Donnerstag , 29. September 2016
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Dechant Carsten Menges wünscht sich eine Versachlichung der Debatte um den neuen Limburger Bischofssitz. Er richtet unter anderem den Blick darauf, dass der größte Teil des Gebäudeensembles ein Begegnungszentrum ist. Foto: A/be
Dechant Carsten Menges wünscht sich eine Versachlichung der Debatte um den neuen Limburger Bischofssitz. Er richtet unter anderem den Blick darauf, dass der größte Teil des Gebäudeensembles ein Begegnungszentrum ist. Foto: A/be

„Ich finde nichts protzig“

as Lüneburg. Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst steht seit Monaten in der Kritik wie kein anderer kirchlicher Würdenträger wegen angeblicher Falschaussage an Eides statt und weil er neben dem Limburger Dom das Diözesane Zentrum St. Nikolaus als „Protzbau“ errichten ließ. Die Diskussion um den vermeindlichen „Skandalbau“ sieht Lüneburgs Dechant Carsten Menges, Pfarrer in St. Marien, kritisch. „Ich möchte sie versachlichen“, sagte er gestern zur LZ, die ihn um eine Stellungnahme bat. Er habe das Gefühl, „dass hier einige Hetze betreiben, um den Bischof aus dem Amt zu vertreiben“. Kirchenaustritte im Zusammenhang mit der Debatte um Tebartz-van Elst verzeichnet die Lüneburger katholische Gemeinde nicht.

Menges hat im Internet zum Diözesanen Zentrum recherchiert. Sein Fazit: Hier entsteht ein geistliches Zentrum, im wesentlichen ein Begegnungszentrum. „Ich finde nichts protzig.“ Ursprünglich habe nur ein Bau für den Bischof entstehen sollen, der habe dann vorgeschlagen, dass ein Begegnungszentrum entstehen solle. „Zwei historische Gebäude sind saniert worden, die Platz für die Verwaltung und Wohnraum für Ordensschwestern bieten“, schildert Menges. Den weit größeren Teil des Gebäudeensembles nehme das Begegnungszentrum mit Konferenz-, Veranstaltungs- sowie Arbeitsräumen für Gruppen ein. Im rückwärtigen Teil des Gebäudes befinde sich die künftige Drei-Zimmer-Wohnung für den Diözesanbischof und seine Nachfolger.

Bezüglich der Einrichtung der Bischofs-Wohnung berichteten Medien von einer 15 000 Euro teuren Badewanne und Schreinerarbeiten, die mit 350 000 Euro zu Buche schlagen sollen. Auf solche Meldungen beziehungsweise Gerüchte gibt Dechant Menges wenig. „Ich würde dazu gerne erst einmal die Bistumsvorlage sehen.“ Es sei abzuwarten, was die Sichtung der Bischofskonferenz ergebe, ob zu viel ausgegeben worden sei. „Derzeit gibt es keine offiziellen Belege.“

Dechant Menges nimmt auch Stellung dazu, wer die Baukosten in Höhe von derzeit 31 Millionen Euro schultern muss. Zum einen gebe es den Bistums-Etat, der sich aus Kirchensteuern und anderen Einnahmen zusammensetzt. Daraus werden unter anderem Ausgaben für den Erhalt von kirchlichen Einrichtungen und Personalkosten bezahlt. 2,5 Millionen Euro sollen für das Diözesan-Zentrum bereitgestellt worden sein. Zum anderen gibt es den Bischöflichen Stuhl. Dieser wurde bei Gründung des Bistums im Jahr 1827 vom Herzog von Nassau mit Vermögenswerten ausgestattet, die den Grundstock für das heutige Vermögen bilden und zur Unterhaltung des Bischofs dienen.

Laut des Vermögensverwaltungsrates übernimmt der Bischöfliche Stuhl die Kosten für das Diözesane Zentrum beziehungsweise den Bischofssitz. Menges: „Für mich heißt das, dass der Bischof den Kirchengemeinden keine Gelder nimmt.“

Ein wesentliches Problem sieht Menges allerdings in der Kommunikation, die während des Baus schlecht gelaufen sei, wenn es um Mehrkosten ging. Anders beim Hildesheimer Dom, wo die Kosten im Laufe der Sanierung auch explodierten. Unter anderem, weil die angrenzende Kirche zum Diözesan-Museum ausgebaut werden sollte und man dabei auf eine 1000 Jahre alte Stadtmauer stieß. Die sollte für die Museumsbesucher sichtbar gemacht und erhalten werden. „Das hat zu zwei Millionen Euro Mehrkosten geführt, wurde aber auch öffentlich kommuniziert“, sagt Menges. In Limburg habe es einen ähnlichen Sachverhalt gegeben, allerdings habe man das wohl nicht transparent gemacht.

15 Kommentare

  1. Der ignorante Dechant leugnet, verdreht Fakten, die längst aus seriösen Quellen belegt sind.
    Es ist das verzweifelte Verhalten der katholischen Kirche zur Macherhalung und gegen Imageschäden,das
    wir schon aus den Missbrauchsaffären kennen.Schade, dass die LZ Mitarbeiterin Schäfer wieder einmal
    im Verlautbarungsjournalismus steckenbleibt.Sie hätte bei der haarsträubenden Darstellung des Dechanten nachhaken sollen und zum Beispiel der strafrechtlichen Verfolgung des Bischofs durchaus Raum geben
    können.

  2. Gerhild Tietjens

    Die erheblichen Vermögenswerte des Bischöflichen Stuhls in Limburg (Heute weit über Einhundertmillionen Euro. Warum eigentlich noch spenden?), die keineswegs alle „bei Gründung des Bistums im Jahr 1827 vom Herzog von Nassau“ rückerstattet oder gar geschenkt wurden, sondern diesem und seinen Rechtsnachfolgern in einer endlosen Kette von Prozessen abgetrotzt werden mussten und „den Grundstock für das heutige Vermögen bilden“, dienen bestimmt nicht „zur Unterhaltung des Bischofs“. Sie dienen dem Amt des Bischofs, das Rechtssubjekt, Vermögensträger und Körperschaft des öffentlichen Rechts ist.

