Mittwoch , 28. September 2016
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Das Röhren im Walde

ol Lüneburg. Wenn die Blätter der Laubbäume bunt werden, die Nächte kühler werden und die Zeit der Morgennebel beginnt, wird es laut in den Wäldern des Landkreises. Die Hochzeit des Rotwildes, die Brunft, hat begonnen. Eines der faszinierendsten Schauspiele der Natur können Naturfreunde noch bis Mitte Oktober erleben. Haben die Hirsche bisher gemeinsam in einem Rudel gelebt, suchen sie nun die Nähe des weiblichen Rotwilds, um sich ein Brunftrudel zu erkämpfen. Hat sich ein Hirsch erst einmal ein Rudel erkämpft, wird er es als „Platzhirsch“ gegen alle auftauchenden Nebenbuhler mit lautem Röhren und ritualisiertem Imponiergehabe verteidigen. Dabei wird der Boden mit dem Geweih bearbeitet oder mit den Vorderläufen aufgerissen. Will der Kontrahent nicht weichen, ziehen die Hirsche parallel nebeneinander her. Dann wenden sich die Hirsche plötzlich einander zu und stoßen mit aller Kraft frontal mit ihren Geweihen zusammen, um sich gegenseitig vor sich herzuschieben. Dieses Ritual dauert so lange an, bis der Schwächere vor Erschöpfung aufgibt und fluchtartig den Kampfplatz verlässt.

Die Hirsche messen ihre Kräfte mit den Geweihen, keinesfalls wollen sie sich gegenseitig verletzen. Selten wird ein kämpfender Hirsch von seinem Nebenbuhler „geforkelt“, der dann den Verletzungen erliegt. Welcher Hirsch siegt, hängt nicht nur von der Geweihstärke ab, sondern von Gewicht, Körpergröße und Erfahrung.

Was für Menschen ein grandioses Naturschauspiel ist, ist für den Platzhirsch Stress pur, denn am Waldrand lauert schon die Konkurrenz – bereit für eine feindliche Übernahme des weiblichen Rudels. Dieser Dauerstress bleibt nicht ohne Folgen. Hirsche verlieren bis Mitte Oktober 20 bis 30 Kilogramm an Gewicht.

Rotwild darf in Deutschland in neun Bundesländer nur in staatlich festgelegten Rotwildbezirken leben. „In Niedersachsen darf sich das Rotwild frei bewegen – kommt jedoch in geeigneten Gebieten häufiger vor. Im Landkreis Lüneburg kommt das Rotwild in der Göhrde, im Süsing und im Amt Neuhaus in gesicherten Beständen vor“, erklärt Kreisjägermeister Hans Christoph Cohrs.

Keinesfalls dürfen Naturfreunde nachts Hochsitze besteigen, um die Hirschbrunft zu erleben. Wer keinen Jäger in seinem Bekanntenkreis kennt, der ihn mitnimmt, kann in den Wildparks Lüneburger Heide und Schwarze Berge an Führungen und Beobachtungen teilnehmen und die Hirschbrunft hautnah und gefahrlos erleben.