Donnerstag , 29. September 2016
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Für rund 3,3 Millionen Euro saniert und umgebaut werden das Alte und das Neue Männerhaus auf dem Bardowicker Nicolaihof. 2015 soll die Samtgemeindebücherei in die Gebäude einziehen. Derzeit ist das Alte Männerhaus noch komplett verhüllt, das Dach soll bald mit den alten Pfannen neu gedeckt werden. Im Bereich der Treppe wird die Ausleihe untergebracht. Foto: rov
Für rund 3,3 Millionen Euro saniert und umgebaut werden das Alte und das Neue Männerhaus auf dem Bardowicker Nicolaihof. 2015 soll die Samtgemeindebücherei in die Gebäude einziehen. Derzeit ist das Alte Männerhaus noch komplett verhüllt, das Dach soll bald mit den alten Pfannen neu gedeckt werden. Im Bereich der Treppe wird die Ausleihe untergebracht. Foto: rov

Arbeit am Haus im Haus

rov Bardowick. Wer den alten Treidelpfad in Bardowick an der Ilmenau entlangradelt, sollte unbedingt einen Abstecher zum Nicolaihof machen. Das mittelalterliche Gebäudeensemble Ecke Schwarzer Weg/Hinterm Eichhof ist eine Sehenswürdigkeit der Backsteingotik. Die Kapelle war der Gründungsbau des Nicolaihofes und hat ihren Ursprung im 14. Jahrhundert. Gerade erst wurde sie aufwändig saniert, die Kirchenorgel zählt zu den ältesten im Landkreis (LZ berichtete). Neben der Kapelle stehen das Alte Männerhaus aus dem Jahr 1316 und das kleinere Neue Männerhaus von 1700. Die Gebäude werden derzeit restauriert und umgebaut. Einziehen soll dort die Bardowicker Samtgemeindebücherei.

Bauherr ist die Stiftung Nicolaihof, die die Stadt Lüneburg, den Flecken und die Samtgemeinde Bardowick vertritt. Allein der Umbau von Altem und Neuem Männerhaus ist mit 3,3, Millionen Euro veranschlagt. „Finanziell und zeitlich sind wir noch gut im Rennen“, sagt Anke Held. Die Architektin betreut das Bauvorhaben für die Stadt Lüneburg, Denkmalpflege ist ihr Fachgebiet.

Allerdings ist vieles anders umgesetzt worden, als zunächst geplant. „Den Statiker haben wir ganz schön herausgefordert“, sagt Held. Schwierig sei vor allem die Dachkonstruktion gewesen. Früher sei das Haus ein großer hoher Saal gewesen, der bis unter das Dach ging. Um 1420 seien die heute noch vorhandenen Zellen auf beiden Seiten und der lange Flur dazwischen eingezogen worden. „Das Haus wurde als Hospital genutzt und da ist diese Bauweise heute noch typisch“, so Held. Die Dachkonstruktion aus Eiche sei zwar für ihr Alter gut erhalten, entspreche aber nicht heutigen Standards. „Wir mussten die Fußpunkte fast überall verstärken oder erneuern“, sagt die Architektin. Genauso sei die Mauerkrone direkt unter dem Dach, wo die Dachbalken aufliegen, zum großen Teil erneuert worden.

Ein weiteres Problem, das Held und ihre Kollegen lösen mussten, war die Haustechnik. Die sollte eigentlich unten im Haus eingebaut werden. Nun werden die Regleranlagen unter dem Dach installiert. „Wir hätten sonst unter die Holz-Ständer der Längswände neue Fundamente einziehen müssen, das wäre teuer und zeitaufwändig gewesen“, so die Architektin.

In Kürze soll das Dach mit den alten Pfannen neu gedeckt werden. So lange steht noch das große Gerüst, das den Backsteinbau komplett verhüllt: Die jahrhundertealten Balken und Hölzer sollen nicht der Witterung ausgesetzt werden.

Unterdessen werden Außenwände und Zwischendecke des Alten Männerhauses gedämmt, das Dach hingegen aus finanziellen Gründen nicht. Dazu Held: „Auf die Wände kommen Stroh und Lehm sowie eine Wandheizung. Das ist nicht nur ökologisch gut, sondern für das Gebäude das Beste.“ Kühl, weil wenig geheizt, bleibt es hingegen im Küchenanbau auf der Ostseite des Männerhauses aus dem Jahr 1784. In dessen Mitte steht eine sehr gut erhaltene Esse, eine gemauerte offene Feuerstelle mit Rauchabzug. Dort soll eine Ausstellung über die Historie des Nicolaihofes entstehen.

Und Held berichtet auch von positiven Überraschungen: „Nach dem Entkernen haben wir jahrhundertealte Wandmalereien entdeckt.“ Um sie zu erhalten, sind Bretter davor geschraubt worden..

In die einzelnen Zimmer des alten Männerhauses sollen die Bücher der Bücherei thematisch aufgeteilt werden. Der Weg dorthin führt durch das neuere und deutlich kleinere Männerhaus, das im rechten Winkel zu seinem „älteren Bruder“ steht. „Geplant ist ein mit Glas gestalteter Verbindungsbau ins Alte Männerhaus“, erklärt die Architektin. Im Neuen Männerhaus werden Ausleihe und alle Betriebsräume untergebracht. Die ersten Bücher sollen 2015 ausgeliehen werden können. „Wann genau kann ich noch nicht sagen“, erklärt Held.

Infos und Dokumente auch unter www.bardowick.de/desktopdefault.aspx/tabid-7433/