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Ernten, dreschen, mahlen

dth Artlenburg. Bereits zum 17. Mal luden die Artlenburger zum Erntedankfest rund um ihre Windmühle ein, neben der St.-Nicolai-Kirche das zweite Wahrzeichen des Elbeortes. Müllermeister Hans-Jürgen Brügmann führte im Inneren des Galerieholländers, der vor 180 Jahren erstmals in Betrieb ging, interessierte Besucher in die historische Mühlentechnik ein. Unterdessen verschaffte sich draußen mit Pauke und Trompeten der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Artlenburg Gehör, während „De Trachtenlüüd ut de Elvmasch“ vor der Mühlenkulisse das Tanzbein schwangen. Und auf dem Hof röhrten die Motoren von Oldtimer-Traktoren.

„120, 121 . . . 122 ? Ich glaube ich habe mich schon wieder verzählt.“ Besucherin Inge Borek mit Tochter Sarina (8) aus Lauenburg schüttelt den Kopf und blickt dann wieder konzentriert auf die hölzerne Königswelle, die das Drehmoment des Flügelantriebs bis zum Mahlstein der Mühle überträgt. Borek versucht die Kämme, die hölzernen Zähne des Rades, erneut zu zählen. Als gebürtige Artlenburgerin ist sie zwar jedes Jahr beim Mühlenfest – und doch entdeckt auch sie immer wieder etwas Neues. Das war auch das Ziel von Karin-Ose Röckseisen, der zweiten Vorsitzenden des Artlenburger Mühlenvereins: Denn bei ihrem Mühlenquiz galt es eben die Kämme der Königswelle zu zählen, um das Besucherinteresse an der Mühlentechnik zu fördern. Das hat auch Ingrid Wallis aus Witzeeze zusätzlich motiviert: „Aber ich wollte schon immer mal wissen, wie so eine Mühle von Innen aussieht. Ich bedauere nur, dass ich gerade meinen Enkel nicht dabei habe. Nach dem Märchenfilm mit Rumpelstilzchen wäre er hiervon begeistert.“

Die Begeisterung für seine Mühle sorgt immerfort auch bei Müllermeister Hans-Jürgen Brügmann für ein Leuchten in den Augen, wenn er über Technik und Historie erzählt. Doch eine Mischung aus Stolz und Wehmut schwingt in seiner Stimme mit, wenn er berichtet, dass er der letzte Artlenburger Müller ist, unter dessen Ägide die Mühle noch betrieben wurde. Und zwar bis 1991. Wirtschaftlich sei der Mühlenbetrieb zuletzt allerdings nicht mehr gewesen. „Wir haben nur noch für drei Bäcker im Ort Mehl gemahlen.“ Der Hauptverdienst lag in der Futtermittelherstellung und im Landhandel. Heutezutage gibt es auch die drei damaligen Bäckereien nicht mehr. „Und damit geht vieles verloren“, bedauert Brügmann, der sich aber darüber freut, dass einer der Bäcker, neben vielen anderen Unterstützern, das Mühlenfest mit Torten- und Kuchenspenden unterstützt hat. Dennoch: „Vielen ist das Zusammenspiel vom Bauern über den Müller bis zum Bäcker nicht mehr bewusst“, sagt Brügmann.

Eine lobenswerte Ausnahme dürfte da Sarina (8) sein, die mit „Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Reis und Hirse“ aus dem Stand auch die wichtigsten Getreidearten aufzählen konnte: „Das hatten wir gerade in der Schule“, sagte sie ungerührt. Brügmann: „Ich würde mich freuen, wenn mehr Kindergartengruppen und Schulklassen sich für unsere Windmühle interessieren würden.“ Kontakt: Tel.: 0 41 39 / 70 43. Für alle anderen richtet der Mühlenverein zweimal im Jahr ein Mühlenfest aus, jeweils zu Pfingsten und eben zu Erntedank.