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Wald wird zur Mülldeponie

kre Barendorf. Die Kontrollfahrt durch den Wald endet abrupt: Ein Balken mit dicken, rostigen Nägeln mitten auf dem Waldweg zwingt Oliver Christmann zum Bremsen. Hätte der Barendorfer Revierförster das Hinderniss zu spät gesehen – ein neuer Satz Reifen wäre wohl fälllig gewesen. Christmann ist sauer. Denn immer häufiger entsorgen Umweltfrevler illegal ihren Schutt und Abfall im Wald. Ein Phänomen, das nicht nur den Förstern im Lüneburger Raum Sorgen bereitet, „sondern zunehmend in ganz Niedersachsen zu beobachten ist“, weiß Reiner Baumgart, Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten.

„Offensichtlich hat hier jemand seine Gartenbude abgerissen“, mutmaßt Christmann, und deutet auf die Teerpappe, die – fein säuberlich gebündelt – zusammen mit den alten Pfosten mitten im Wald illegal entsorgt wurde. „Jetzt müssen unsere Leute den Dreck aus dem Wald holen und zur Deponie nach Bardowick bringen“, ärgert sich Christmann über die Rücksichtslosigkeit mancher Zeitgenossen. Der Barendorfer Förster hat Anzeige erstattet. Jetzt ermittelt die Polizei.

„Müllentsorgung im Wald ist kein Kavaliersdelikt“, warnt auch Reiner Baumgart und zählt auf, gegen welche Gesetze die Müllsünder verstoßen: „Gegen das Naturschutzrecht, gegen das Abfallbeseitigungsgesetz und auch gegen das Landschaftschutzgesetz.“ Wer erwischt wird, für den wird es teuer.

Trotzdem finden mittlerweile die Förster und Jäger so ziemlich alles im Wald – angefangen von der abgerissenen Gartenbude über alte Autoreifen, Plastikfolien, Bauschutt und Fliesenscherben bis hin zu ausrangierten Fernsehern und Kühlschränken.

„Hauptsache, ich bin den Müll los.“ Das scheint die Devise der Umweltsünder zu sein. „Wo sie ihren Dreck hinkippen, das ist denen offenbar ganz egal“, glaubt Christmann: „Das einzige worauf die achten, ist, nicht erwischt zu werden.“

Jetzt ist der Förster richtig aufgebracht: Auf der Steinhöhe vis-È-vis dem Fernsehturm – dort, wo die Purena einen neuen 2000 Kubikmeter fassenden Behälter für die Trinkwasserversorgung errrichtet, hat ein Unbekannter heimlich mehrere Kartons mit Abfall hingestellt. Christmann kontrolliert die Kartons und findet unter anderem mehrere Ölflaschen: „Original BMW-Markenöl“ liest der Förster das Etikett vor und vermutet – „da hat wohl einer seine Garage aufgeräumt.“ Unter anderem findet er in den Kisten noch einen Luftfilter, Blechdosen, die sich frisch Vermählte nach der kirchlichen Trauung ans Auto hängen sowie diverses anderes Gerümpel.

Doch es ist nicht nur der Sperrmüll, der Hausrat oder der Sondermüll, der illegal im Wald landet. „Auch Gartenabfälle haben im Wald nichts zu suchen,“ machen Christmann und Baumgart unmissverständlich deutlich. Aus gutem Grund: Denn mit dem Rasenschnitt, den abgeschnittenen Stauden und Blüten geraten auch Pflanzen in den Wald, die im heimischen Öko-System Wald nichts zu suchen haben.

Die beiden Förster bitten deshalb Waldbesucher um Unterstützung: „Wer eine illegale Müllentsorgung beobachtet, sollte sich das Kennzeichen notieren und die Bezirksförsterei oder Polizei informieren.“