Mittwoch , 28. September 2016
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Wer wildert im SPD-Revier?

ml Lüneburg. Gewohnheiten ändern sich. Auch an Wahlabenden. Dass um 18 Uhr in vielen Haushalten die erste Prognose zur Bundestagswahl über den Bildschirm flimmert, überrascht nicht. Wohl aber, dass beim Landkreis Lüneburg die Server fast zeitgleich zur FDP in die Knie gehen. Statt spannender Wahlergebnisse sehen neugierige Internetnutzer allzuoft nur die humorlose Nachricht „Server hat die Verbindung geschlossen. Es wurden keine Daten gesendet“. Prädikat: verbesserungswürdig.

Verbessern müssen ihre Zusammenarbeit auch SPD und Grüne, wenn sie den Unionsüberfliegern beim nächsten Mal die Flügel stutzen wollen. Zwar hat SPD-Direktkandidatin Hiltrud Lotze doch noch ihr Ticket nach Berlin über die Landesliste gelöst, doch vom Gewinn des Direktmandates war sie weit entfernt. Während die Sozialdemokratin ausgerechnet in Vietze im Landkreis Lüchow-Dannenberg mit 45,6 Prozent ihr bestes Ergebnis erzielt, erreicht CDU-Kontrahent Eckhard Pols 67,6 Prozent in Gienau. Insgesamt liegt das Ergebnis des Christdemokraten in 30 von 284 Wahlbezirken über 50 Prozent. Sein schlechtestes Ergebnis fährt Pols an den Berufsbildenden Schulen I mit 19,6 Prozent ein, Lotze schafft im rechtselbischen Laave nur 12,7 Prozent.

Interessant wird das Ergebnis der SPD-Frau beim Blick auf das Erststimmenergebnis von Julia Verlinden. Ende Juni hatten Grüne und Sozialdemokraten eine Erststimmenkampagne für Hiltrud Lotze vereinbart, am Ende aber wegen Streitereien im SPD-Unterbezirk Lüneburg nicht konseqent durchgezogen. Das spiegelt sich nun auch im Wahlergebnis wider: In fast 60 Wahlbezirken erhält Verlinden mehr als 15 Prozent. Stimmen, die Lotze am Ende fehlen. Denn in nur 15 Wahlbezirken fährt die Grüne weniger als fünf Prozent ein.

Und auch die Linke wildert eifrig im vermeintlichen Revier der Sozialdemokraten. Vor allem rechts der Elbe ist die Linke stark, zum Glück für die SPD ist die Gemeinde Amt Neuhaus jedoch ausgesprochen einwohnerschwach. Deshalb schlägt sich das Wildern im Gesamtergebnis nicht sonderlich nieder. Dennoch: Ihre vier besten Ergebnisse erzielt Linken-Kandidatin Johanna Voß im Amt Neuhaus.

Wer auch immer bei der Bundestagswahl 2017 für die SPD als Direktkandidat antritt: Zum Sieg muss er oder sie Wähler von sich überzeugen, die in diesem Jahr noch Pols, Verlinden oder Voss ihre Stimme gegeben haben.