Donnerstag , 29. September 2016
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Mit so einer dynamischen Rückkehr des Wolfes habe niemand gerechnet, staunen Jäger. Selbst vor den Toren Lüneburgs wurden Isegrims Spuren entdeckt. Foto: nh
Mit so einer dynamischen Rückkehr des Wolfes habe niemand gerechnet, staunen Jäger. Selbst vor den Toren Lüneburgs wurden Isegrims Spuren entdeckt. Foto: nh

DNA-Analyse überführt Wolf

kre Melbeck. Der Wolf ist zurück: Doch die anfängliche Freude über Isegrims Rückkehr schwindet zusehends. Stattdessen häufen sich die Meldungen über gerissene Rehe und Angriffe auf Nutztiere. Landwirt Karl Heinz Vogelsang etwa hat in den vergangenen Tagen gleich 15 Schafe auf seiner Weide an der Gemarkungsgrenze in Melbeck verloren. Der 65-Jährige geht davon aus, das die Tiere von einem Wolf gerissen wurden – letzte Sicherheit muss jetzt die DNA-Analyse im niedersächsischen Umweltministerium in Hannover erbringen.

Im Fall der gerissenen Schafe in Radegast liegt die nun vor. Hier ist die Vermutung zur Gewissheit geworden: „Die DNA-Analyse hat ergeben, dass die Tiere von einem Wolf gerissen wurden“, bestätigt auf LZ-Anfrage Inka Burow, Sprecherin des Umweltministeriums. So grotesk das klingt – für Schäfer Stefan Erb ist das die gute Nachricht: Denn so bekommt er den Verlust der Tiere wenigstens finanziell ersetzt.

Wie schnell die Wölfe den deutschen Wald zurückerobern, beeindruckt auch die Jäger: „Diese Dynamik haben alle unterschätzt“, gibt Torsten Broder, der Vorsitzende der Lüneburger Jägerschaft unumwunden zu. Gestern erreichte die LZ-Redaktion ein Foto, das mit einer sogenannten Fotofalle Anfang Oktober in der Nähe von Amelinghausen gemacht wurde. Zusehen ist ein Rudel mit sieben Wölfen, die ganz entspannt die nähere Gegend erkunden.

Wölfe

Gestern hat ein Jagdpächter zwischen Eitzen und Grünhagen – an der Landkreisgrenze zu Lüneburg- gleich fünf gerissene Rehe gefunden. Und Ende August wurde sogar vor den Toren Lüneburgs – in der Nähe der Roten Schleuse, ein gerissenes Reh entdeckt. Förster Arno Meyer hatte den Wolfsberater Matthias Holsten vom Landkreis eingeschaltet – „das Ergebnis liegt aber noch nicht vor“, berichtet gestern auf LZ-Anfrage der Landkreis.

„Die Wolfspopulation nimmt zu, daran besteht überhaupt kein Zweifel“, sagt Guido Kiesewetter, der in Melbeck eine Jagdschule betreibt: Er bestätigt die Erfahrung anderer Jäger: „Dort, wo der Wolf ist, zieht sich das Wild aufgeschreckt immer weiter in den Wald zurück.“

Trotzdem sagt Inka Burow: „Einen Wolf in freier Natur zu sehen, ist wie ein Sechser im Lotto!“ Angst bräuchten Menschen nicht zu haben – „weil der Wolf sehr scheu ist“, sagt die Ministeriumssprecherin.

4 Kommentare

  1. Endlich! Nach über 200 Jahren sind die Wölfe zurückgekehrt. Ich freue mich riesig über das Rudel. Ich bin gespannt, ob sie hier bleiben. Angst habe ich keine, aber meine Spaziergänge im Wald finden nur noch mit Digikam statt. Ich wenn ich eine Wolf begegne: Hände über dem Kopf zusammenklatschen und laut rufen. Der wird sich dann wohl trollen.

    Und an die Schafhirten: Warum haltet ihr euch nicht Schäferhunde? Dieser Hund ist dem Wolf ebenbürtig. Ratet mal, warum diese Hunderasse gezüchtet wurde, so heißt und auch fast wie ein Wolf aussieht!

    • Hallo Quern, das ist so nicht ganz richtig: Schäferhunde sind HÜTEhunde, keine Herdenschutzhunde! Das ist ein gravierender Unterschied. Herdenschutzhunde sind ein sehr gutes Mittel gegen Übergriffe, egal ob von Hund, Wolf, Fuchs oder auch Mensch. Aber nicht ganz einfach zu halten, dazu muss man sich schon etwas auskennen. Einen guten alten Deutschen Schäferhund würde ich den Grauen aber nicht gern vor die Füße tun, der hätte schlechte Karten. Da sind Pyrenäen-Berghund, Kangal und Co. gefragt. Oder, wie in der Schweiz, Lamas und Esel.