    Ihr Kommentar ist eine notwendige und gute Klarstellung, Herr Rácskai. Instruktiver als die sehr privaten „Eindrücke“ und „Ansichten“ des meinungsstarken, aber offensichtlich nicht sonderlich gut unterrichteten Dechant Carsten Menges sind sicherlich die drei folgenden Artikel:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/limburger-bischofssitz-der-bau-von-dem-alle-sprechen-12617622.html

    und

    http://www.sueddeutsche.de/panorama/tebartz-van-elsts-amtsverstaendnis-von-hirtenmacht-und-machthirten-1.1795128

    und:

    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-10/bischof-tebartz-van-elst-limburg-doppelmoral-kommentar

  3. Franz-Peter Koenig

    Herr Mendes,
    si catuisses!!

  4. Zum zweiten Male innerhalb weniger Jahre verleugnet sich die Kirche selber.
    Das es aiuch im Klerus nicht nur dem Evangelium getreue Mitarbeiter gibt steht sicher wie bei allen
    anderen Arbeitsstätten ausser Frage. Wenn es hier in Limburg zu finanziellen Schäden für die Kirche gekommen ist, wird die Kirche es bei der Spendenbereitschaft bei anderen Objekten merken. Viel schlimmer aber ist das
    Verhalten des Bischofs in der Öffentlichkeit aber wohl auch im Umgang mit den Gläubigen in seinem Bistum.
    Wenn das ein Vorbild für unsere Gesellschaft die Jugend und Kinder sein soll, das ein Bischof nachweislich lügt
    weiss ich nicht wie man Gläubige in der Kirche halten will. Gerade ist ein kleines Pflänzchen durch Papst Franzikus entstanden das vielleicht ja auch nicht aktive Christen in die Kirche zurückkehren wollen aber da tritt ein Bischof schon wieder heftig gegen das Schienbein des Papstes. Ich will hier auch garnicht auf die 31 Mio Bausumme eingehen sondern nur auf den Vertrauensverlust den die Kirche erleiden wird. Warum Dechant Menges da nocht so absolut hinter dem Bischof steht kann ich nicht nachvollziehen. Warum hat der Bischof von Eltz nicht den Mut alles mal ordentlich öffentlich darzustellen ? Vielleicht weiß er ja genau welche Fehler er gemacht hat ?
    Leider sind immer noch die konservativen nicht im Leben stehenden in der Mehrheit in der kath. Kirche.
    So gab es bei denen keinen Kindesmissbrauch und so wird Bischof van Eltz von der Gesellschaft grundlos gejagt.
    Arme Reiche Kirche

  5. Zunächst sei festgehalten, dass ich mich als ganz einfacher Katholik im Bistum Limburg zu Wort melde.
    Dann darf ich Herrn Dechanten Menges danken für das Bemühen, die Diskussionen zu versachlichen. Herr Dechant Menges beschreibt zudem die Faktenlage sehr genau. Denn tatsächlich geistern durch die Medien viele Zahlen, Summen und scheinbare Details, die sich so sehr widersprechen, dass wir uns langsam darüber klar werden sollten, dass unser Bischof gar nicht so viel Schuld haben kann, wie es manch einer gerne hätte. Als Beispiel sei die ominöse Badewanne genannt. Die ganze Republik hat einen Preis von 15.000 € für allein dieses Objekt verinnerlicht – nun ist in der Onlineausgabe „Die Welt“ von 15.000 € für das ganze Badezimmer zu lesen. Wir WISSEN also gar nicht so sehr viel. Auch Sie nicht, verehrter Herr Rácskai – andernfalls hätten Sie von der durchgängigen Nutzung des Konjunktivs in Ihrem Kommentar sicher Abstand genommen.
    Wie wenig hilfreich der immer wiederkehrende Verweis auf immer neue Quellen ist, zeigt folgender Link:
    http://www.welt.de/print/welt_kompakt/article120854364/Die-Architektur-ist-nicht-protzig.html
    Mit wenig Mühe lässt sich in der Onlineausgabe der “Welt” auch die berühmte Badewanne finden – hier nun aber ganz und gar aus Porzellan und jedenfalls nicht aus einer Vielzahl von Tropenhölzern. Wer veröffentlicht hier nun die Wahrheit? Der von Ihnen, verehrter Herr Rácskai, zitierte Jochen Riebel, oder “Die Welt”?

    Ich war am vergangenen Montag auf dem Domberg in Limburg und habe mit angesehen, wie die Reporterin von N24 an ihre Informationen gekommen ist – von eigener Recherche konnte gewiss keine Rede sein. Auch wird ein falsches Bild von den Gläubigen gezeichnet, indem nur die sogenannten Kritiker gezeigt werden. Insofern muss ich leider auch die Einschätzung des Herrn Dechanten Menges teilen, dass es hier eine gewisse Hetze gegen den Bischof gibt, die unabhängig eigener religiöser oder ethischer Vorstellungen, sei man nun erzkatholisch-konservativ, pietistisch-protestantisch, humanistisch oder aufgeklärt, jeder Beschreibung spottet.
    Ich darf als Augenzeuge versichern, dass es viel mehr Katholiken im Bistum Limburg gibt, die nach wie vor einen Kirchenaustritt für sich kategorisch ausschließen, als bekannt gemacht wird.
    Ich selber werde trotz – nein, anders: gerade wegen unseres Bischofs nicht austreten!

