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Die Zahl der Betreuungsplätze wird im kommenden Jahr noch einmal kräftig steigen. Allein im Krippenbereich von 729 auf 1035. Für jeden Platz zahlt der Kreis einen Betriebskostenzuschuss. Foto: A/be
Die Zahl der Betreuungsplätze wird im kommenden Jahr noch einmal kräftig steigen. Allein im Krippenbereich von 729 auf 1035. Für jeden Platz zahlt der Kreis einen Betriebskostenzuschuss. Foto: A/be

Was Eltern freut, belastet Etat

ml Lüneburg. Eigentlich könnte Jürgen Wiegert zufrieden sein. In diesen Tagen beginnen die Haushaltsberatungen beim Landkreis Lüneburg, und gerade erst hat der Leiter Finanzmanagement einen voraussichtlichen Überschuss von rund zwei Millionen Euro für 2014 errechnet. Auch die Steuerquellen sprudeln wegen der anhaltend guten Konjunktur weiter. 82 Millionen Euro Kreisumlage müssen die Kommunen im kommenden Jahr an den Landkreis überweisen – ein Plus von 1,1 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Und das, obwohl die Kreisumlage wie im Zukunftsvertrag vereinbart noch einmal um 0,5 Punkte auf 53 Prozent gesenkt wird, Städte und Gemeinden weiter entlastet werden. Klingt gut, aber es gibt auch andere Zahlen. Und die bereiten Wiegert Kopfzerbrechen.

Ins Auge sticht vor allem der Anstieg der Ausgaben bei der Jugendhilfe. Ist in Vorjahren noch die Stadt Lüneburg für ihre hohen Ausgaben gescholten worden, hat sich die Lage gedreht. Während Wiegert im Stadtgebiet für 2014 insgesamt 12,3 Millionen und damit 4,6 Prozent weniger veranschlagt, muss für die Fläche nachgebessert werden: Der Ansatz steigt um 14,3 Prozent auf mehr als 15 Millionen Euro – ein Plus von 1,8 Millionen Euro. „Schon in diesem Jahr kommen wir mit den kalkulierten Kosten nicht aus, und der Trend setzt sich fort“, sagt Wiegert. Als Ursache nennt er steigende Fallzahlen.

Was zunächst danach klingt, dass immer weniger Eltern die Erziehung ihrer Kinder im Griff haben und deshalb staatliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen, ist tatsächlich nur eine Seite der Medaille. Die andere zeigt, dass Erfolge, die Politiker feiern, ihren Preis haben.

Erst Anfang August war der Jubel in Rathäusern und Räten groß: Die vom Land vorgegebene Krippenquote haben die Kommunen im Kreis erfüllt, teilweise sogar übererfüllt. Doch neben hohen Investitionskosten zieht der Ausbau des Krippennetzes steigende Betriebskosten nach sich. Und die bezuschusst der Kreis im Fall der Krippen mit 278 Euro jährlich – pro Platz. Die dazugehörende Rechnung macht Martin Wiese auf, Fachbereichsleiter Soziales beim Kreis: „Werden 2013 noch 729 Krippenplätze bezuschusst, rechnen wir im kommenden Jahr mit 1035.“ Ein Plus von fast 90 000 Euro allein in diesem Bereich. Andere wie die Kindergärten kommen hinzu. Insgesamt veranschlagt die Verwaltung 2014 rund 2,6 Millionen Euro für Betriebskostenzuschüsse. 2011 waren es noch 2,1 Millionen.

Einen deutlichen Anstieg gibt es laut Wiese auch in der Tagespflege. „Immer mehr Berufstätige lassen ihre Kinder von Tagesmüttern oder -vätern betreuen, vor allem alleinerziehende Mütter“, sagt der Fachbereichsleiter. Ist das Einkommen gering, springt der Kreis finanziell ein. Die Folge: ein Kostenanstieg von 340 000 Euro.

„Die höheren Kosten bei der Betreuung sind systembedingt und politisch gewollt“, sagt Wiese. Im Klartext: Berufstätige mit Kindern dürfen sich über immer bessere Betreuungsmöglichkeiten freuen, doch die gibt es nicht zum Nulltarif.

Und Wiese hat bereits das nächste „Teuerungsfeld“ ausgemacht: „Im Zuge der Inklusion wird es deutlich mehr Schulassistenten geben als bislang.“ Also Helfer, die Kindern mit Handicap den politisch gewollten Besuch an einer normalen Schule überhaupt erst ermöglichen. Und auch dafür wird der Kreis zahlen müssen.