Dienstag , 27. September 2016
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Die Rübenroder rollen

off/dpa Uelzen. Die Transporter rollen wieder, die Schornsteine qualmen – in der Uelzener Zuckerfabrik hat die Saison begonnen. Seit dem 23. September läuft der Betrieb in dem Uelzener Werk der Nordzucker AG auf Hochtouren, gestern ist der erste Lkw mit Rüben aus dem Landkreis Lüneburg auf das Fabrikgelände gerollt. Ganz so gut wie in den vergangenen beiden Jahren wird die diesjährige Kampagne aller Vorraussicht nach allerdings nicht. Einen Grund zum Feiern hat die Nordzucker AG trotzdem: Das Unternehmen besteht in diesem Jahr seit 175 Jahren.

Rekorderträge wird es im Jubiläumsjahr aber definitiv nicht geben. „Die späte Aussaat nach dem langen Winter und der trockene Sommer waren für die Rüben nicht ideal“, sagt eine Sprecherin der Braunschweiger Nordzucker AG in Braunschweig. Den Vegetationsrückstand konnte die Rübe im weiteren Verlauf nicht wieder aufholen. Deswegen erwartet Volker Bückmann, Leiter Rohstoffbeschaffung Zentraleuropa Erträge unter dem mehrjährigen Mittel. „Nicht jedes Vegetationsjahr kann ein Rekordjahr sein“, sagt er. „Insgesamt erwarten wir aus den Erkenntnissen der Proberodungen der letzten Wochen leicht unterdurchschnittliche Erträge, die rund 15 Prozent geringer sind als im Vorjahr.“

Im Raum Lüneburg organisiert die Rüben-Kampagne der Maschinenring, schon jetzt weiß jeder Landwirt, wann seine Rüben abholbereit auf dem Feld liegen müssen. „Der erste Transport der Saison ist gestern in Ehlbeck in der Gemeinde Rehlingen gestartet“, sagt der Geschäftsführer des Maschinenrings, Christian Schulz. Danach wird bis Januar gleichmäßig verteilt die gesamte Ernte der Region nach Uelzen gefahren: 80 Lkw-Ladungen pro Tag. „Wir ernten in der Region für 200 Rübenanbauer insgesamt 345 Rübenschläge“, sagt Schulz. Und zwar mit hochprofessionellem Gerät.

Eine der wichtigsten Maschinen bei der Rübenernte ist die Maus, das Mieten-Aufnahme-Umschlag-System. „Diese Maschine sorgt dafür, dass die Rüben von der Lagermieter auf dem Feld auf den Lkw kommen, ohne dass der Transporter aufs Feld fahren muss.“ Das verhindert nicht nur das Festfahren auf nassen Böden, „das hält auch die Straße sauber“, betont Schulz.

Je nach Qualität liegt der Zuckergehalt der Rübe zwischen 17 und 24 Prozent. Beim Kochen in der Fabrik geben die Zellen das süße Gold frei, aus dem Dicksaft wird dann der traditionelle Kristallzucker gewonnen. Die Reststoffe wie Melasse und Rübenschnitzel gehen unter anderem in die Futtermittelindustrie. Heinrich-Hubertus Helmke vom Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ) hofft auf gutes Wetter in den kommenden Wochen: „Wenn die Sonne jetzt noch mal scheint, dann kann das noch etwas für den Zuckergehalt bringen“, sagte er.

Nach Uelzen werden heute auch die anderen niedersächsischen Werke in Schladen, Nordstemmen und Clauen sowie Klein Wanzleben mit der Rübenverarbeitung beginnen. Europaweit hat die Nordzucker AG 18 Standorte und beschäftigt 3300 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2012/13 hatte Europas zweitgrößter Zuckerproduzent bei Gewinn und Umsatz Rekordwerte erreicht.

Der Gewinn des Konzerns war im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 73 Prozent auf 360 Millionen Euro gestiegen, der Umsatz um 21 Prozent auf 2,44 Milliarden Euro. Als Gründe für die positive Entwicklung nannte das Unternehmen die deutlich höheren Zuckerpreise sowie ein durchgeführtes Sparprogramm.