Dienstag , 27. September 2016
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Auch die Bundeswehr war beim Elbe-Hochwasser im Kreis im Einsatz, erhöhte wie hier zwischen Artlenburg und Hohnstorf die Deiche mit Sandsäcken. F.: A/t&w
Auch die Bundeswehr war beim Elbe-Hochwasser im Kreis im Einsatz, erhöhte wie hier zwischen Artlenburg und Hohnstorf die Deiche mit Sandsäcken. F.: A/t&w

Manöverkritik nach Hochwasser

dth Lüneburg/Hohnstorf. Die Nachwehen des Rekord-Hochwassers sind noch zu spüren: Für rund 570 000 Euro hat der Artlenburger Deichverband eine 80 Meter lange Spundwand am Hohnstorfer Deich einbringen lassen, die bis zu zwölf Meter tief ins Erdreich geht. Wegen der Bauarbeiten, die voraussichtlich noch mindestens bis Ende November andauern sollen, ist der Wohnmobilstellplatz in Hohnstorf/Elbe nicht nutzbar. Während der Artlenburger Deichverband auch unter den Eindrücken des Juni-Hochwassers an der Elbe eine Baustelle nach der anderen abarbeitet, betreibt der Landkreis Lüneburg seit Wochen Manöverkritik zum vergangenen Katastrophenmanagement während der Elbe-Flut.

Zuletzt trafen sich Landkreisvertreter in großer Runde mit Verantwortlichen von Deich- und Hilfsverbänden über Polizei und Bundeswehr bis zu Landesbehörden in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Scharnebeck. Nur die Gemeindebürgermeister waren nicht eingeladen. Etwas beizutragen hat beispielsweise Hohnstorfs Bürgermeister André Feit (CDU) dennoch, er sagt auf LZ-Nachfrage: „Dadurch, dass Bleckedes Bürgermeister Jens Böther und Scharnebecks Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn die ersten Maßnahmen zur Gefahrenabwehr mit dem Deichverband selber in die Hand genommen hatten, fühlten wir uns vor Ort gut aufgehoben.“ Der Landkreisführung wirft er hingegen „Dickfälligkeit“ vor.

„Diesen Schuh ziehe ich mir nicht an“, sagt Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) zum Vorhalt, zu spät den Katastrophenalarm wegen des drohenden Jahrhunderthochwassers ausgelöst zu haben. Das war am Morgen des 5. Juni: Da waren bereits Feuerwehren aus anderen Teilen Niedersachsens auf der Durchfahrt in den Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg, der einen Tag früher um Hilfe gerufen hatte. Nahrstedt: „Aber Lüchow-Dannenberg ist auch Oberlieger und wir haben darauf geachtet, was die machen und haben keine 15 Stunden später ebenfalls den Alarm ausgelöst – und damit rechtzeitig.“ Und: „Alle Helfer haben einen tollen Job gemacht und haben bis zur Erschöpfung gekämpft.“

Solche und andere Diskussionen rund um die Bewältigung der Hochwasserkrise des Landkreises führt Nahrstedt in den vergangenen Wochen häufiger – und das wird auch weiterhin so bleiben. Gesprächsrunden gab es bereits mit der Polizeidirektion, mit Feuerwehren, hauptamtlichen Bürgermeistern und eben zuletzt in großer Runde in Scharnebeck. Nahrstedt: „Wir wollen aufarbeiten, was die einzelnen Teilnehmer gut fanden, und feststellen, wo wir noch besser werden können.“

Verbesserungsbedarf gibt es aus Sicht von Lüneburg Kreisbrandmeister Torsten Hensel bei der Kommunikation: „Es hakte etwas zwischen den Einsatzabschnitten und der Technischen Einsatzleitung, kurz TEL, aber auch zwischen dem Stab des Landkreises und der Polizeidirektion.“ Und auch die personelle Besetzung der TEL sei aus heutiger Sicht für den Schichtdienst mit weniger als 40 Leuten zu dünn besetzt gewesen. Hensel: „Wir brauchen einen größeren Personalstamm, 60 Leute wären wünschenswert. Wir sind auf der Suche.“

Manch andere Lehre wurde bereits gezogen, neben der Einlagerung übriggebliebener Sandsäcke sollen laut Landrat Nahrstedt etwa Geräte angeschafft werden, die das Abfüllen von Sandsäcken per Hand erleichtern sollen.

Und die Manöverkritik geht schrittweise noch bis Mitte Januar weiter: Zunächst will sich die Lüneburger Kreisspitze am 5. November mit den Bürgermeistern an der Elbe im Landkreis zusammensetzen. Und Mitte November folgt dann ein Treffen der länderübergreifenden „Kommunalen Arbeitsgemeinschaft“ mit den Landräten der Elb-Anrainer von Harburg über Lüneburg und Ludwigslust-Parchim bis Prignitz. Dort sollen laut Landrat Nahrstedt auch die Themen Deicherhöhung und Schaffung von Überflutungsflächen besprochen werden.