Aktuell
Home | Lokales | Die Wohnungsnot der Studenten
3592013.JPG

Die Wohnungsnot der Studenten

mm Lüneburg. Die Warteliste des Studentenwerks für Wohnheimplätze auf dem Uni-Areal umfasst 500 Namen, Campus Lüneburg muss Inte“ressenten vertrösten, und auch auf dem freien Wohnungsmarkt in der Stadt suchen angehende Studenten oft vergebens eine Bude. WG-Zimmer sind im Handumdrehen vergeben und Notunterkünfte bisher noch Fehlanzeige. Nichts geht mehr zum Semesterstart.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge sagt zur Wohnungsnot: „Lüneburg ist aufgrund seiner Attraktivität und wachsenden Einwohnerzahl sicher kein leichtes Pflaster für Studenten auf Wohnungssuche.“ Kritisch seien besonders die ersten Monate nach Semesterbeginn. Das sieht auch Studentenvertreter Thorben Peters so: „Bisher deuten alle Signale darauf hin, dass der Wohnraum knapper denn je wird. Uns erreichen täglich Anfragen von verzweifelten Wohnungssuchenden, die nicht mehr weiterwissen.“

Die Stadt hat die Problematik erkannt. Im Frühjahr gab es eine Gesprächsrunde mit OB Mädge, Leuphana-Spitzen, Studierendenausschuss, Studentenwerk und Campus Management. Dabei wurde erneut deutlich: Vor allem in der unmittelbaren Umgebung der Uni ist freier Wohnraum Mangelware. „Es lohnt sich, im gesamten Stadtgebiet zu gucken und speziell auch in den nahen Umlandgemeinden“, heißt es von Seiten der Stadt. Diese strebe einen größeren Wohn-Mix in Neubauvierteln an. So seien im neuen Hanseviertel Wohnungen für Studierende per Städtebauvertrag vorgesehen. Für das Neubaugebiet an der ehemaligen Wittenberger Bahn gäbe es eine Bauvoranfrage für ein Wohnheim mit rund 300 Plätzen. Außerdem: Ab 2015 werde Wohnungsbau Bestandteil der EU-Förderung, Mädge: „Da kommt was in Bewegung.“
Dennoch: Die akute Wohnungsnot bleibt. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) habe mit der Stadt über Notquartiere verhandelt — bislang ohne Erfolg, schildert AStA-Sprecher Peters. „2012 haben sich Studenten exmatrikuliert, weil sie keine Bleibe gefunden haben“, gibt er zu bedenken. Der AStA ist im Moment bemüht, die Bettenbörse zu reaktivieren. Eine Plattform im Internet, wo Studenten für Studenten Zimmer, Betten und Sofas zum Nächtigen anbieten können. Wichtig sei die Solidarität aller Studenten und der Lüneburger gegenüber den Wohnungssuchenden (siehe Bericht links unten).

Das Studentenwerk OstNiedersachsen hat auf seiner Internetseite eine Rubrik Suche und Biete. Hier können Privatleute Wohnangebote einstellen und auch wieder herausnehmen. Mehr kann man Neu-Studenten hier zurzeit nicht anbieten. Das Erstsemesterwohnheim sei dreifach überbucht, sagt Michael Klink vom Studentenwerk. Zum nächsten Wintersemester soll auf dem Uni-Gelände an der Wichernstraße ein neues Wohnheim mit neun Studentenwohnungen fertiggestellt sein. Das bedeutet Platz für 50 Studenten, aber keine Verbesserung der momentanen Situation. „Wir werden unsere Gemeinschaftsräume wieder als Schlafquartiere zur Verfügung stellen“, sagt Klink. Es scheint, als werde die Wohnungsnot von Jahr zu Jahr größer. Eine mögliche Ursache laut Klink: „Es gibt weniger Pendler unter den Studenten.“ Das könne mit gestiegenen Anforderungen und mehr Präsenszeiten an der Uni zusammenhängen, vermutet er.
Im ehemaligen Anna-Vogeley-Seniorenzentrum hat der Verein Campus laut Chef Klaus Hoppe zurzeit 40 Zimmer im Angebot — 18 weitere Appartements kommen bis Mitte Oktober dazu. In Rekordzeit von acht Stunden konnten die 40 Zimmer vermietet werden. Obwohl die Preise mit 420 Euro für ein 30 Quadratmeter großes Zimmer über dem Durchschnitt liegen. „Wir haben das Heim vom Städtischen Klinikum gemietet und müssen sämtliche Investitionen selber tragen“, begründet Hoppe die Kosten. Er stellt auch fest: „Die Leuphana zieht schon reiche Eltern an, das ist natürlich gut für uns.“ Der Verein betreibt auch fünf Studentenwohnheime auf dem Campus mit 310 Zimmern: „Bei uns ist ab 1. November längst alles belegt.“ Außer bei den neuen Appartments. Drei freie Zimmer gäbe es noch.

Die Warteliste für die Wohnheime auf dem Campus ist mit 500 Studenten aber mehr als gut gefüllt. „Allerdings ist die Lage für Studenten nicht ganz so katastrophal wie im letzten Jahr“ sagt Wohnheimleiterin Monika Feldmann.