Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Bei bislang zwei Besichtigungsterminen haben die Initiatoren des "Wohnprojekts mit Kulturcafé" um Mitstreiter geworben. Dafür soll die ehemalige Pension Völker umgebaut werden. Foto: rov
Bei bislang zwei Besichtigungsterminen haben die Initiatoren des "Wohnprojekts mit Kulturcafé" um Mitstreiter geworben. Dafür soll die ehemalige Pension Völker umgebaut werden. Foto: rov

Neues Leben für alte Pension

rov St. Dionys/Barum. Altes neu beleben, das ist das Motto einer kleinen Gruppe, die in das ehemalige Gasthaus Völker in der Karl-der-Große-Straße 10 in St. Dionys einziehen möchte. Eine der Initiatorinnen des „Wohnprojekts mit Kulturcafé“ ist Bella Wohl. Die Berlinerin ist kürzlich in den Barumer Ortsteil St. Dionys gekommen, um Interessierten das Haus und das Konzept des geplanten Wohnprojekts vorzustellen.

Dieser Einladung folgten beim ersten Termin rund 30 Personen – viele aus Hamburg, einige aus Lüneburg. „Wir werden sechs bis maximal zehn Wohnungen unterschiedlicher Größe hier realisieren“, erklärte Wohl im improvisierten Gruppenraum im Erdgeschoss. Wohl hat das fast 100 Jahre alte Haus zusammen mit zwei befreundeten Ehepaaren gekauft. „Wir hatten schon immer vor, unseren Ruhestand gemeinsam zu verbringen und freuen uns, dass wir dieses wunderschöne Haus erstehen konnten“, erklärt die 60-Jährige. „Wir wollen hier keine WG für Ältere aufmachen, wir möchten mit jungen Familien hier leben und noch ein bisschen arbeiten.“

Gut 1000 Quadratmeter ausbaufähige Wohnfläche bietet das Gebäude, woraus sechs bis maximal zehn Wohnungen und ein Café entstehen sollen: „Wir sind Lehrer, Musiker und Psychologen von Beruf und wir wollen hier vielleicht auch mal Lesungen oder Seminare veranstalten.“ Außerdem seien im Erdgeschoss auch Gästewohnungen geplant. Die sollen, genau wie das Café, der Gemeinschaft gehören und von allen bewirtschaftet werden. „Uns ist das Miteinander besonders wichtig, es muss eben passen“, sagt die Noch-Berlinerin.

Ob sie hier hineinpasst überlegt auch Familie Wechen. „Wir wohnen momentan mitten in Hamburg und da haben wir das Gefühl, das wir da einfach nicht mehr atmen können“, sagt die 35-jährige Anna, Gatte Roland ergänzt: „Es ist einfach schöner, wenn man nicht alleine irgendwo neu anfängt. Außerdem hätten wir hier wohl gleich Spielgefährten für unsere Kinder“.

Marius Zirngibl hingegen würde am liebsten gleich seine Umzugskartons reinholen. Der Programmierer lebt derzeit mit Frau und Tochter im Herzen von St. Pauli: „Da kann man mit einem kleinen Kind nicht rausgehen, außerdem sind Wohnungen in Hamburg einfach unbezahlbar.“ Rainer Kolm zückt gerade sein Smartphone, um zu sehen, wie gut der Empfang ist: „Wenn ich von hier aus im Homeoffice arbeiten möchte, dann ist so etwas ausschlaggebend für die Entscheidung“, erklärt der Hamburger.

Der Quadratmeterpreis in dem denkmalgeschützten Haus in St. Dionys soll 2350 Euro kosten – inklusive Gemeinschaftsanteil, sagt Wohl. Die Größen der Wohnungen sollen, je nach Wunsch und Bedarf, 50 bis 140 Quadratmeter groß werden, einige als Maisonette über zwei Etagen. „Noch ist alles offen, es kommt eben darauf an, wie viele eine große Wohnung haben wollen und wie viele mitmachen“, erklärt Wohl weiter. Zu dem unter Denkmalschutz stehenden Haus gehört noch eine Wiese. „Hier könnten wir vielleicht alle zusammen Gemüse anbauen“, sagt Wohl zu den Wohnprojekt-Anwärtern. Da das Architekturbüro schon feststeht, sollen in diesem Jahr noch die Grundrisse der Wohnungen bestimmt sein, im Frühjahr oder spätestens Sommer soll der Umbau beginnen. „Und vielleicht können wir dann nächstes Jahr hier schon zusammen Weihnachten feiern“, hofft Wohl.

Barums Gemeindebürgermeister Torsten Rödenbeck (CDU) begrüßt es, dass das Haus wieder genutzt werden soll. Direkt neben dem Grundstück des Wohnprojekts in der ehemaligen Pension Völker stehen aber noch die Wertstoffcontainer, um die es im vergangenen Jahr viel Streit und Diskussionen in der Gemeinde gegeben hat (siehe Text unten).

Weitere Informationen zum Wohnprojekt gibt es unter: www.wohnprojekt-st-dionys.de