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Die Teilstrecke bei Oldershausen war eine der letzten Baustellen, bei der noch Rohrsegmente für die Nordeuropäische Erdgasleitung in die Erde gebracht wurden. Ausgleichs- und Ersatzpflanzungen für zerstörte Natur sollen laut "Open Grid Europe" möglichst noch im November abgeschlossen werden. Foto: be
Die Teilstrecke bei Oldershausen war eine der letzten Baustellen, bei der noch Rohrsegmente für die Nordeuropäische Erdgasleitung in die Erde gebracht wurden. Ausgleichs- und Ersatzpflanzungen für zerstörte Natur sollen laut "Open Grid Europe" möglichst noch im November abgeschlossen werden. Foto: be

Letzte Schweißnähte werden gesetzt

dth Maschen/Bütlingen. Das letzte Teilstück der Nordeuropäischen Erdgasleitung (NEL) steht vor der Fertigstellung und Inbetriebnahme. Heute sollen bei Bütlingen sowie morgen in Klecken bei Buchholz im Landkreis Harburg die letzten zwei Garantie-Schweißnähte an der Pipeline gesetzt werden. Damit kann demnächst auch die Teiltrasse Winsen-Süd mit den bereits fertiggestellten Abschnitten der NEL verbunden, die letzte Lücke für die neue Erdgas-Transportleitung zwischen Sibirien und Rehden im Kreis Vechta geschlossen werden. Vom 10. Oktober an strömt das erste Erdgas auch durch das letzte Teilstück.

Rund 450 Kilometer misst die NEL allein auf deutschem Terrain, die durch die Ostsee im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns bei Lubmin anlandet und von dort unterirdisch bis zum niedersächsischen Zielort verläuft. Ursprünglich sollte die Pipeline bereits vor einem Jahr vollständig in Betrieb gehen. Der Plan ging allerdings nicht ganz auf: Das letzte Teilstück bei Winsen musste zunächst ausgespart und neu geplant werden. Denn 18 Anwohner und die Gemeinde Stelle hatten erfolgreich einen Baustopp für die Teiltrasse „Winsen-Nord“ vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg erwirkt – die Arbeiten standen lange bei Bütlingen still. Die Nordtrasse sollte teilweise bis zu 30 Meter an Wohnhäusern vorbeiführen, in Stelle sogar über einen Schulhof. Das OVG mahnte allerdings für den Bereich der Kläger einen Sicherheitsabstand von mindestens 350 Metern an und setzte damit einen Teil der Genehmigung für die Erdgasleitungstrasse nördlich von Winsen außer Kraft (LZ berichtete).

Anstatt sich in einem jahrelangen Rechtsstreit zu verlieren, entschied sich die „Open Grid Europe“, eine ehemalige Tochter von E.ON Ruhrgas, die Süd-Variante der NEL voranzutreiben. Seit Februar liefen dann die Bauarbeiten für die neu geplante Süd-Trasse, die auch die Gemeinden Handorf und Radbruch tangiert.

Die zuvor bereits fertiggestellten Abschnitte der NEL waren da schon seit dem 1. November vergangenen Jahres in Betrieb. Bei dem letzten, 36,8 Kilometer langen Teilstück südlich von Winsen liegen die Leitungsrohre bereits seit August in der Erde, „Anfang September wurden die letzten Verbindungsnähte gesetzt“, sagt Bauingenieur Alf Kurtenbach, der als Tiefbauleiter das Pipeline-Projekt seit 2010 begleitet: „Mitte September war Bauabnahme, seitdem wurden vor allem Restarbeiten erledigt“, sagt der Sauerländer bei einem Treffen im „Open Grid“-Büro in Maschen. Zuletzt wurde der jüngst fertiggestellte Strang getrocknet. Denn durch die Wasserdruckprüfung war noch Feuchtigkeit in der Leitung. Kurtenbach sagt: „Abschnittsweise wurde die Leitung jeweils auf einer Länge von fünf Kilometern mit Wasser gefüllt und zirka bis zum doppelten Betriebsdruck gestresst, um sicherzustellen, dass die Leitung später an allen Stellen standhält.“ Der Stresstest lief bei einem Druck von bis zu 186 Bar ab, so Kurtenbach, der Betriebsdruck liege später bei maximal rund 100 Bar. Für die insgesamt 450 Kilometer lange NEL wurden rund 25 000 Rohrsegmente verlegt mit jeweils 18 Metern Länge, rund 1,4 Metern Durchmesser und 15 Tonnen Gewicht.

Durch die Neuplanung, Umtrassierung und Verzögerung auf dem Winsener Teilstück seien Mehrkosten von rund 55 Millionen Euro entstanden, sagt Franz-Josef Kissing, Projektmanager Leitungstechnik bei Open Grid Europe. Aber: „Die Gesamtinvestition von rund einer Milliarde Euro für die NEL hat sich gegenüber der Ursprungsplanung nicht erhöht.“ Denn „bestimmte Unwägbarkeiten“ seien schon eingepreist gewesen.

Die NEL verbindet die Nord Stream, ebenso wie die nach Tschechien verlaufende „Ostseepipeline Anbindungsleitung“ (OPAL), mit dem europäischen Fernleitungsnetz. So kann Erdgas aus den Erdgaslagerstätten in Russland direkt nach Deutschland und anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union transportiert werden.