  6. Sie haben Recht, Herr Wolf, nicht der Bau ist das Problem, sondern das Verhalten des Bischofs, der offenbar alles getan hat, um den vollkommen irrwitzigen Kostenanstieg des ursprünglich Bewilligten um das mehr als Fünfzehnfache zu verschleiern, jahrelang die Unwahrheit gesprochen, seine Mitarbeiter und Berater getäuscht, das Domkapitel entmachtet und die Kontrollinstanzen hintergangen und ausmanövriert hat. Das ist in der umfassenden Dokumentation, auf die Herr Tibor Rácskai hingewiesen hat, für jeden Leser leicht nachzuverfolgen:

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/skandal-in-limburg-die-akte-tebartz-van-elst-12615800.html

    Und auch in einem zweiten Punkt haben Sie Recht, Herr Wolf. Nicht der gänzlich aus der Spur des irgend Vertretbaren geratene Bischof Tebartz-van Elst ist das eigentliche Problem. Ein Beispiel dafür, dass amtsstolzer Größenwahn jedes Gespür für Maß, Mitte und Anstand weit hinter sich lassen kann, haben wir ja auch in Lüneburg. Schauen Sie nur sich den finanzierungspolitischen Irrsinn um den überdimensionierten Zentralgebäudebau des Fachhochschulverbundes „Leuphana“ an und studieren Sie die Verlautbarungen des Präsidiums, dann wissen Sie, was Selbstgerechtigkeit und Realitätsverkennung in den Köpfen von überforderten „Leadership“-Schauspielern anrichten können. Das Verhaltensmuster ist das gleiche: Fakten schaffen, um von öffentlichen Geldgebern anfänglich nicht genannte Mittel zu erzwingen.

    Nicht das bemitleidenswerte „Führungspersonal“ hier und der arme Bischof dort also sind das Problem, sondern die undurchsichtigen „Strukturen“ und die hilflosen, von Marketinglyrik und Standortaufwertungsgeschwätz überrumpelten politischen hier oder kirchlichen Gremien dort, die deren abenteuerliches Vorgehen erlauben.

    Möchten Sie mehr über das Thema „Katholische Kirche“ und „Finanzausstattung wissen, als der um Schadensbegrenzung und Chorgeist ebenso ehrenwert parteiisch wie lachhaft einseitig bemühte Herr Carsten Menges, auf sechs Jahre gewählter Leiter des Dekanats Lüneburg, ihnen zu sagen vermag, lesen Sie auf Spiegel-Online: „Unter den Talaren das Geld von 2000 Jahren. Der Fall Tebartz-van Elst offenbart nicht nur die Prunksucht des Bischofs – er zeigt auch, wie reich die katholische Kirche wirklich ist. Allein in Deutschland wird ihr Vermögen auf 270 Milliarden Euro geschätzt. Der Überblick“:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/limburger-bischofssitz-offenbart-reichtum-der-katholischen-kirche-a-928017.html

    Mit freundlichen Grüßen

    Rita Böttjer

  7. Otto-Karl Susemelk

    Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Stefan Vesper, sagte am Montag (14.10.13) bei einem Besuch in Regensburg dem Bayerischen Rundfunk: Er hoffe, dass es in Limburg „sehr kurzfristig“ eine Lösung gibt. Dann werde ein Neuanfang möglich sein. Unstrittig sei, dass die Affäre um Verschwendung und mögliche Falschaussagen der katholischen Kirche einen enormen Schaden zugefügt habe, sagte Vesper weiter. Der Limburger Bischof habe das Vertrauen „durch sein Handeln restlos verspielt“.

    Quelle: http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/tebartz-van-elst-lkd-oberpfalz-100.html

    Trotz dieses grellen Falles der Überhebung, des Vertrauensmissbrauchs und der in seiner Folge verstärkt einsetzenden Heuchelei mit ihren vergifteten Solidaritätsadressen und ihren um Macht und Einfluss bangenden, nun in Stellung gehenden innerklerikalen politisch-religiösen Parteiungen muss ich Ekkehard Wolf zustimmen: gerade jetzt kommt es darauf an, das Schiff nicht zu verlassen. Den fetten Predigern der Magerkeit – wie dem Limburger Bischof – können wir nur gemeinsam entgegentreten. Ich erinnere an Papst Clemens V., der für das Jahr 1311 ein Konzil nach Vienne rief. Von allen beim diesem Konzil eingereichten Gutachten ist nur der „Tractatus de modo generalis concilii celebrandi“ erhalten. Dort heißt es:

    „Videretur deliberandum, perquam utile fore et necessariurn quod ante omnia corrigerentur et reformarentur illa quae sunt in ecclesia Dei corrigenda et reformanda, tarn in capite quarr in membris.“

    Ich übersetze: „Es scheint in Erwägung gezogen werden zu müssen, daß es sehr nützlich und notwendig sein würde, vor allem das, was in der Kirche Gottes verbesserungs- und reformbedürftig ist, zu verbessern und zu reformieren an Haupt und Gliedern.“

  8. Sehr geehrte Frau Böttjer, sehr geehrter Herr Susemelk,
    leider haben wir uns erheblich missverstanden. Aber das ist insofern ja ganz schön, als dass man an diesem Beispiel erkennen kann, wie schnell Missverständnisse entstehen. Dabei rechne ich es Ihnen gerne an, dass Sie mit einer gewissen Konzilianz auf meinen Kommentar eingehen und freue mich, dass wir uns, verehrte Faru Böttjer, einig sind, dass “nicht der Bau das Problem ist“. Warum Sie nun aber Herrn Dechanten Menges unangemessen herablassend lediglich um “Schadensbegrenzung und Korpsgeist ebenso ehrenwert parteiisch wie lachhaft einseitig bemüht” sehen, verstehe ich nicht. Sein Fazit entspricht dem Ihren: Der Bau ist nicht das Problem.
    Ich riet in meinem vorangegangen Kommentar nicht ohne Grund zu sparsamen Quellenhinweisen. Was immer die FAZ über unseren Bischof zu berichten wusste: Es kristallisierte sich laut KNA gerade heute heraus, dass der Vatikan sehr frühzeitig über die zehn Einzelrechnungen informiert war und der Vermögenverwaltungsrat viel mehr abgesegnet hat, als uns Herr Jochen Riebel heute glauben lassen will – wenn es denn stimmt was die KNA verbreitet. Insofern sehe ich noch nicht – und ich hoffte mich im vorangegangenen Kommentar wirklich verständlich gemacht zu haben – dass unser Bischof “jahrelang die Unwahrheit gesprochen, seine Mitarbeiter und Berater getäuscht, das Domkapitel entmachtet und die Kontrollinstanzen hintergangen und ausmanövriert hat.“. Warten wir doch einfach mal in aller Ruhe ab, was die von der Deutschen Bischofskonferenz einberufene Kommission herausfindet. Bis dahin würde ich es sehr schätzen, wenn wir uns im Tonfall auf etwas Mäßigung einigen könnten. Dies geht in der Hauptsache an Sie, sehr geehrter Herr Susemelk. Wir haben uns bei meinem Schlusssatz gründlich missverstanden: Ich stelle mich ausdrücklich vor unseren Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz -van Elst. Als Bischof ist er von Amtswegen kein irgendwer. Als Bischof ist er nach dem Amtsverständnis der Kirche aufgrund göttlicher Einsetzung an die Stelle der Apostel nachgerückt, gleichsam als Hirte der Kirche. „Wer ihn hört, hört Christus, und wer ihn verachtet, verachtet Christus und den, der Christus gesandt hat“, so formuliert es das Zweite Vatikanische Konzil. Allein deshalb verbietet es sich schon, den Bischof von Limburg als „fetten Prediger“ zu bezeichnen. Und betrachtete man Herrn Tebartz-van Elst nur als Menschen, verbietet sich der Begriff „fetter Prediger“ nicht minder.

