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Der Igel durchstreift derzeit die Wälder und bereitet sich auf den Winterschlaf vor. Viele Menschen wollen helfen und holen die Tiere ins Haus, doch was gut gemeint ist, schadet oft mehr als es nützt. Foto: A/t&w
Der Igel durchstreift derzeit die Wälder und bereitet sich auf den Winterschlaf vor. Viele Menschen wollen helfen und holen die Tiere ins Haus, doch was gut gemeint ist, schadet oft mehr als es nützt. Foto: A/t&w

„Der Igel ist kein Haustier“

lmv Lüchow/Lüneburg. Der Herbst ist da – und es ist Igelzeit. Zur Vorbereitung auf den Winterschlaf durchstreift der stachelige Geselle derzeit Felder, Wiesen und Wälder auf der Suche nach Nahrung. Auch im Landkreis Lüneburg.

Doch viele Menschen, die Igel draußen antreffen, halten die Tiere für hilfsbedürftig und nehmen sie mit nach Hause. Gut gemeinte Fürsorge, die aber mehr schadet als nutzt. Der Kreis Lüchow-Dannenberg weist deshalb ausdrücklich darauf hin: „Der Igel ist kein Haustier !“ Ihn zu fangen oder zu töten, ist verboten, nur Kranke und Verletzte dürfen zur Pflege mitgenommen werden.

„Leute denken oft fälschlicherweise, ein Igel sei krank“, sagt Magdalena Elbers von der Wildtierhilfe Soltau. Doch viele Igel, die an Pflegestellen abgegeben werden, seien kerngesund. Auch beim Lüneburger Tierheim ist das Problem bekannt. „Momentan haben wir sechs Igel, eigentlich gibt es aber kaum Kapazitäten“, sagt Mitarbeiterin Tina Wunderlich. „Nur die wirklich kranken Tiere werden von uns aufgenommen“. Auch die Wildtierhilfe Soltau pflegt momentan 15 Igel – Tendenz steigend.

Wie erkennt man aber, ob ein Igel Hilfe braucht oder nicht? „Wiegt ein ausgewachsenes Tier 300 bis 400 Gramm, ist in der Regel alles in Ordnung“, sagt die Expertin der Wildtierhilfe. Selbst im Spätherbst und Winter sind herumlaufende Igel laut Kreis Lüchow-Dannenberg kein Grund zur Sorge, denn der Winterschlaf ist im eher milden Klima hierzulande recht kurz, wird auch mal unterbrochen. Jungtiere sollten ebenfalls nicht einfach eingesammelt werden: „Selbst wenn es aussieht, als seien sie allein, ist die Mutter oft in der Nähe“, erklärt Elbers. Daher sollte man erst eine Weile warten. „Ist der kleine Igel dann weg, hat ihn die Mutter wahrscheinlich abgeholt“. Auch das geringe Gewicht der Kleinen ist zumindest im Frühherbst noch kein schlechtes Zeichen, denn sie nehmen täglich bis zu 50 Gramm zu.

Ist es allerdings frostig kalt und ein Igel sieht um die Hüfte herum eingefallen aus oder ist anderweitig verletzt, ist Hilfe mitunter angebracht. Wer einen Igel mit ins Haus nimmt, sollte ihn nicht direkt in die Wärme bringen, „denn die Tiere sind an kühle Außentemperaturen gewöhnt“, sagt Elbers. Anstatt ihn selbst aufzupäppeln, sollte zudem ein Tierarzt zu Rate gezogen und der Igel in die Obhut einer Auffangstation übergeben werden. „Wir haben da bessere Möglichkeiten, können die Tiere artgerecht versorgen und im Frühjahr wieder auswildern.“

Wer den Gartenbewohnern dennoch etwas Gutes tun will, stellt am Besten spezielles Igelfutter aus der Tierhandlung bereit. „Auch Katzen- oder Hundefutter ist gut, dazu Bananen, Avocado und anderes Obst sowie Ei“, sagt Elbers. „Zum Trinken sollte man Wasser geben – auf keinen Fall Milch, denn die macht Durchfall!“ Für die ganz jungen Igel gibt es spezielle Aufzuchtmilch im Fachhandel.

Um einen angenehmen Lebensraum zu schaffen, sollte auch der Garten nicht zu penibel aufgeräumt sein – denn in geschützten Ecken und großen Laubhaufen ist es im Winter besonders warm und kuschelig.

Bescheid weiß bei Fragen zum Thema die Wildtierstation Soltau, Telefon: 0 51 91/39 68.