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Die gute Nummer gegen Kummer

sim Lüneburg Früher klingelte es nur einmal täglich, heute alle fünf Minuten. Das Kinder- und Jugendtelefon in Lüneburg, besser bekannt als die „Nummer gegen Kummer“, feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Bei diesem Kinder- und Jugendtelefon, kurz KJT, helfen Erwachsene den jungen Anrufern bei der Lösung ihrer Probleme. 17 ehrenamtliche Mitarbeiter sind beim KJT in Lüneburg im Einsatz. Eine von ihnen ist die 26-jährige Mara Leya, sie macht seit fünf Jahren beim KJT mit, vorher engagierte sie sich beim Projekt „Jugendliche beraten Jugendliche“.

Mara weiß daher, weswegen die Jugendlichen anrufen: „Gerade Sexualität spielt eine große Rolle. Aber auch Mobbing, Drogen, Stress zu Hause oder Leistungsdruck durch die Eltern sind oft vertreten.“ Auch das Cybermobbing hat zugenommen, „wahrscheinlich durch eine vermehrte und auch frühzeitige Nutzung der sozialen Netzwerke durch die Jugendlichen.“

„Bloß keine Ratschläge geben“, lautet die Devise der Helfer. Der Anrufer soll zum Nachdenken bewegt werden, sodass er seine eigene Lösung findet. Monika Montz, die Geschäftsleiterin des Kinderschutzbundes Lüneburg, erklärt: „Gegebenenfalls verweisen wir auf Organisationen, bei denen die Betroffenen spezifische Hilfe bekommen.“

Leider sind unter den Anrufen auch immer wieder Spaßanrufe. „Diese Anrufe sind für uns sehr anstrengend, weil wir grundsätzlich jeden Anruf, den wir bekommen, ernst nehmen“, sagt die Mitarbeiterin Anne Thomaschewski. „Dann ist es sehr ermüdend, wenn das Gespräch vom Gegenüber nicht ernsthaft geführt wird.“

Dabei hilft die Arbeit bei dem Jugendtelefon nicht nur den Anrufern, sondern auch den Mitarbeitern. „Die Empathie wird geschult, richtiges Zuhören wird gelernt, und man erfährt viel über Problemkonfrontation“, schildert Monika Montz ihre Erfahrungen aus den vergangenen Jahren. Jedoch gibt es immer wieder auch erschreckende Fälle, mit denen die Helfer im Nachhinein selbst zu kämpfen haben.

Solch einen Fall erlebte Montz selbst mit: Ein Junge rief sie an, er erzählte ihr, dass er homosexuell sei. Sein Vater hörte von der Tür aus zu, kam herein und verprügelte seinen Sohn – Montz hörte am Telefon mit, konnte aber nicht helfen.

Das, obwohl die Helfer für ihre Arbeit speziell ausgebildet werden. Die Ausbildung dauert ein halbes Jahr, dabei werden unter anderem Telefonate nachgestellt. Notfalls wird in der Gruppe über das Geschehene gesprochen, sodass der betroffene Zuhörer mit der emotionalen Last nicht alleine gelassen wird.

Stark unterstützt wurde das KJT durch den Förderverein: die gesamten zwanzig Jahre, die das Projekt nun existiert, unterstützt der Förderverein das Projekt finanziell. Der Vorsitzende des Fördervereins, Dr. Arnold Spallek, freut sich, dass es ein solches Angebot für Kinder und Jugendliche gibt. „Es ist schön zu sehen, dass das KJT mittlerweile so groß geworden ist.“

Dieses Angebot wurde inzwischen noch ausgebaut: Neuerdings bietet der Kinderschutzbund eine „Sorgen-E-Mail“ an: „Falls sich jemand nicht trauen sollte, bei uns anzurufen, kann er an unsere extra eingerichtete E-Mail-Adresse schreiben“, erklärt Monika Montz. „Momentan ist diese Stelle nur von zwei Personen besetzt. Aber wir hoffen, auch das noch ausbauen zu können.“