  9. Sehr geehrter Herr Wolf,

    für Ihre gefasste Entgegnung – unter Reitern würde man von einem versammelten Vortrag sprechen – danke ich Ihnen. Das ist keine Selbstverständlichkeit in diesem Zusammenhang. Ebenfalls möchte ich Ihnen für Ihr generöses Stillschweigen danken, mit dem Sie über den einen oder anderen orthographischen Lapsus hinweggehen und beispielsweise in einer deplatzierten Singgemeinschaft die natürlich gemeinte organisierte Körperschaft erkennen. So möchte ich auch jetzt und weiterhin darauf bauen, dass Sie begreifen und entschuldigen, wenn einer alten Frau, die in ihrem 93. Jahre von den Möglichkeiten ihres modernen Schreibapparates verführt, kleinere, hoffentlich nicht sinnentstellende Tippfehler unterlaufen, die unkorrigiert in die Welt gelangen

    Darf ich, Herr Wolf, zunächst mein Verwundern darüber zum Ausdruck bringen, mit welcher Vehemenz und Ausdauer sich hier auf den Seiten der Landeszeitung für die Lüneburger Heide in Ihrer Person ein „ganz einfacher Katholik im Bistum Limburg zu Wort“ meldet und für einen der siebzehn Dechanten der Diözese Hildesheim in die Bresche springt? Fasst man „Tonfall“, Wortwahl, Tendenz und Anliegen Ihrer Beiträge ins Auge, möchte man – verböte man es sich denn nicht – beinahe dem herandrängenden Verdacht nachgeben, Sie und der Pfarrer in St. Marien, Carsten Menges, seien verwandt, wenn nicht gar identisch. Doch da wir – Ihren nur zu berechtigten Wünschen entsprechend – das Spekulieren unterlassen oder eindämmen wollen, lasse ich die Sache auf sich beruhen und fahre fort, als spräche ich mit dem Wolf und nicht mit dem Hirten.

    Ich habe Herrn Menges Bemühungen der Schadensbegrenzung, die Sie als „versachlichend“ und „faktengesättigt“ kennzeichnen „ebenso ehrenwert parteiisch wie lachhaft einseitig“ genannt. Sie monieren das, indem Sie meine Äußerung zugleich als „unangemessen herablassend“ qualifizieren. Wenn der zweite Satz von Herrn Menges seinem „Gefühl“ Ausdruck gibt, “dass hier einige Hetze betreiben, um den Bischof aus dem Amt zu vertreiben”, ist das „sachlich“ oder verunglimpft es Kritiker und Besorgte in Bausch und Bogen? Wenn der dritte lautet “Ich finde nichts protzig.”, also einen subjektiven Eindruck formuliert, ist das „faktengesättigt“ oder heißt das ein persönliches Geschmacksurteil einsetzen, um auf populistische Weise die Debatte auf Vorwürfe zu lenken, die kaum jemand, der ernst zu nehmen wäre, erhoben hat? (Kommt man aus den bischöflichen Residenzen in Würzburg, Aschaffenburg oder Pommersfelden ist Limburg nachgerade ein Schock der Askese.) Und wenn dann im Weiteren ausschließlich von einem behaupteten Mangel an harten Beweise, von insinuierten eigentlichen Bauzwecken und kircheninternen Baukostenträgern sowie von lupenreinen Mutmaßungen über die Gründe der Kostenexplosion und Vermutungen über misslungene „Kommunikation“ (man habe „das wohl nicht transparent gemacht“) die Rede ist, wie soll man das alles bezeichnen, wenn nicht als sehr, sehr unvollkommenen Versuch, für etwas Partei zu nehmen, von dem man so gut wie gar keine Ahnung hat. Ich nenne das „ehrenhaft“, weil Herr Menges sich für seinen Glaubensbruder aus dem Fenster lehnt, aber „lachhaft“, weil er fällt, bevor er zuende
    gesprochen hat, da es nichts gibt, worauf er sich bei seinen Beschwörungen stützen kann. Des Pfarrers Versuch, die Diskussion zu „versachlichen“, fällt mit seinem nächsten Atemzug und bleibt reines Lippenbekenntnis, Scheinautorität stiftende Ankündigungsrhetorik, weil er selber vollkommen unsachlich fortfährt.

    Nichtsdestotrotz haben Sie, Herr Wolf, und Pfarrer Menges Recht: warten wir ab und wahren die Fassung. Mehr können wir ohnehin nicht tun.

