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Bio-Waffeln statt Schokoriegel

ahe Lüneburg. Der Schokoriegel oder die Tüte Chips sind schnell besorgt, nur ein paar Münzen in den Automaten gesteckt — und die kleine Leckerei für zwischendurch wandert in den Ranzen oder direkt in den Mund. An vielen Schulen stehen Süßigkeitenautomaten, sie sind für Mädchen und Jungen willkommene Gelegenheit, etwas zum Naschen für die Pause oder den Unterricht zu holen. Da sich das kaum verhindern lassen wird, machen sich Schüler aus Lüneburg, Salzhausen und Hanstedt nun daran, die Automaten in ihren Schulen wenigstens sinnvoll zu befüllen: mit Bio-Produkten, Lebensmitteln aus der Region und fair gehandelten Waren — in einem Wettbewerbs des Schulbiologie- und Umweltbildungszentrums (Schubz) Lüneburg.

Mit ihren Schülerfirmen sollen die Jugendlichen nicht nur die Waren für die Automaten aussuchen, bestellen und Preise kalkulieren, sondern auch Marketingkonzepte entwickeln, wie sie Mitschüler von den neuen Lebensmitteln überzeugen wollen. Schließlich wirkt der Schokoriegel meist attraktiver als die mit fair gehandelter Schokolade überzogenen Bio-Reiswaffeln.

Kalina und 16 Mitschüler aus der zwölften Jahrgangsstufe des Gymnasiums Salzhausen haben zumindest schon den Namen ihrer neuen Firma gefunden: ,,Fairsalzen“. Daraus ließen sich prima Wortspiele für Slogans — etwa mit ,,Fairfressen“ — ableiten, mit denen sie für das künftige Angebot werben könnten. ,,Ich esse selbst nichts Süßes, habe in all den Jahren vielleicht drei, vier Mal was aus dem Automaten in der Schule gezogen“, sagt Kalina, ,,aber gerade bei den Jüngeren ist das Angebot beliebt.“ Darum glaubt Mitschülerin Carolin: ,,Das muss ein krasses Marketing werden.“ Mit ihren Mitstreitern will sie dafür sorgen, dass auch Fünft- und Sechstklässler mal zum gesunden Bio-Saft, zur fair gehandelten Schokolade, zum Kakao mit Milch aus der Region oder zum Vio-Wasser greifen.

Ähnliches haben die Schülerfirmen der Lüneburger Schule am Knieberg und der Oberschule Hanstedt vor. ,,Wir haben die drei Schulen aus mehreren Bewerbungen ausgewählt, weil uns ihre Ideen fürs Marketing, ob nun für Plakate, kurze Filme oder Ausstellungen, am meisten überzeugt haben“, sagt Schubz-Leiter Frank Corleis. Bis zum nächsten Sommer haben sie Zeit, ihre Ideen umzusetzen. Wer mit seinem Marketingkonzept am meisten überzeugt und bei dem auch die Umsatzentwicklung stimmt, kassiert 200 Euro als Preis. Die Automaten werden leihweise von der Firma Gast Automaten Service zur Verfügung gestellt, die Fairtrade-Company GEPA ist bei dem Wettbewerb, der laut Corleis Teil der Bewerbung Lüneburgs als Hauptstadt des fairen Handels ist, ebenfalls mit im Boot. Die Lüneburger Gesamtschule und die Schule an der Schaperdrift nehmen zwar nicht am Wettbewerb teil, waren aber beim ersten Workshop dabei, bei dem es um einen Konsumcheck und die Nachhaltigkeit von Lebensmitteln ging.

Stephanie Konik, Lehrerin der Schule am Knieberg, Förderschule für geistige Entwicklung, sagt: „Wir haben einen Automatendienst geplant: In den Pausen erklären zwei Schüler anderen, warum es wichtig ist, auf Fairtrade-Produkte zu achten. Es ist uns wichtig, dass die Schüler etwas über Ernährung und den Umgang mit Geld lernen.“ Mit Timo und anderen Mitarbeitern der Schülerfirma Snackbar nimmt sie am Workshop teil. Die Schülervertretung setze sich schon länger für einen Snackautomaten ein. „Einen Gewinn werden wir damit nicht machen, wir zahlen pro verkauftem Produkt 10 Cent an die Automatenfirma, uns geht es um den Lerneffekt und die Vorbereitung auf das Berufsleben“, erklärt Stephanie Konik.

Für die Zwölftklässler in Salzhausen ist der Wettbewerb Teil ihres Seminarfachs, ihre Schülerfirma werden sie im nächsten Jahr an jüngere Schüler übergeben. Bis dahin soll sie schwarze Zahlen schreiben. Kalina verrät die Strategie: ,,Am Anfang werden wir möglichst viel Auswahl anbieten, danach nur noch das, was auch gut geht.“ Vor dem Start planen sie und ihre Mitschüler ein Testessen mit Schülern aus allen Jahrgängen. Dann geht’s ans Marketing. Schließlich haben die Gymnasiasten den Ehrgeiz, am Ende auch zu gewinnen. ,,Wenn wir den Preis gewinnen, spenden wir den an unsere Partnerschule in Tansania.“

One comment

  1. Ein sehr schönes Projekt! Vorallem finde ich das Ziel das die kleine Firma hat schön. Dort wäre das Preisgeld sicher gut aufgehoben!