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Lars Strehse und sein Team der AGL legen in diesen Tagen die alte Kaimauer an der Altenbrückertorstraße frei, die 2012 eingestürzt war. Dann soll geprüft werden, ob der Lückenschluss möglich oder ein kompletter Neubau erforderlich ist. Foto: t&w
Lars Strehse und sein Team der AGL legen in diesen Tagen die alte Kaimauer an der Altenbrückertorstraße frei, die 2012 eingestürzt war. Dann soll geprüft werden, ob der Lückenschluss möglich oder ein kompletter Neubau erforderlich ist. Foto: t&w

Aus den Tiefen der Ilmenau

ahe Lüneburg. Meistens haben Hinweise dieser Art durchaus ihre Berechtigung und nachvollziehbare Gründe. In diesem Fall aber ist das Schild mit der Aufschrift „Einfahrt freihalten“ zweifelsfrei deplatziert. Denn es hängt nicht etwa an einem Garagentor, sondern liegt, leicht verwittert, auf dem Grund der Ilmenau. Es zählt zu den vielen Fundstücken, die Mitarbeiter der AGL beim Großreinemachen im Flussbett zwischen Abts- und Ratsmühle entdeckt haben. Für den jährlichen Herbstputz wurde die Ilmenau abgelassen, das Wasser fließt dieser Tage komplett durch den Lösegraben.

Es ist ein ungewohntes Bild, das sich Passanten aktuell beim Blick von der Altenbrückertorstraße aus auf den Fluss bietet, denn vom Wasser ist nicht mehr viel zu sehen. Auf dem verschlammten Grund hat sich in den vergangenen Monaten allerlei angesammelt. Allein sieben Fahrräder haben die Mitarbeiter der städtischen Tochtergesellschaft Abwasser Grün Lüneburger Service (AGL) GmbH schon entdeckt. Alte Drahtesel mit unverkennbarer Acht im Vorderrad, deren die Besitzer womöglich überdrüssig waren, aber auch Mountainbikes in tadellosem Zustand, die von ihren Besitzern vermutlich seit Langem vermissst werden. „Die Räder, die noch in einem guten Zustand sind, kommen ins Fundbüro, die anderen werden entsorgt“, sagt Lars Strehse, seit Kurzem neuer AGL-Geschäftsführer.

Sein zehnköpfiges Team, das einmal jährlich im Auftrag der Stadt das Ilmenaubett in der Innenstadt vom Müll befreit, kann noch andere Fundstücke aufbieten: Autoreifen, Radkappen, ein vergilbtes Ankündigungsplakat für ein Zirkus-Gastspiel, verzierte Fliesen, eine Umhängetasche, jede Menge leere Bierflaschen und -dosen, einen einzelnen Damenschuh und ein Baustellenschild. „Das ist normaler Durchschnitt. Es ist leider so, dass viele die Ilmenau als Müllhalde nutzen“, bedauert Strehse. In den vergangenen Jahren hat die AGL-Crew auch schon mal alte Einkaufswagen, Gewehrpatronen und einen leeren Tresor auf dem Grund des Flusses entdeckt.

Für die Helfer ist die Arbeit Routine. Sie beseitigen nicht nur den Müll, sie kontrollieren bei der Gelegenheit stets auch die Technik des Lösegrabenwehres. Strehse erklärt: „Dieses Mal gibt es zwar keine größeren Sanierungsarbeiten, aber der Korrosionsschutz ist auch eine wichtige regelmäßige Aufgabe.“

Einen Sonderauftrag hat sein Team aber auch in diesem Jahr: die 2012 eingestürzte Kaimauer in Höhe des Kinderheims freilegen und begutachten. Kein leichtes Unterfangen angesichts des eng bebauten Uferbereichs. Zunächst mussten zwei Bäume – es handelt sich um Feldahorne – weichen. Sie fielen bereits gestern der Motorsäge zum Opfer. „Wir werden dann einen Großteil der Trümmerteile bergen und schauen, wie es um die Standsicherheit der restlichen Uferbefestigung bestellt ist“, verdeutlicht der AGL-Chef. Was dann an dieser Stelle passiert, ist zunächst Zukunftsmusik, das Wasser der Ilmenau wird planmäßig am Freitag wieder ins Flussbett eingelassen. „Durch den recht niedrigen Wasserstand ist das auch ohne Mauer kein Problem.“ Dann kommen auch die Fische wieder zurück, die der Lüneburger Angelsportverein vor der Trockenlegung umquartiert hatte.

Ingenieure müssen dann entscheiden, was in Sachen Mauerfall passiert. Strehse: „Im Idealfall können wir wieder einen Lückenschluss herstellen. Bei Problemen mit der Standsicherheit müssen wir über einen kompletten Neubau nachdenken.“