    Allenfalls können wir Zeitung lesen, die Meldungen der Katholischen Nachrichten-Agentur GmbH oder zum Beispiel den exzellenten Artikel aus der FAZ von heute:

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/limburg/verdacht-der-untreue-in-limburg-geht-die-angst-um-12622376.html

    Zum Abschluss noch ein Wort zum 20. Artikel des „lumen gentium“, der Dogmatischen Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Kirche, aus der Sie als eifriger „Welt“-Leser zitieren. Dort wird über das verborgene Wesen der Kirche gesprochen, die, obwohl sie eine aus Menschen bestehende Gemeinschaft bildet, doch zugleich ein göttliches Geheimnis ist. Leib Christi, Haus Gottes nennt sie die Heilige Schrift. Die Kirche Jesu Christi ist gewiss nicht einfach ein Interessenverband, ein gemeinschaftliches Unternehmen, kurzum, eine Form menschlicher Gesellschaft, die dann auch nach säkularen, politischen Regeln mit weltlichen Mitteln gestaltet und geleitet werden könnte. Wer zum Dienst in der Kirche berufen wird, ist nicht Funktionär der Gemeinde, er empfängt Amt und Vollmacht von Jesus Christus, dem Haupt seines geheimnisvollen Leibes. Christus selbst ist es, der die Gläubigen zu einer lebensvollen Einheit verbindet. Und die Bischöfe sind als Nachfolger der Apostel von Gott eingesetzt: „Wer sie hört, hört Christus, und wer sie verachtet, verachtet Christus und ihn, der Christus gesandt hat.“

    Dies alles – glauben Sie einer Alten, die 1920 geboren und manchen Bischof in dunklen Zeiten hat böse irren sehen, – dies alles, sage ich, ist schon unendlich schwer zu akzeptieren, wenn man glaubensbereit, ja, glaubenswillig ist und einem unbescholtenen, integeren Menschen gegenüber steht, dem man nicht im Fernsehen dabei zuschauen konnte, wie er log und diese Falsche Aussage eidesstattlich bekräftigte. Aber davon, dass ich Christus höre, wenn der derzeitige Bischof von Limburg spricht, wird mich im Leben niemand mehr überzeugen.

    Er ist – auch, wenn Sie es nicht hören wollen und auch wenn er spindeldürr ist, das, was Luther einen „fetten Prediger der Magerkeit“ genannt hat.

    Mit freundlichen Grüßen

    Rita Böttjer

  10. Viktor Klostermann

    Papst Franziskus habe entsetzt reagiert, als er erfuhr, dass die Baukosten für die Bischofsresidenz in Limburg auf mehr als 40 Millionen Euro steigen könnten, berichten unter anderen La Repubblica, Le Monde und die New York Times unter Berufung auf Kirchenkreise im Vatikan. „Wie bitte?“, soll der Nachfolger Petri gestöhnt haben.

    Zwar ist kaum jemand, der das kolportiert, dabei gewesen, als diese Worte (vielleicht) fielen, doch besitzen sie ein hohes Maß an Plausibilität allein darum, weil sie zu dem öffentlichen Bild des heiligen Vaters passen, an dessen Entstehen und Plastischwerden er selber und seine Kirche nicht unbeteiligt ist.

    Frau Böttjer, ich ziehe meinen Hut vor Ihnen, denn es ist so, wie Sie es in ihrem Alter mit imponierender Klarheit sagen: Die Wahrheit siegt durch sich selbst. Eine Lüge braucht stets einen Komplizen.

    Auf diesen Grundsatz hat die katholische Kirche und ihr mit Gemeinde und Gegnern „kommunizierender“ Klerus immer gebaut.

    Aber zugleich haben Kirche und Kirchenmänner auch immer gewusst und beherzigt, was Epiktet ungefähr so ausdrückte:

    „Es sind nicht die Dinge selbst, die uns bewegen, sondern die Ansichten und Meinungen, die wir von Ihnen haben.“

    Zwischen den Klippen von Wahrheit und Anschein schlingert das Navicula Christi fluctuans ecclesiae, das auf dem Meer in Gefahr schwebende Schifflein Christi, seit 2000 Jahren.

    Und einen nicht geringen Teil seiner Probleme haben die eigenen Steuerleute zu verantworten.

  11. Sehr geehrte Frau Böttjer,
    es sei Ihnen versprochen, dass dies meine letzte Replik wird.
    Sie dürfen selbstverständlich Ihr Verwundern darüber zum Ausdruck bringen, “mit welcher Vehemenz und Ausdauer” ich mich zu Wort melde. Ich kann allerdings nicht den Eindruck gewinnen, als habe es Herr Dechant Menges nötig, dass da irgendjemand für ihn in die Bresche (wieso Bresche?) springt. Es ehrt mich, dass Sie Herrn Dechant Menges’ Tonfall und Wortwahl zu entdecken glauben.
    Nachdem wir in unserem letzten Kommentarwechsel schon gelernt haben, wie leicht es zu erheblichen Missverständnissen kommen kann, beweisen Sie nun, wie leicht sich Gerüchte in die Welt setzen lassen, indem Sie den Verdacht zumindest andeuten, Herr Dechant Menges würde sich an dieser Stelle selber bestätigen. Es ist ihm selber vielleicht etwas unangenehm, wenn er in unseren Scharmützeln eine Rolle einnimmt, also lassen wir das besser – einverstanden?
    Und merken Sie, wie schnell wir das eigentliche Thema des Zeitungsartikel, nämlich den angeblichen “Protzbau” in Limburg verlassen haben? Warum? Was wollen Sie und die andern verehrten Kommentatoren wirklich? Welches Interesse haben Sie, dass der Limburger Bischof seinem Rückzug anbietet? Sie bekämpfen den Bischof, meinen aber die Kirche. Anderenfalls müsste Ihnen folgendes zu denken geben:
    Wenn der Heilige Vater von einer “Kirche der Armen” spricht, dann meint er damit nicht nur die materiell schlecht gestellten Menschen, die unter dem besonderen Schutz der Kirche zu stehen haben, sondern alle Menschen in jedweder Not, alle Menschen in Bedrängnis – und das schließt einen Bischof selbstverständlich mit ein! Aber diese Überlegung ist Ihnen vollkommen fremd. Das ist wirklich bedrückend und viel schlimmer, als die Millionen Euro die ausgeben wurden (übrigens ja nicht verheizt, sondern durch einen realen Wert erhalten). Da fällt mir ein: Wer regt sich über den „Einkauf“ eines Fussballspielers auf, der mal eben 40 Millionen kostet und dann nach spätestens 10 Jahren nicht mehr spielen kann?

