Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Karen Biesanz präsentiert Volksmärchen auf Plattdeutsch. Ihr Mann Arthur begleitet sie dazu am Leierkasten.
Foto: t&w
Karen Biesanz präsentiert Volksmärchen auf Plattdeutsch. Ihr Mann Arthur begleitet sie dazu am Leierkasten. Foto: t&w

Die Sprache der Salzknechte

mm Lüneburg. Es war die Sprache der Arbeiterschaft und so auch die der Lüneburger Salzknechte. Sie schleppten 13 Stunden am Tag, elf Stunden in der Nacht, sieben Tage die Woche schwere Holzbottiche mit Salzwasser und siedeten das „Lüneburger Gold“. Frei gab es nur am Karfreitag. Genau wie ihre zermürbende Arbeit ist auch ihre Sprache – das Plattdeutsch – in Lüneburg etwas in Vergessenheit geraten. Der Verein Lüneplatt und das Deutsche Salzmuseum organisieren daher unter der Schirmherrschaft von Christian von Stern, geschäftsführender Gesellschafter der von Stern’schen Druckerei und einer der drei LZ-Geschäftsführer, die Veranstaltungsreihe „Solt un Platt“. Das Ziel: Plattschnacker in die Stadt bringen und gleichzeitig die Arbeit der Salzknechte in den Mittelpunkt rücken. Los ging es Sonnabend mit dem Programm „Kiek an, hör tau, snack mit“ im Museum.

Mitschnacken ist für den Plattdeutsch-Laien nicht unbedingt eine Leichtigkeit. Einfacher ist es, Plattschnackern zuzuhören. Dazu gab es im Salzmuseum reichlich Gelegenheit. So konnten die Besucher Karen Biesanz lauschen, die im Salzspeicher als Katrina Koppmann auftrat und Volksmärchen auf Plattdeutsch vortrug. Begleitet wurde sie von ihrem Mann Arthur am Leierkasten. Die Märchen übersetzt sie selbst vom Hochdeutschen ins Platt. Die Schwierigkeit dabei: Zwischen beiden Sprachen kann nicht eins zu eins übersetzt werden. „Deswegen brauche ich für eine Übersetzung in der Länge von zehn Minuten schon mal 50 Arbeitsstunden“ erzählt Biesanz.

Etwas melancholischere Klänge stimmten Klaus Stehr und Magdalene Grüttner mit ihrer volksmusischen Einlage „Dat Leben Tohuus“ an. Döntjes – also plattdeutsche Witze – gab es bei Heiko Frese und seinen Mitmachspielen. Hier musste Platt geschnackt werden. So zum Beispiel bei dem Spiel Hippel Dippel oder dem Erraten von pantomimischen Darstellungen. Der 39-jährige Frese stellte dabei in unnachahmlicher Weise dar, wie man einen Elefanten wäscht.

Viel Witz boten auch die von der Theatergruppe „Gerdas Allerlei“ auf Plattdeutsch präsentierten Loriot-Sketche wie der mit dem Frühstücksei.

Was der Laie aus dem Plattdeutschen nicht unbedingt herauszuhören vermag, sind die unterschiedlichen Mundarten. So gibt es etwa zwischen dem Lüneburger und dem Bardowicker Platt klare Unterschiede, weiß Wiebke Henties, Vorsitzende des Vereins Lüneplatt. „Es geht darum, auf die Gemeinsamkeiten zu achten, um das Plattdeutsche am Leben zu erhalten“, erklärt Henties‘ Mitstreiter Ekhard Ninnemann. Der Buchautor erzählt in seinem neuen Werk „Sulteknechte“ vom Leben und Sterben der Salineknechte, das er im Rahmen der Veranstaltungsreihe noch präsentieren wird.

Vorher geht es am Dienstag, 5. November, bei einem Vortrag von Prof. Dr. Ingrid Schröder mit anschließender Podiumsdiskussion um die Her- und Zukunft des Plattdeutschen. Beginn ist um 19 Uhr im Salzmuseum.