Aktuell
Home | Lokales | Drachenbändiger am Artlenburger Deich
3580999.jpg

Drachenbändiger am Artlenburger Deich

rov Artlenburg. „Mein Mann bändigt den Drachen, und ich stricke“, sagt die Hamburgerin Sabine Bienia, während sie vor ihrem Wohnmobil im Campingstuhl sitzt. Für sie sei die bunte Wolle entspannend, ihr Mann lenkt sich mit bunten Drachen vom Berufsalltag ab. Wie dieses Paar sind viele Fans zum Drachenfest nach Artlenburg gekommen, um ihre Drachen steigen zu lassen. Rund 100 Teilnehmer haben das Wochenende auf der Wiese am Deich in Artlenburg verbracht. Teils mit eigenem Campingwagen, teils nur als Tagesgäste.

Organisator ist Jürgen Lepthien, selbst ein leidenschaftlicher Drachenbändiger. Schon sieben Jahre hat er nun das Drachenfestival am Deich gemanagt und ist daher trotz des geringen Windes am Wochenende entspannt. Er weiß, dass der Wind hier schnell auffrischen kann und dann sind sofort alle auf der Wiese und lassen ihre Drachen fliegen. Der gelernte Schlosser liebt es, draußen am Deich die vielen Drachen fliegen zu sehen.

Etwas weiter hinten auf der Deichwiese wird aus dem Mangel an Wind eine Tugend gemacht. Dort dirigiert Opa Harald seine beiden Neffen Bennett und Erik hin und her. „Gib mehr Leine“, oder „Ja, ja, ja, jetzt noch schneller laufen … und jetzt stehen bleiben“, ruft der Senior. Seine Frau Lisa Niehhus findet das Drachenfest sehr gelungen, egal wie viel oder wenig Wind gerade da ist. „Wir sind aus Lüneburg und für unsere Enkelkinder ist das ganz toll hier mit Opa so herumzuflitzen.“ Neben den Drachen zum Anschauen und Hinterherziehen gibt es für die Kinder noch ein Spiel- und Erlebniszelt, und immer wieder steigt ein Drache der Veranstalter auf, der Bonbons auf das Festgelände regnen lassen kann. Ostereisuche mal anders.

Wenn einmal etwas am Drachen kaputtgeht ist Ulrich Wybranietz zur Stelle. Der Mann mit der Baseballkappe hat so ziemlich jedes Ersatzteil in seinem Auto mitgebacht und kommt zu jedem Drachenfest nach Artlenburg. „Es ist hier schon eine eingeschworene Truppe, man kennt sich und hat viele Freundschaften geschlossen“, erklärt der Mann seine Motivation, jedes Mal aus Hameln herzufahren. Außerdem sei Drachen fliegen lassen der pure Stressabbau.

Karen Peters und Jens Kirchheimer sind aus Hamburg mit ihrem Wohnmobil gekommen. Zwölf Lenkdrachen hat das Paar dieses Wochenende dabei, die mit zwei bis vier Leinen geflogen werden. „Die meisten haben wir selbst genäht, das macht eigentlich jeder, der das Hobby ernst nimmt“, erklärt Kirchheimer. „Und das komische ist dann, meinen Kerl hinter der Nähmaschine hocken zu sehen“, findet Peters. Aber man könne eben mit relativ wenig Aufwand und relativ erschwinglich einem schönen Hobby nachgehen. Neben den Drachen hat das Paar aber auch noch ein anderes Hobby, Modellbauflugzeuge. „Wir sind dadurch jedes Wochenende draußen und irgendwie immer in der Luft“, sagt Peters weiter.