    Bevor ich mich nun aus der Kommentatorenrunde verabschiede – ich erahne ein allgemeines Aufatmen -noch ein kurzes Wort wenn Sie erlauben, zu Ihnen, sehr geehrter Herr Klostermann.
    Sie berichten von der Reaktion des Heiligen Vaters auf die Geldsumme, die bei dem Bau des Diözesanen Zentrum St. Nikolaus aufgebracht werden musste. Reine Spekulation aber denkbar und für Sie aus verschiedenen Gründen “plausibel” – und damit natürlich genau so geschehen. Ich will und kann nicht bezweifeln ob der Heilige Vater die von Ihnen berichtete Reaktion zeigte, nur finde ich die Steigerung von Wahrheitsgehalt interessant, nur weil etwas plausibel ist.
    Für wie plausibel halten Sie es, dass ein Bischof, dem man bis jetzt noch nicht vorgeworfen hat, er habe seine Amtsgeschäfte schleifen lassen, die nötige Zeit aufbringt, an sämtlichen Mitarbeitern vorbei mit Handwerkern, Lieferanten, offenbar externen Architekten etc. zu verhandeln und mit Aufträgen zu überhäufen? Nicht ohne sich zuvor auch noch die nötigen Fachkenntnisse anzueignen?

  12. Sehr geehrter Herr Wolf,

    ich bin müde, daher antworte ich knapp auf Ihre Stichworte:

    „Letzte Replik“: Schade, ich unterhalte mich gerne mit Ihnen und schätze Ihr redliches Bemühen um Klarheit.

    „Verhältnis Menges / Wolf“: Es war eine ungehörige Spitze, aber ich selbst hatte schon eingeräumt, diese Spekulation sei unfruchtbar.

    „Bresche“: Den wankenden Boden, auf dem der Lüneburger Pfarrer sich bewegt, hatte ich gekennzeichnet: das „Gefühl“, es werde Hetze betrieben, das „Geschmacksurteil“, der Bau sei nicht protzig, die „Behauptung“, es gebe keine Beweise (trotz umfangreicher, von der FAZ veröffentlichter Dokumente), die „Unterstellung“, den eigentlichen Bauzweck zu kennen, die „Mutmaßungen“ über Kostengründe und die „Vermutungen“ über Kommunikationsmängel. „Gefühle“, „Geschmacksurteile“, „Behauptungen“, „Unterstellungen“, „Mutmaßungen“ und „Annahmen“ des Pfarrers tragen aber gerade nichts zur „Versachlichung“ bei, sondern sind einfach dasselbe wie das, was er bedenklich findet – nur eben diesmal aus seiner Warte. Die Lücke, die er den Kritikern verschließen wollte, hat er mit seinen unglücklichen Einlassungen dadurch nur vergrößert, aber Sie haben sich vor ihn gestellt und haben sein haltloses Meinen mit Beobachtungen und Tatsachen zu stützen und zu begründen versucht.

    „Interesse“: Ich wünschte, es wäre nicht zu dieser Situation in Limburg gekommen, kann aber meine Augen nicht davor verschließen, dass der Bischof einen gewaltigen Teil zur Eskalation beigetragen hat. Im Übrigen verfolge ich die unschöne Entwicklung mit wachsendem Entsetzen seit etwa drei Jahren. Ich kann nur hoffen, er wird einen Platz finden, wo er Gutes wirken kann, ohne zu verbittern. Als ein solcher Ort wird das Bistum Limburg – da bin ich allerdings ganz sicher – nicht mehr in Frage kommen.

    „Arm“: Ihre Überzeugung, der Gedanke, auch ein Bischof in (geistiger und geistlicher) Not könne zur „Kirche der Armen“ gehören, sei mir „vollkommen fremd“, bestürzt mich aufs Äußerste. Haben Sie darüber nachgedacht, welche Anmaßung in dieser Urteilssicherheit steckt und wie sehr sie im Widerspruch zu Ihrem Appell steht, den Irrenden nicht zu verdammen? Ich habe allerdings meine Schwierigkeiten mit einem Seelsorger, der vor laufender Kamera die Unwahrheit zu spricht, und ich glaube, dass er gut daran täte, sich in eine Weltgegend zurückzuziehen, wo er und die mit ihm Lebenden, nicht bei jeder Begegnung daran denken müssen, aber deswegen habe ich doch Mitgefühl mit ihm wie mit jedem „Menschen in Bedrängnis“.

    „Herr Klostermann“: Dies ist natürlich nicht meine Sache, doch darf ich vielleicht darstellen, wie ich den Hinweis verstanden habe. Auch vom Heiligen Vater haben wir, die ihm selten persönlich begegnen, nur ein „Bild“. Dieses Bild ist uns zu überwiegenden Teilen über die Medien (Fernsehen, Internet, Zeitungen, Auftritten, Predigten, Schriften und Photographien) vermittelt wie das des Limburger Bischofs auch. Ob etwas, das wir erfahren, zum Bild „passt“ oder nicht, ist das wesentlichste und das gewöhnlichste Kriterium, mit dessen Hilfe wir zu Vorstellungen von „prominenten“ Menschen gelangen. Das heißt, wir sind abhängig davon, dass „Erzählungen“ mehr oder weniger „plausibel“ erscheinen. Plausibilität ist in den meisten Fällen des Lebens das beste, das wir haben können. Oder wie Herr Klostermann zitierte: “Es sind nicht die Dinge selbst, die uns bewegen, sondern die Ansichten und Meinungen, die wir von Ihnen haben.” Ich denke, in diesem Satz steckt beinahe alles, was uns nicht allein in dieser Angelegenheit umtreibt – sondern sogar im Hinblick auf religiöse Fragen beschäftigt oder wenigstens beschäftigen sollte.
    Und ja, Herr Wolf, es soll in der langen Geschichte der Kirche tatsächlich Bischöfe gegeben haben, „die die nötige Zeit aufbrachten, an sämtlichen Mitarbeitern vorbei mit Handwerkern, Lieferanten, externen Architekten etc. zu verhandeln, sie mit speziellen Aufträgen zu überhäufen und sich zuvor (oder währenddessen) auch noch die nötigen Fachkenntnisse anzueignen“ – ohne ihre „Amtsgeschäfte schleifen lassen“.

  13. Als Limburger kann ich Ihnen versichern, dass da nichts ein Begegnungszentrum ist. Sie würden gar nicht den hermetischen Zaun überwinden!

