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Aus Schrott soll Kunst werden

pet Adendorf. Ein alter Auspuff liegt auf der Holzpalette, dazu Felgen, Federbeine, Anhängerkupplungen, Nockenwellen und Kupplungsscheiben. Dahinter, in der Werkstatt des Adendorfer Bauhofs, sprühen die Funken, flackert das grelle Licht von Schweißbrennern. Aber nicht gestandene Handwerker sind bei der Arbeit, sondern angehende Künstler, fünf Schüler der Oberschule am Katzenberg. „Schweißen und Flexen mit Schrott“, kurz: „Schrottschweißen“, so heißt das Projekt, an dem die 14- bis 16-Jährigen teilnehmen.

Die Idee: Die Jugendlichen bauen aus dem Metallschrott Kunstwerke. Das, was sie schaffen, soll dann auch zu sehen sein, etwa auf dem Adendorfer Rathausplatz. „Es geht darum, dass die Jungs sich als Teil der Öffentlichkeit erleben“, sagt Günther Beninga, gelernter Kfz-Schlosser, lange Jahre im Entwicklungsdienst und jetzt Kanu-Verleiher in Melbeck mit erlebnispädagogischem Hintergrund, der die Jugendlichen seit den Sommerferien fachlich anleitet.

Die Adendorfer Acht- bis Zehntklässler sind mit Begeisterung dabei, etwa Bastian Lüdtke (15), der sagt: „Ich überlege, beruflich in Richtung Metallbau zu gehen und wenn man dieses Projekt in seiner Bewerbung angibt, macht das sicher einen guten Eindruck.“ Gut findet er, dass es hier von Anfang an richtig „ran“ ging. „Durch die Praxis lernt man am meisten.“

Vom ersten Treffen an hat Günther Beninga die Jugendlichen nicht mit Theorie gelangweilt, sie durften gleich mit Werkzeug und Werkstück loslegen. Zuerst haben sie die Wirkung des Schweißbrenners bei der Arbeit an einem Metallstück geprobt, dann zwei Metallteile mit einer Schweißnaht verbunden. „Ich habe ihnen das, was sie brauchen, in die Hand gegeben und gesagt: Probiert das mal aus und sie haben gleich losgelegt.“ Die richtige Schweißhaltung, so Beninga, haben sich die Jugendlichen selbst beigebracht.

Wie Bastian so sind auch Rudi Mezler (14), Philip Esdor (15), David Gronau (16) und Leon Erschens (15) mit Engagement dabei. „Es macht Spaß, aus altem Zeug neue Sachen zu machen. Eine Feuerschale oder Schrottmännchen“, erklärt David. Und Philip sagt: „Anfangs hatte ich ein wenig Bammel mit Schweißbrenner und Flex, aber jetzt geht das schon gut. Es macht Spaß“. Einmal pro Woche treffen sich die Jugendlichen im Adendorfer Bauhof, geplant sind auch Kompakttage am Wochenende. Zurzeit bauen die Jugendlichen aus abgeschnittenen Ausgleichsgefäßen für Heizungen Feuerschalen. Ornamente sollen die am Ende bekommen – mithilfe von Brenner oder Bohrer. Ziel ist, die Feuerschalen beim Adendorfer Nikolausmarkt am ersten Adventssonntag zu verkaufen. „Da haben die Jungs ein schnelles Erfolgserlebnis“, erzählt Beninga. Sind die Feuerschalen fertig, geht es weiter. Für die Kunstwerke, die dann gestaltet werden sollen, „überlegen wir uns erst ein grobes Konzept, dann suchen wir uns die passenden Teile dazu heraus. Und wir diskutieren, ob die Skulptur zum Angucken sein soll oder zum Spielen. Oder ob sie bewegliche Teile haben soll“, sagt Beninga. Beim Blick auf die Schrotthaufen vor den Bauhof-Hallen haben die Jugendlichen jedenfalls schon Ideen. „Aus der Nockenwelle könnte man die Wirbelsäule eines Roboters machen und aus der Harke die Haare“, überlegt Philip.

Dass das Projekt gelingt, davon ist Beninga überzeugt: „Die Jungs sind mit dem Herzen dabei. Es ist erfrischend zu sehen, wie sie sich einbringen.“ Das sieht auch Iris Wollschläger, Regionalleiterin AWOSOZIALeDienste, so: „Am Morgen nach den Treffen erzählen die Jungs dann in der Schule begeistert, was sie am Tag davor gemacht haben.“ Und so gibt es durchaus Überlegungen, das aufwändige Projekt zu wiederholen. Interessierte dafür gibt es an der Schule am Katzenberg jedenfalls schon.

Die AWOSOZIALeDienste, der Landkreis Lüneburg, die Gemeinde und die Jugendpflege Adendorf, die Polizei Adendorf und die Schule am Katzenberg sind Kooperationspartner des ungewöhnlichen Projekts. Halten die Jugendlichen bis zum Ende durch, wartet auf sie noch eine ganz besondere Belohnung: Ihnen wird dann der Mofaführerschein finanziert.