Dienstag , 27. September 2016
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Tempo 80 gegen „Überholdruck“

rg Nadlitz. Die Karte, die Dirk Bonow in der Hand hält, zeigt die Bundesstraße 216. Und zwar jenen Teil der Bundesstraße, der durch die Göhrde führt. „Sehen Sie hier, die Punkte mit den lila Fahnen: Das sind Unfälle mit Personenschäden“, sagt der Mann vom Straßenverkehrsamt Lüneburg. Und es sind viele Punkte. „Die meisten dieser Unfälle sind passiert, weil entweder zu schnell gefahren oder dort überholt wurde, wo man besser nicht überholt, weil man den Gegenverkehr nicht sieht“, so Bonow.

Zwei Unfallschwerpunkte haben die Straßenverkehrsämter Lüneburg und Lüchow-Dannenberg sowie Polizei auf der B 216 in der Göhrde ausgemacht: einen auf dem Straßenabschnitt am Göhrdeschlacht-Denkmal, den anderen an der Abzweigung nach Pommoissel. Seit Mittwoch sind die Unfallschwerpunkte entschärft — hoffen zumindest die Behördenvertreter. Seitdem gilt auf der rund 2,5 Kilometer langen Strecke Tempo 80.

Bereits vor vier Jahren hatten die Behörden wegen der zahlreichen Unfälle im Bereich des Göhrdeschlacht-Denkmals eine Überholverbotszone ausgewiesen. „Aber das Verbot wird kaum beachtet“, sagt Andreas Dobslaw, Verkehrsexperte bei der Polizeiinspektion Lüneburg. Überholt wird weiterhin, auch wenn die Sicht mehr als eingeschränkt ist. Deshalb folgt nun das Tempolimit. Die Logik der Verkehrswächter erklärt Dobslaw so: „Wer 100 Stundenkilometer fahren darf, und einen Lkw mit 70 oder 80 vor sich hat, der glaubt, Zeit zu verlieren. Wir nennen das Überholdruck.“ Dürfen jedoch auch Autofahrer nur mit Tempo 80 unterwegs sein, „ist der Überholdruck weg, eine reine Kopfsache“.

Doch auf ein Umdenken der Autofahrer allein wollen sich Polizei und Straßenverkehrs“ämter nicht verlassen. „In den kommenden Monaten wird auf diesem Abschnitt sehr, sehr streng kontrolliert“, kündigt Dobslaw an. Lediglich eine kurze Eingewöhnungsfrist von wenigen Tagen werde den Autofahrern eingeräumt: „Danach geht es zur Sache. Diese Angelegenheit liegt uns am Herzen.“

Auch, weil es ein kreisübergreifendes Projekt sei. „Das kommt nicht häufig vor“, so Dobslaw. „Aber wir müssen die B 216 als eine Linie betrachten, auch zusammen mit der B 248 zwischen Dannenberg und Lüchow. Und diese Maßnahme soll helfen, den Verkehr auf der ganzen Linie zu beruhigen.“

Läuft alles optimal, könnten die Tempo-80-Zonen Fahrzeiten sogar verkürzen, glauben Dobslaw und Bonow. „Fließt der Verkehr gleichmäßig mit 80 Stundenkilometern, kommt man auf der B 216 schneller voran als normal. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt nämlich insgesamt unter 70 Kilometern in der Stunde“, rechnet der Polizist vor.

3 Kommentare

  1. Hallo!

    Soviel wie ich weiß (hab’s mal in der Fahrschule gelernt) gilt in Deutschland für LKW auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen generell ein Tempolimit von 60 km/h. Wenn das von der Polizei konsequent überprüft werden würde, gäbe es auch weniger Probleme, dann könnte man nämlich überholen – da LKWs ja auch das Überholen durch ausreichend Abstand zum Vorfahrzeug ermöglichen müssen.

    Ein schöner Effekt wäre auch, dass dadurch der „Mautprellervorteil“ wieder aufgehoben wird. Mit strengen Geschwindigkeitskontrollen bei LKWs auf der B216 & B4 würden viele Fahrer dann doch lieber auf der Autobahn fahren.

    • Stimmt nicht: außerhalb geschlossener Ortschaften beträgt die Höchstgeschwindigkeit von LKW über 3,5 t 80km/h.

      • Stimmt auch nicht ganz. 80km/h gilt nur für LKW von 3,5t bis 7,5t. Schwerere LKW dürfen außersorts maximal 60km/h fahren, siehe STVO §3