  14. Bischof Tebartz-van Elst verkündete das Ausscheiden seines Stellvertreters Generalvikar Franz Josef Kaspar: Diese Nachricht war fast untergegangen. Dabei ist Kaspar die Schlüsselfigur in der Affäre um den Limburger Bischof, sagt der renommierte Kirchenrechtler Professor Dr. Thomas Schüller von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, früherer persönlicher Referent von Tebartz‘ Vorgänger Bischof Franz Kamphaus. Sein Vorwurf: Der Vermögensverwaltungsrat mit Kaspar-Vertrauten ist seinen Aufgaben nicht nachgekommen.

    Das Interview aus der Koblenzer Rhein-Zeitung von heute, Mittwoch, den 23. Oktober 2013 im Wortlaut:

    Was erwarten Sie von der Arbeit der „Kassenprüfer“, die vor wenigen Tagen im Bistum Limburg ihre Arbeit aufgenommen haben?

    Ich erwarte eine Antwort auf die Frage, aus welchen Finanztöpfen des Bistums in wessen Verantwortung die Finanzierung des Bischofshauses mit angeschlossenen Diensträumen erfolgt ist und wer wann und wie davon gewusst hat. Rechtlich wird zu prüfen sein, ob die Zustimmungs- und Kontrollrechte der verschiedenen Organe der Finanzaufsicht im Bistum Limburg beachtet wurden oder nicht.

    Müssen wir uns auf noch schockierendere Erkenntnisse einstellen?

    In dieser die gesamte katholische Kirche belastenden Affäre haben wir schon so manche überraschende Wendung erlebt. Von daher ist nicht auszuschließen, dass die Kommission der Deutschen Bischofskonferenz auch bisher noch nicht bekannte Sachverhalte ans Tageslicht bringt. Dies ist ja auch ihre Aufgabe.

    Wie transparent sollte die Finanzsituation in den einzelnen Bistümern gemacht werden?

    Größtmögliche Transparenz aller Haushalte der verschiedenen Rechtsträger auf Ebene der Bistümer ist nun das Gebot der Stunde. Dies schafft Klarheit bei den Gläubigen, entmystifiziert die Spekulationen der Kirchenkritiker, die Kirche gehe mit ihrem Vermögen unseriös um und sei noch viel reicher als allgemein angenommen.

    Sind Sie sicher, dass sich ein solcher „Fall“ künftig anderswo nicht mehr wiederholen kann?

    Einen „Fall“ in dieser Dimension, der in direkter Verantwortung von Bischof und Generalvikar liegt, kann ich mir auf absehbare Zeit nicht vorstellen. Der erfahrene ehemalige Kölner Generalvikar Norbert Feldhoff hat aktuell bezogen auf Limburg zutreffend angemerkt, dass die Frauen und Männer, die in der Kirche in den Organen der Vermögenskontrolle und damit in der Aufsicht sitzen, so wörtlich keine „Weicheier“ sein dürften, sondern unerschrockene sachkundige Gläubige, die ihren Bischöfen/Generalvikaren und Pfarrern auch mal ein kräftiges Nein sagen müssen, wenn diese überzogene Ausgabeansprüche artikulieren sollten. Darauf kommt es an: beim Umgang mit dem Geld der Gläubigen braucht es Rückgrat!

    Wie sehen Sie die Rolle des Vermögensverwaltungsrates des Bischöflichen Stuhls in dieser Affäre?

    Nach allem was wir wissen und was diese Herren geäußert haben, sind sie ihren Aufgaben nicht nachgekommen. Ohne einen beschlossenen Haushalt zum Beispiel Ausgaben zu genehmigen, dies darf einem Wirtschaftsprüfer, einem ehemaligen Leiter der Staatskanzlei und einem Topmanager eines katholischen Sozialimperiums nicht passieren. Sie tragen somit Mitverantwortung, weil sie ihrem „Spiritus Rector“ und Freund, Generalvikar Franz Josef Kaspar, zu sehr vertraut haben.

    Was meinen Sie mit dem Begriff Schlüsselfigur?

    Dies ergibt sich schon aus seiner Funktion als Generalvikar, das heißt Chef der kirchlichen Verwaltung. Zweitens: noch bevor Kaspar Generalvikar wurde und Mitglied im Domkapitel hat ihn der Bischof zum Beauftragten für den Bischofsbau ernannt. Drittens: nach dem Weggang von Hans-Peter Althausen als erfahrenem Finanzdezernenten hat Generalvikar Kaspar über längere Zeit kommissarisch das Amt des Finanzdezernenten in Personalunion ausgeübt und damit direkt die Ausgaben des Bistums gesteuert. Viertens: die drei Mitglieder des Verwaltungsrates des Bischöflichen Stuhls hat Kaspar ausgesucht als enge Weggefährten aus seiner Zeit als Leiter des Kommissariats in Wiesbaden und Direktor des Stiftes in Aulhausen. Diese und noch weitere Aspekte verdeutlichen, dass ohne Kaspar in den letzten fünf Jahren diese Affäre nicht möglich geworden wäre. Er wird sich seiner Verantwortung auch in seinem hohen Alter in beiden Rechtskreisen nach Abschluss der Untersuchungen der Deutschen Bischofskonferenz stellen müssen.

    Franz Kaspar wurde in Dernbach im Westerwald geboren und war später auch als Seelsorger in der Region tätig – unter anderem als Schulpfarrer in Bad Ems. Wann und wie haben Sie ihn kennengelernt und wie würden Sie ihn charakterisieren?

    Ich habe als Leiter der Abteilung Kirchliches Recht und Persönlicher Referent von Bischof Kamphaus Kaspar als Leiter des Kommissariats der Hessischen Bischöfe bei der Landesregierung in Wiesbaden kennengelernt. Später nach seinem Umzug nach Limburg wurde er Bischofsvikar für die Orden und in dieser Funktion habe ich zum Beispiel meine letzte Dienstreise mit ihm nach Rom unternommen, um bei der Ordenskongregation vorzusprechen. Kaspar ist ein zurückhaltender, verschwiegener und eher distanziert im Umgang mit Menschen auftretender Mensch. Was vielen bei Kaspar in den langen Jahren seines Dienstes aufgefallen ist, war seine Dünnhäutigkeit bei sachlicher Kritik, mit der er nicht gut umgehen kann. Sie werden wahrscheinlich wenig Menschen finden, die Kaspar wirklich kennen, vielleicht der Bischof von Fulda, der ein enger Freund von ihm ist.

