Donnerstag , 29. September 2016
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Den Teufelskreis durchbrechen

lmv Lüneburg. Es ist ein Teufelskreis aus Verlust und Frustration: Man hofft auf den großen Gewinn, doch es will und will nicht klappen – bis irgendwann alles Geld verloren ist. Spielsucht ist nicht nur ein ernstes, sondern auch kein seltenes Problem – vor allem bei Jugendlichen. In den letzten zwei Jahren, das haben Untersuchungen ergeben, hat sich der Anteil unter den 12- bis 18-Jährigen, die ein „riskantes Glücksspielverhalten“ aufweisen, in Deutschland auf sechs Prozent verdoppelt.

Vor diesem Hintergrund informierten Jördis Mroszewski, Fachkraft für Glücksspielsucht an der Lüneburger Drogenberatungsstelle (Drobs), und Präventionsfachkraft Anke Wagner anlässlich eines bundesweiten Aktionstags Schülerinnen und Schüler der Berufsbildenden Schulen Lüneburg (BBS) über die Versuchungen und Gefahren des Glücksspiels.

Am Eingang zur Cafeteria hatten Mroszewski und Wagner ihren Infostand aufgebaut, sie kamen mit Schülern ins Gespräch, aber auch mit Lehrern. „Können Sie ein Programm für meine Klasse machen“, so Mroszewski, sei eine Frage gewesen. Zu den Materialien, die die drobs anbieten kann, zählt unter anderem das interaktive Rollenspiel „Hans im Glück“, in dem die Problematik von Schülern und Lehrern gemeinsam erarbeitet wird.

Und die erkennen den Nutzen der Aktion, so auch Hans Janzen (25), Schüler an der BBS II (Georg-Sonnin-Schule). „Ich selbst kenne einige, die ab und zu mal am Automaten spielen. Zwar nicht in solchen Ausmaßen, aber es steigert sich leicht – man hört von Leuten, die zum Beispiel ihr ganzes Haus verspielen. Gerade in der Anfangsphase, selbst wenn man das Glücksspiel nur ausprobiert, ist eine solche Prävention deshalb wichtig und hilfreich.“ Auch Mitschüler Anton Oberndorfer (20) kennt die Problematik aus dem Freundeskreis, „zum Glück nicht in so großem Ausmaß. Manchmal steckt man eben Geld in den Automaten, zum Zeitvertreib“.

Gerade junge Menschen können die Gefahren des Glücksspiels selbst häufig schlecht einschätzen, weiß Jördis Mroszewski. Hohe Risikobereitschaft und das Überschätzen des Einflusses, den man selbst auf das Spiel hat, führen schnell zu Kontrollverlust, vor allem bei männlichen Spielern, die 90 Prozent der Süchtigen ausmachen.

Und trotz Präventionsaufträgen und Jugendschutzgesetzen sei der Zugang zum Automaten für Minderjährige erschreckend einfach. Auch Internetglücksspiel, Sportwetten und Casino-Apps auf dem Smartphone seien viel zu leicht erreichbar – und das teilweise rund um die Uhr. „Es ist uns wichtig, das Bewusstsein zu steigern, deshalb wollen wir auch in Zukunft versuchen, die Aktion weiter an Schulen durchzuführen“, sagt Jördis Mroszewski.

Betroffenen und Angehörigen helfen in Niedersachsen 24 ausgebildete Fachkräfte für Glücksspielsucht, unter anderem auch jeden Mittwoch von 10 bis 13 Uhr bei einer offenen Sprechstunde in der Drobs Lüneburg in der Heiligengeiststraße 31. Nähere Informationenunter Tel.: 04131/684400, Emails an drobs.lueneburg@evlka.de.