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Unter Studenten: Leuphana-Präsident Professor Sascha Spoun (l.) und Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) wollen Erstsemester für Stadtentwicklung begeistern. Foto: be
Unter Studenten: Leuphana-Präsident Professor Sascha Spoun (l.) und Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) wollen Erstsemester für Stadtentwicklung begeistern. Foto: be

Wohnungsbau zu lange vernachlässigt

mm Lüneburg. Hamburg sei ein Paradebeispiel für Inklusion und städtische Entwicklung, stimmte Holm Keller, Vizepräsident der Leuphana Universität Lüneburg, seine Studenten auf den Vortrag von Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Stadt Hamburg, ein. Im Rahmen der Startwoche an der Hochschule skizzierte Scholz (SPD) jetzt die künftige Entwicklung von Großstadt und Metropolregion. Dabei ging er unter anderem auf die Themen Wohnungsbau, Gentrifizierung und Elektromobilität ein.

In drei Hörsälen verteilten sich die Studenten, um dem Vortrag des prominenten Gastes zu lauschen. „Wir erleben einen Bevölkerungszuwachs in Großstädten und ihren angeschlossenen Metropolregionen“, konstatierte Scholz. Hier sehe er die Zukunft – und dabei schließt er die Region Lüneburg ausdrücklich mit ein. Es gehe darum, Stadtentwicklung voranzutreiben und gleichzeitig die Metropolregionen zu stärken.

Ein zentrales Thema der Stadtentwicklung sei der Wohnungsbau. In den vergangenen zehn Jahren habe man diesen in Hamburg gedrosselt. Das sei ein Fehler gewesen, der auch während seiner Amtszeit als Hamburger Bürgermeister passiert sei, gibt Scholz heute zu. Nun gehe es darum, den Wohnungsbau wieder voranzutreiben. Es fehlten 40 000 Wohnungen. Deklariertes Ziel sei es, pro Jahr 6000 neue Wohnungen in Hamburg zu bauen.

Platzmangel sei für ihn kein überzeugendes Argument gegen Wohnungsbau. Man könne ja auch dichter bauen, statt dreigeschossig auch mal siebengeschossig. Eine positive Einstellung zu mehr Wohndichte – auch von den Bürgern – sei wünschenswert. Wichtig sei hierzu die „konstruktive und positive Unterstützung der Vor-Ort-Politik“, erklärte Scholz. Hamburg ist aufgeteilt in sechs Bezirke. Der Senat vereinbare mit den Bezirksversammlungen, wieviele Wohnungen pro Jahr wo bewilligt und gebaut werden können.

Ein weiteres Kernthema der Stadtentwicklung sei der Prozess der Gentrifizierung. Dieser beschreibt den Zuzug vorwiegend junger Erwachsener in „angesagte“ Stadtviertel. Dadurch erfahren die Quartiere wie beispielsweise das Hamburger Schanzenviertel eine Aufwertung an Lebensqualität. Gleichzeitig steigen jedoch die Mieten. Steigende Mieten aber gelte es zu verhindern, betonte Scholz. Er möchte Stadtteile „aufwerten, ohne aktuelle Bewohner zu verdrängen“.

Hamburg und Metropolregion vergrößern sich, das Wachstum stellt neue Herausforderungen. Dem müsse man sich stellen, weiß Scholz. Zentral sei der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, damit verbunden die Förderung von Intermodalität, also dem schnellen und bequemen Umsteigen von einem Verkehrsmittel zum nächsten.

Weiter gehe es um die Verbesserung der Elektromobilität. Scholz verkündete: „Ab 2020 werden in Hamburg keine Busse mehr angeschafft, die nicht emissionsfrei sind.“ Stattdessen werde es nur noch durch Hybridmotoren und mit Batterien angetriebene Busse geben.

Ein Thema, was ihm als Sozialdemokrat besonders am Herzen liege, sei die Einbürgerung von Zugewanderten, erklärte Scholz. Wer seit acht Jahren in Deutschland lebe, solle auch die Staatsbürgerschaft annehmen. Der Senat werbe sogar darum. 137 000 Briefe würden an potenzielle Bürger des Landes verschickt.

Scholz selbst wurde nach seinem Vortrag von Holm Keller zum „Bürger der Leuphana“ ernannt. Die Einbürgerungsurkunde überreichte der Uni-Vizepräsident feierlich: in einer Leuphana-Startertasche, wie sie auch die Erstsemester erhielten.