Donnerstag , 29. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Der Rosen-Boom hält an
"Ist Herr Flickenschild da?" Hermann Toelcke steht vor dem Hotel Bergström, in der Serie ist es das "Drei Könige", dessen Direktor Toelcke spielt. Immer wieder fragen Bergström-Gäste nach ihm. Foto: A/t&w
"Ist Herr Flickenschild da?" Hermann Toelcke steht vor dem Hotel Bergström, in der Serie ist es das "Drei Könige", dessen Direktor Toelcke spielt. Immer wieder fragen Bergström-Gäste nach ihm. Foto: A/t&w

Der Rosen-Boom hält an

mm Lüneburg. „Ist Herr Flickenschild zu sprechen?“ Im Hotel Bergström hören die Mitarbeiter den Satz nicht selten. Manche Fans der ARD-Telenovela Rote Rosen kommen vorbei in der festen Überzeugung, dass Gunter Flickenschild nicht nur die Leitung des Hotels „Drei Könige“ in der Serie innehat, sondern dass er auch im Lüneburger Original anzutreffen sei. Die Bediensteten seien schon dazu übergangen, zu antworten: „Herr Flickenschild ist heute nicht im Hause“, sagt Cornelia Meyer, stellvertretende Direktorin im Bergström, das seit Beginn der Fernsehausstrahlung als Vorbild und Kulisse für das Serienhotel dient.

Die tägliche TV-Präsenz vor einem Millionenpublikum ist als Werbung unbezahlbar – und das seit fast 1600 Folgen. Jede einzelne ist nicht nur als Erstausstrahlung im ARD-Nachmittagsprogramm zu sehen, sondern auch als Wiederholung im Ersten und in den Dritten. Im Ausland laufen die Geschichten ebenfalls im Fernsehen. Über den für Lüneburg so wichtigen Wirtschaftsfaktor Rosen mit den Millionen-Investitionen des TV-Teams und den entstandenen Arbeitsplätzen hatte die LZ bereits ein Jahr nach dem Start der Serie umfänglich berichtet. Der Boom hält bis heute an.

Im Bergström freut man sich natürlich über die zusätzlichen Gäste, die ausschließlich wegen der Serie kommen und von denen nicht wenige auch mal im Rosen-Hotel übernachten wollen. Andere Serienliebhaber schleichen zunächst um das Hotel herum, auf der Suche nach Indizien, die sie aus dem Fernsehen kennen, hat Cornelia Meyer oft beobachtet. Manche seien dann auch enttäuscht, wenn sie feststellten, dass es im Haus nicht exakt so aussieht wie das Fernsehen suggeriert.

Doch festzustellen sei: Seit dem Start der TV-Serie im Jahr 2006 gebe es mehr Individualreisende, die als Gäste im Hotel absteigen. Längst gibt es ein Rote-Rosen-Paket, bestehend aus zwei Übernachtungen, Frühstücksbüffet, 3-Gänge-Menü, romantischer Stadtführung oder Museumsbesuch und einer Überraschung, es kann für 218 Euro gebucht werden und gehört nach den Worten der Direktorin zu den „beliebtesten Arrangements“ des Hotels.

Die Lüneburg Marketing GmbH (LGM) bestätigt den positiven Trend bei den Gästezahlen. 2005, also im letzten Jahr vor Serienbeginn, wurden knapp 112 000 Ankünfte von Touristen in Lüneburg gezählt, 220 000 Übernachtungen schlugen in der Statistik zu Buche. Im Jahr 2012 waren es hingegen schon mehr als 145 000 Ankünfte und an die 295 000 Übernachtungen. Die Roten Rosen haben Lüneburg weit über Norddeutschland hinaus bekannt gemacht. Die Werbewirkung ist längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

So bietet die Lüneburg Marketing GmbH auch Stadtführungen zu den Außendrehorten der Serie an. Gerade an Drehtagen kämen Touristen gezielt wegen der Fernsehrosen, weiß Judith Peters, Leiterin der Tourist-Information. „Alles in allem erreicht die Serie offenbar eine gemischte Zielgruppe“, sagt sie. Die Generation 50+ sei zwar stark vertreten, aber auch junge Familien zeigten immer mehr Interesse an den Mattscheibenstars. Für sie gibt es in der Tourist-Info auch offizielle Fanartikel zu kaufen. Besonders nützliche Alltagsgegenstände wie Kugelschreiber, Tassen, Geschirrhandtücher und Magneten – alle mit dem Rosenemblem versehen – seien der Renner, teilt Peters mit.