Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Neun Fachleute aus Kreisverwaltung und Gutachterbüros stellen sich beim öffentlichen Erörterungstermin in der Gellersenhalle mehr als sechs Stunden lang den Fragen der rund 100 Zuhörer. Foto: t&w
Neun Fachleute aus Kreisverwaltung und Gutachterbüros stellen sich beim öffentlichen Erörterungstermin in der Gellersenhalle mehr als sechs Stunden lang den Fragen der rund 100 Zuhörer. Foto: t&w

763 Hektar für Windkraft

dth Reppenstedt/Lüneburg. Der Rotmilan hat die bisherige Flächenplanung des Landkreises Lüneburg für Windkraft-Vorranggebiete teilweise durcheinander gewirbelt. Und nicht nur der. Mehr als 1000 Stellungnahmen waren in den vergangenen Monaten beim Kreis Lüneburg eingegangen. Bei einer ganztägigen Marathonsitzung in der Reppenstedter Gellersenhalle rechtfertigten sich gestern Kreisverwaltung und Gutachter für den neuesten Stand der Planungen vor rund 100 Zuhörern. Auf den Zahn fühlten ihnen dabei Vertreter von Kommunen, Umweltverbänden, Bürgerinitiativen und potenziellen Windkraftanlagen-Betreibern. Zudem legte sich der Landkreis erstmals auf eine verbindliche Höhenbegrenzung für Windkraftanlagen fest.

Zunächst betonte Kreisrätin Monika Scherf, dass der jetzige Anhörungstermin freiwillig sei, um das Verfahren so transparent wie möglich zu gestalten. Wie berichtet, reduziert sich die Anzahl der kreisweiten Vorrangflächen für Windenergienutzung im Regionalen Raumordungsprogramm (RROP) von zuletzt zwölf auf acht Gebiete und die Gesamtgrößte von rund 930 auf 763 Hektar.

Dass beispielsweise die Fläche Westergellersen beim reiterlichen „Ausbildungszentrum Luhmühlen“ wegen des Vorkommens des Rotmilans gestrichen werden soll, konnte auch Westergellersens Bürgermeister Christian Nischk nicht ganz fassen, sagte am Rande: „Das muss gutachterlich bestätigt werden.“ Das forderte auch Wolf Winkelmann vom Bauernverband Nordostniedersachsen, der in Westergellersen zusammen mit den örtlichen Flächeneigentümern eigentlich einen Windpark bauen wollte – sowie noch in Bardowick, Wendhausen, Ehlbeck und Häcklingen/Melbeck.

Burkhard Jäkel vom Fachdienst Umwelt des Landkreises sagte: „Das avifaunistische Gutachten liegt vor.“ Und daraus, dass „60 Prozent der Weltpopulation des Rotmilans in Norddeutschland“ lebe, ergebe sich für den Landkreis eine „besondere Verantwortung“ den bedrohten Greifvogel zu schützen, der mit Blick auf Windkraftanlagen „hoch kollisionsgefährdet“ sei. Zu den Horsten des Greifvogels müssten Windkraftflächen deshalb einen Mindestabstand von 1000 Metern einhalten. Dadurch verringerten sich manche Potenzialflächen derart, dass sie unter die Mindestgröße von 30 Hektar fallen, so wie auch in Raven.

Darüber, dass zu Einzelhäusern im Außenbereich, sogenannten Splittersiedlungen, nur ein Mindestabstand von 500 Metern gilt, regte sich eine Anwohnerin aus Tellmer auf: „Wir fühlen uns als Bürger zweiter Klasse. Kann man im Einzelfall nicht Großzügigkeit walten lassen?“ Darauf Burkhard Kalliefe von der Stabsstelle Regional- und Bauleitplanung des Kreises: „Können wir nicht. Wie sollen wir das sonst begründen?“

Nach vielen Eingaben dazu hat der Landkreis erstmals Höhenbegrenzungen in die Planungen mit aufgenommen: 200 Meter hoch sollen Windräder maximal sein dürfen. Diese Regel ist aber offenbar eher Kosmetik, da das technische Gardemaß für Windräder 200 Meter sowieso kaum überschreitet. Vom Tisch sind die sogenannten „Repowering“-Flächen. Scherf: „Es hat sich gezeigt, dass die Betreiber kein Interesse daran haben, bestehende Anlagen durch Anlagen auf den neuen Flächen zu ersetzen.“ Deshalb wird aus dem Areal bei Wetzen eine reguläre Potenzialfläche. Die in Boitze fällt hingegen wegen eines Waldprojektes des Bundes weg.

Durch die teilweise erheblichen Änderungen im Entwurf des RROP-Teilplans soll er im Frühjahr 2014 erneut öffentlich zur Stellungnahme ausgelegt werden.

Weitere Infos unter www.lueneburg.de.