    In der Affäre wird stets Bezug genommen auf das Vermögen des Bischöflichen Stuhls. Wofür soll das Geld in der Regel verwendet werden?

    In der Regel für die Ausübung des bischöflichen Dienstes, sofern diese nicht bereits durch die Kirchensteuer abgedeckt ist. Allerdings sind die einzelnen Bestandteile eines Bischöflichen Stuhls durchaus heterogen. Nicht selten finden wir dort Vermögen, dass von Gläubigen mit der Maßgabe an den Bischof gegeben wurde, damit die Armen zu unterstützen. Die Erträge aus diesem Vermögen darf dann der Bischof nicht für seinen Dienst, sondern nur für die Notleidenden einsetzen, da der Stifterwille heilig ist. Man darf gespannt sein, was hier der Prüfbericht der Kommission der Deutschen Bischofskonferenz ermitteln wird.

    Kommen wir zu Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst: Wenn Sie ihn mit seinem Vorgänger vergleichen: Wie würden Sie die Unterschiede beschreiben?

    Eine heikle Frage, bei der es mir auch nicht ganz fair erscheint, eine so markante Persönlichkeit wie Bischof Kamphaus mit seinem Nachfolger zu vergleichen. Bischof Franz Kamphaus nimmt man ab, dass er so lebt, wie er predigt. Er ist authentisch und ein überzeugender Verkündiger des Wortes Gottes. Authentisch, wahrhaftig und glaubwürdig zu sein, dass sind die wichtigsten Pfunde eines Bischofs. Ohne diese drei Grundeigenschaften nützt einem geistlichen Amtsträger keine noch so große kirchenrechtlich abgesicherte Machtfülle.

    Welche Organisationen haben im Speziellen unter dem Führungsstil des aktuellen Bischofs zu leiden?

    Ich denke, dass aufgrund der Empörung im Bistum Limburg über das Finanzgebaren des Bischofs vor allem die Caritas zu leiden hat, die auf das ehrenamtliche Engagement der Gläubigen und Spenden angewiesen ist. Nach Aussage vieler Priester und hauptamtlicher pastoraler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben diese natürlich vor Ort mit den Folgen dieser Krise zu kämpfen. Und nicht zuletzt erzählen viele engagierte Ehrenamtliche, dass sie sich kaum noch trauen, von ihrer Verbundenheit mit ihrer Kirche zu erzählen, weil sie hierfür verlacht und verspottet werden.

    Warum haben Sie kurz nach Amtsantritt des derzeitigen Bischofs die Arbeit für das Bistum Limburg aufgegeben?

    Diese Entscheidung fiel bereits 2007 in der Zeit der Vakanz, als ich den Ruf der Universität Münster auf den Lehrstuhl für Kirchenrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät angenommen habe. Mein Wechsel hat also nichts mit Bischof Tebartz-van Elst zu tun, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewählt war.

    Was sagen Sie wütenden Katholiken aus dem Bistum, die ernsthaft über einen Kirchenaustritt nachdenken?

    Ich verstehe Eure Wut, aber verlasst bitte nicht unsere Gemeinschaft. Von außen kann man keine sündige Kirche reformieren. Bleibt und setzt Euch ein, dass so etwas nie wieder vorkommt.

    Das Interview führten Markus Kratzer, Thorsten Ferdinand und Susanne Willke

  15. Viktor Klostermann

    Papst Franziskus suspendiert Franz-Peter Tebartz-van Elst. Er hat weise entschieden. Er hat den Bischof aus der Schusslinie genommen und einen Administrator sede plena nach Limburg geschickt, der zwar die Arbeit des Bischofs übernimmt, aber nicht den Bischofsstuhl. Der soll Tebartz-van Elst zumindest so lange erhalten bleiben, bis die Prüfungskommission, die am vergangenen Freitag ihre Arbeit aufnahm, alle Kosten, und Rechnungen sowie den Ablauf der Entscheidungen überprüft hat. Das kann Wochen dauern. Vorher kann ein guter Dienstherr seinen Arbeitnehmer nicht feuern.

    Es geht in Rom nicht nur um Tebartz-van Elst und den Strafantrag, der gegen ihn wegen Falschaussage an Eides statt erging. Und auch nicht nur um die Schwindel erregenden Kosten für seine Residenz beim Limburger Georgsdom, die von drei auf 30, wenn nicht gar auf 40 Millionen Euro anschwollen.

    In der Kurie will man auch wissen, wie es einem Bischof gelingen kann, so viele Gelder an seinen Gremien vorbei ausgeben zu können. Man möchte erfahren, wie geheimnisvoll „fett“ eine Kirche ist, die doch vornehmlich, um mit Papst Franziskus zu sprechen, den Armen und Bedürftigen dienen und deswegen auch so riechen soll wie diese Schafe. Mithin sollte ein Bischof lieber längs der Kegelbahn wohnen, mit der Tebartz-van Elst einen Bischofssitz nicht verglichen wissen will, als im Palast. Mit Limburg beginnt nun offenbar ein Öffnungsprozess von Kassen und Vermögen, die seit Jahrhunderten durch Dotationen und Erbfälle angeschwollen sind und nun durchleuchtet werden sollen.

    Weise ist auch die Wahl des Administrators. Der 1959 geborene Wiesbadener Stadtdekan Wolfgang Rösch hat sich nicht nur schon jetzt den Namen eines nüchternen und gleichwohl charismatischen Geistlichen gemacht; Tebartz-van Elst ernannte ihn selbst zu seinem Generalvikar. Darum hatte der Papst auch mit Tebartz-van Elst am Montag ein „ausgezeichnetes Gespräch“. Es fiel Franziskus nicht schwer, dem Bischof für eine Zeit das Amt zu entziehen, weil er es einem gibt, der das Vertrauen von Tebartz-van Elst genießt.