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Fotograf im Auftrag des Herrn

uk Lüneburg. Kondition hat der Mann, keine Frage: Als Kitesurfer kämpft Carsten Hokema regelmäßig mit Wind und Wellen, als Fotograf holte er jetzt für einen Tag Lüneburger jeden Alters vor die Linse. Die kamen nämlich für die Aktion „Gottes geliebte Menschen“ in Scharen in die Friedenskirche: 325 Porträtfotos haben Carsten Hokema und zwei weitere Fotografen an einem Nachmittag im mobilen Fotostudio geschossen. Noch an diesem Sonnabend und Sonntag, jeweils von 10 bis 12 Uhr, ist das Ergebnis in den Räumen der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde an der Wichernstraße zu sehen.

„Jeder Mensch ist schön, denn er ist ein Geschöpf Gottes“, ist die Überzeugung, die Hokema leitet. Den Mann aus Oldenburg treibt neben seinen Hobbys eine weitere Leidenschaft an, nämlich die für den christlichen Glauben. Als Pastor im Dienstbereich Mission des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden reist der 48-Jährige mal mit aufblasbarer Kirche zu den Surf-Events an der Küste, mal mit Fotostudio in eine der etwa 300 norddeutschen Baptistengemeinden. Für den umtriebigen Theologen nicht weiter ungewöhnlich: „Ich verbinde einfach Beruf und Hobby“, sagt der Pastor mit einem Schmunzeln.

Als „Band der Sympathie“ bezeichnete Gemeindepastor Jürgen Bohle bei der Vernissage die langen Reihen von Fotos, die sich durch die Gemeinderäume ziehen. Jedes Bild zeige Originale: „Es ist einfach schön anzusehen, wie das Leben Menschen formt.“ Bewusst verstehe man die Aktion auch als „Zeichen gegen den Casting-Trend mit seinem Einheitsschönheitsideal.“ Den Gedanken griff Peter Koch in seinem Grußwort auf: „Unsere Zeit lebt viel von Ausgrenzung“, meinte der Erste Stadtrat und wertete die Aktion als „wichtigen Impuls in die Stadt hinein“, die etwa vor der Aufgabe stehe, Bürgerkriegsflüchtlinge aufzunehmen. „Weil alle Menschen Ebenbilder Gottes sind, sind wir aufgefordert, andere nicht auszugrenzen.“ Dass Gott die Frage „Bin ich schön?“ immer mit Ja beantworte, unterstrich Hokema. Nachweislich hätten objektive Kriterien nur wenig Einfluss auf unser Schönheitsempfinden. „Weil Gott uns liebt, sind wir schön. Gott ist ganz vernarrt in seine Menschen.“

Vernarrt in Gesichter ist zugleich der Fotograf. Er versuche, sich der Persönlichkeit anzunähern, erklärte Hokema: „Nur Grinsegesichter wären ja langweilig.“ Entsprechend vielfältig und ausdrucksstark ist das Ergebnis. Ingo Herzberg etwa gefällt sein Porträt, auf dem er die Arme hinter dem Kopf verschränkt. „Das hab‘ ich spontan so gemacht, konnte mir aber nicht vorstellen, dass es echt gut aussieht.“ Für den Fotografen im Auftrag des Herrn die Erfüllung seiner Mission. Hokema: „Wenn jemand sein Porträt am Ende schön findet, ist das für mich ein Stück Evangelium.“