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Neue Seuche bedroht Schweine

off Lüneburg. Wenn Hans-Christoph Cohrs von der Jagd nach Hause kommt, wechselt er als erstes seine Kleidung. Früher hat der Landwirt dabei nur an die klassische Schweinepest gedacht – heute fürchtet der Schweinehalter aus Betzendorf die Einschleppung einer noch gefährlicheren Seuche: die Afrikanische Schweinepest (ASP). Von Weißrussland aus rückt die Viruserkrankung mit einer Geschwindigkeit von 250 bis 350 Kilometern pro Jahr immer näher, ist zuletzt in Grenznähe zu Polen ausgebrochen. Sollte sie bis nach Niedersachsen vorrücken, drohen laut Landwirtschaftsministerium „erhebliche wirtschaftliche Schäden“. Und nicht nur das: Es müssten Tausende Schweine getötet werden. Denn im Gegensatz zur Klassischen Schweinepest (KLP) gibt es gegen die afrikanische Variante keinen Impfstoff.

Als einer der Hauptüberträger der ASP gelten genau wie bei der KLP Wildschweine. Und das heißt vor allem für Jäger und Landwirte wie Hans-Heinrich Cohrs: „Wir müssen ganz besonders aufpassen.“ Schon seit Jahren halten sich der Kreisjägermeister und seine Kollegen an strenge Hygienemaßnahmen, um den Ausbruch der KLP zu verhindern. Betreten mit Jagdkleidung nicht den Schweinestall. Bringen erlegte Wildschweine nie mit auf den Hof. Lassen weder Hunde noch Katzen in den Schweinestall. Im Rahmen des niedersächsischen Schweinepest-Monitorings schickt die Jägerschaft zudem Blutproben erlegter Wildschweine ins Labor, die auf beide Arten von Schweinepest untersucht werden. Man tut alles, um sich zu schützen. Und trotzdem: Die norddeutschen Bauern haben Angst.

Aus gutem Grund. Denn sollte in Niedersachsen die ASP ausbrechen, droht im Schweineland Nummer eins eine regelrechte Tötungsmaschinerie anzulaufen. „Da ein Impfstoff weltweit nicht zur Verfügung steht, wird die Bekämpfung durch Tötung und unschädliche Beseitigung von Tieren erfolgen müssen“, erklärt der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Klaus Jongebloed. Zusätzlich müssten großflächige Schutzzonen mit strengen Handels- und Transportverboten eingerichtet werden. Ein Horrorszenario, das nun sogar mit einem Schutzzaun gegen Wildschweine an der Grenze zu Weißrussland und Russland verhindert werden soll. Ob das gelingt, ist allerdings fraglich.

Denn übertragen werden kann das Virus nicht nur über Wildschweine, sondern auch über Speisereste, virusbehaftete Kleidung oder Tiertransporte. So viele Risiken, dass die Einschleppung der ASP laut Lüneburgs Kreisveterinär Thomas Volksdorf „fachlich erwartet“ wird. Gefährdet wären im Landkreis Lüneburg insgesamt rund 111 000 Schweine, darunter auch 134 Freilandschweine. Für letztere gilt die Ansteckungsgefahr wegen des möglichen Wildschweinkontakts als besonders groß, alle Halter sind deshalb unter anderem zur Einrichtung doppelted Einzäunungen und wildschweinsichered Futterlager verpflichtet.

Die letzten großen Ausbrüche der Klassischen Schweinepest liegen in Deutschland mittlerweile mehr als zehn Jahre zurück – vergessen hat sie Hans-Christoph Cohrs allerdings nicht. „Damals haben wir hier im Landkreis alle Wildschweine mit Ködern geimpft“, sagt er. Eine Maßnahme, mit der man das Geschehen in den Griff bekommen hat – die es bei der Afrikanischen Schweinepest allerdings nicht gibt.

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  1. Vegetarier leben gesünder. Denn Fleischverzehr fördert das Risiko von Herzinfarkten, Blinddarmentzündungen, Bluthochdruck, Osteoporose, Arthritis, Magengeschwüren, Nierensteinen, Diabetes und Krebs!