden die Produktionen nach dieser Visitenkarte gewiss nicht. Der Beifall des Werkstatt-Publikums markierte deutliche Zustimmung.