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Trotz Ankündigung hat die Polizei beim Blitzermarathon gut zu tun. Michael Wepner hat einen zu schnellen Autofahrer auf der B 216 gemessen, seine Kollegin Kirsten Blau zückt schon mal die Kelle, um ihn rauszuwinken.
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Trotz Ankündigung hat die Polizei beim Blitzermarathon gut zu tun. Michael Wepner hat einen zu schnellen Autofahrer auf der B 216 gemessen, seine Kollegin Kirsten Blau zückt schon mal die Kelle, um ihn rauszuwinken. Foto: be

Auf der Kuppe voll erwischt

ahe/ots  Lüneburg. 70 km/h sind erlaubt, der junge Mann aber ist mit 108 Kilometern pro Stunde unterwegs auf der B 216 in Richtung Lüneburg. Sein Pech: Die Polizei hat sich am Ortseingang in Höhe des Gewerbegebietes Bilmer Berg positioniert und misst die Geschwindigkeit des Verkehrs. Just als der 27-Jährige am Donnerstagmorgen mit seinem Auto über die Kuppe fährt, ist er auch schon im Visier der Ordnungshüter: Kurze, sich wiederholende Pieptöne des Lasermessgerätes geben Michael Wepner von der Polizei auch das akustisch eindeutige Signal, dass der Mann in seinem Skoda zu schnell unterwegs ist. Wepners Kollegin winkt den Temposünder raus – drei Punkte und 120 Euro plus Verwaltungsgebühren sind die Quittung für sein Fehlverhalten.

Es ist nicht der einzige Raser, der Wepner und seinen Kollegen an diesem Vormittag ins Netz geht. Ein wenig überrascht das schon, denn die Messung war ausgiebig in den Medien angekündigt worden. Sie ist Teil des ersten bundesweiten Blitzermarathons, an dem sich die Lüneburger Ordnungshüter mit fünf verschiedenen Messstationen in Stadt und Landkreis beteiligen. Im Vorfeld hatte die Polizei nicht nur die Aktion als solche, sondern auch die einzelnen Kontrollpunkte angekündigt.

Gerade diese detaillierte Ankündigung hat für Diskussionen gesorgt: Gut so, sagen die einen, die anderen halten es für falsch, weil so die notorischen Raser gewarnt waren. Tobias Klaiber kann nichts Falsches daran erkennen, dass die Messorte bekannt waren. „Da die ganze Aktion im Vorfeld bundesweit angekündigt wurde, ist das doch egal. Heute fahren eh die meisten vorsichtig“, sagt der Oberkommissar. Ausnahmen bestätigen die Regel. Nach etwa einer Stunde haben Klaiber und seine fünf Kollegen an der B 216 bereits neun zu schnelle Fahrer aus dem Verkehr gezogen, vom Fahranfänger bis zum Rentner ist alles dabei, darunter zwei, die so schnell waren, dass sie nicht nur Geld zahlen müssen, sondern auch Punkte in Flensburg kassieren. „Dabei wissen es alle, dass wir heute messen“, hat Klaiber festgestellt. „Die meisten, die wir anhalten, zeigen sich einsichtig.“ Auch der 27-Jährige, bis dahin Spitzenreiter. Doch er muss in Gedanken gewesen sein, war auf dem Weg zur Arbeit und etwas spät dran, wie er gegenüber den Beamten einräumt. Da muss er zu tief auf dem Gaspedal gestanden haben.

Auch wenn es aus Reihen der Polizeigewerkschaft zuvor Kritik an der Aktion gegeben hat, weil so viele Beamte eingebunden seien und die Polizei eh schon mit Überstundenbergen zu kämpfen habe, kann Klaiber gute Gründe für die Kontrolle nennen: „Die Bundesstraße 216 ist als gesamte Strecke ein Unfallschwerpunkt, gerade hier am Ortseingang hat es durch die oft hohen Geschwindigkeiten und die Spurwechsel schon mehrere schwere Auffahrunfälle gegeben.“ Auch die anderen Messstellen auf der B4 in Lüneburg, auf der L221 zwischen Lüneburg und Bleckede sowie auf der B 209 bei Brietlingen und bei Amelinghausen gelten als Unfallschwerpunkte.

Wie die Polizei am Freitag mitteilte, passierten mehr als 400 Fahrzeuge die polizeilichen Messstellen. Die Beamten ertappten 143 Fahrzeugführer, die zu schnell unterwegs waren. 114 kamen mit einem Verwarngeld davon, 29 Mal lag die Geschwindigkeitsüberschreitung über 20 km/h. Hier werden Bußgelder und Punkte in der „Verkehrssünder-Datei“ fällig. Drei Autofahrern droht sogar ein Fahrverbot.

Auf der B 216 zwischen Barendorf und Lüneburg zählten die Ordnungshüter insgesamt 16 Verstöße. Der Spitzenreiter fuhr an dieser Stelle mit 108Km/h bei erlaubten 70km/h in die Polizeikontrolle. Auf der Hamburger Straße im Innenstadtbereich waren es 20 Temposünder. Der 39-jährige Fahrer eines Sprinters wurde hier mit 70km/h gestoppt. Weiteres Highlight: Einer der „zu schnell-Fahrer“ wollte sich offensichtlich der Kontrolle entziehen. Nachdem der 32-Jährige aus dem Kreis Harburg mit seinem Toyota Auris mit zu hoher Geschwindigkeit gemessen und von den Beamten zum Anhalten aufgefordert wurde, verringerte er seine Geschwindigkeit nicht, so dass sich ein Polizeibeamter mit einem Sprung zur Seite retten musste. Bei der anschließenden Kontrolle stellte sich heraus, dass der Mann unter Drogeneinfluss stand und keinen Führerschein besitzt.

Im Landkreis Lüchow-Dannenberg registrierte die Polizei bei einer Kontrolle in der Ortschaft Clenze insgesamt fünf Verstöße. Ein 46-jähriger Autofahrer fuhr auf der Lüchower Straße mit 88km/h durch die Ortschaft; er ist
einer der Fahrer, denen ein Fahrverbot droht. An den Kontrollstellen in Küsten und Waddeweitz an der Bundesstraße 493 waren es lediglich drei Autofahrer, die zu schnell unterwegs waren.

In Uelzen kontrollierte die Polizei u.a. auf der L 250, in Höhe des Klärwerks innerhalb der 70Km/h-Zone. Hier wurden insgesamt zehn Geschwindigkeitsverstöße gezählt. Eine 24 Jahre junge Autofahrerin wurde mit 96km/h geblitzt und angehalten. In der 70er-Zone auf der Bundesstraße 71 bei Bohlsen waren es fünf Verkehrssünder. Das schnellste Fahrzeug einer 45-Jährigen fuhr mit 102km/h in die Kontrolle.