      Wichtig wäre auch, dass a) die Landesregierung die sichere Zäunung finanziell unterstützt, wie es z.B. in Sachsen auch der Fall ist, b) direkt nach dem ersten Angriff schnell sicher gezäunt wird (da gibt es Hilfe, Unterstützung und sogar zeitweise Leihzäune – s. Freundeskreis freilebender Wölfe e.V.) und c) überhaupt etwas zur sicheren Verwahrung, zumindest nachts, getan wird. Das Internet bietet sehr viel Rat und Hilfe zu dem Thema – einfach Freund Google fragen 🙂
      Fälle, in denen trotz eigentlich vorschriftsmäßiger Zäunung etwas passiert, sind sehr tragisch und glücklicherweise selten, kommen aber auch vor – gut dann, wenn zumindest der Schaden schnell und unbürokratisch reguliert wird.

  2. Ich freue mich darüber,dass diese Wildtiere Ihren angestammten Lebensraum Stück für Stück zurück erobern. Als leidenschaftlicher Outdoor-Fan bekomme ich allerdings inzwischen ein mulmiges Gefühl,wenn man sich bewusst macht,dass da ein recht agiles Rudel Jäger auf der Suche nach Fleisch ist. Vor 4 Wochen war ich mit einem Kollegen und meinem Sohn zum wiederholten male 3 Tage und Nächte in der Heide unterwegs.Geschlafen wurde im Schlafsack unter freiem Himmel. Gesehen oder gehört haben wir bis auf röhrende Hirsche nichts.Dennoch hoffe ich,dass die Wölfe sich an das halten was die Dame vom Ministerium ihnen sagt, schön scheu sind und nicht zum Schnüffeln an unsere Schlafsäcke kommen. Trotz dieser Angst würde ich aber MEINE Aktivitäten verändern und nicht erwarten,dass die Behörden das vermeintliche Problem lösen. Ich bin gespannt,wie sich das Zusammenleben von Wolf und Mensch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entwickelt. Einen Schadenersatz für gerissene Nutztiere finde ich richtig und wichtig. Wer wissen möchte,wie es sich anfühlt den Wald mit einem Rudel Fleischfresser zu teilen darf mich auf der nächsten Wanderung durch eben diese Wälder gerne begleiten. Vom Bürotisch oder von der heimischen Couch aus ist der Blick meiner Meinung nach arg verwässert.

  3. Ich hätte echt gedacht, dass die Jäger vom LJN besser geschult worden wären.
    Ich bin häufig im Revier des Munster-Rudel unterwegs.
    Wölfe habe ich erst fünf mal gesehen und ein Foto gelang mir erst einziges mal, aber Rehe sehe ich bei jeder Wanderung und soagr das Rotwild kann man mitten im Wolfsgebiet regelmäßig beobachten.

    Erst die Lausitz, dann Brandenburg und Sachsen-Anhalt, egal wo der Wolf auftaucht schüren einige Jäger unruhe unter den Waidmännern und behaupten die Wölfe würden das Wild vertreiben.

    Doch egal ob in der Lausitz, im Fläming, im Lopautal oder auch aktuell im Gartower Forst überall wo ich hinreiste um Wölfe zu beobachten, sah ich Wildschweine, Rehe, Rot- und Dammwild, dass sich genauso verhielt wie in Gegenden ohne Wölfe.

    Und wieso wundert sich ein gestandener Jäger über die größe der Wolfspopulation?
    Zwei Wölfe zeugten im letzten Jahr 3 Welpen, die derzeit als Jährlinge im Rudel leben, teilweise schon selbstständig jagen und sich nebenbei um die 7 Welpen kümmern die dieses Jahr geboren worden.

    Das macht 2 Alt-Tiere, 3 Jährlinge die wahrscheinlich im Winter das Rudel verlassen werden um sich eigene Reviere zu suchen, sowie die 7 Welpen die mit sieben Monaten schon fast so groß wie die Elterntiere sind, aber noch nicht selbstständig leben können und aufgrund der jugendlichen Neugier häufiger gesichtet werden als die erfahrenen Alttiere.
    Was ist an diesen Zahlen so überraschend?
    Und bei einer natürlichen Sterblichkeitsrate von ca.50% werden wahrscheinlich auch nicht alle 10 Jungwölfe durch den Winter kommen.
    Es besteht also kein Grund mit hohen Wolfszahlen in der Presse für Unruhe zu Sorgen.

    Was derzeit in der Lüneburger Heide passiert, geschieht in der der Lausitz schon seit fast 15 Jahren.
    Und auch hier bei uns wird sich die Welt nicht aufhören zu drehen, bloß weil zwei Wölfe in der Gegend ihre Jungen großziehen.