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Sie alle nutzen Facebook, wenn auch sehr unterschiedlich (v.l.): Siad Tonma, Ingo Schneider, Manuel Soetbeer und Jennifer Tabea Block. Foto: t&w
Sie alle nutzen Facebook, wenn auch sehr unterschiedlich (v.l.): Siad Tonma, Ingo Schneider, Manuel Soetbeer und Jennifer Tabea Block. Foto: t&w

Wollen Sie mein Freund sein, Herr Lehrer?

jae Lüneburg. Ein Mal im Halbjahr heißt es für Ingo Schneider: Reinemachen. Aber nicht mit Lappen und Feudel und auch nicht im Vorgarten oder dem Kleiderschrank. Der Lehrer räumt seine Freundesliste bei Facebook auf, löscht alle Kontakte, die nicht mehr aktuell sind. Darunter auch Gesichter, die Schneider noch von der Schulbank kennt. Ehemalige Schüler, die auch in der virtuellen Welt mit ihrem Lehrer Kontakt halten wollten, der dann allzu oft trotzdem abbricht.

Facebook-Freundschaften zwischen Lehrern und Schülern wurden zuletzt häufig diskutiert. Während sie in Rheinland-Pfalz bereits verboten wurden, setzt Niedersachsen weiterhin auf die Eigenverantwortung der Lehrer im Umgang mit den sozialen Netzwerken. In Bayern und Baden-Württemberg gilt dagegen grundsätzlich ein dienstliches Facebook-Verbot für Lehrer.

Von solchen grundsätzlichen Verboten hält Ingo Schneider nicht viel: „Verbieten ist immer schlecht, Aufklärung ist besser“. Er selbst war über Facebook mit Schülern befreundet und hat seine eigenen Erfahrungen gemacht: „Ich habe gemerkt, dass bestimmte Bereiche von Schülern bedient werden, die ich auf gar keinen Fall wissen möchte. Zum Beispiel, dass kritische Sachen über Kollegen gepostet werden oder, dass man mich einlädt zu Farmville-Spielen“. Bald entschied er sich dafür alle Schüler, die noch kein Abitur haben, aus der Freundesliste zu löschen. „Das war für mich die Erkenntnis, ich wollte sozusagen die Privatsphäre der Schüler nicht stören. Dass sie frei kommunizieren, wie sie wollen.“, sagt Schneider. Private Freundschaftsanfragen nimmt der Erdkunde- und Musiklehrer heute nur noch von ehemaligen Schülern an: „Da ist es eindeutig, dass sie eine gewisse Reife haben.“

Wie Ingo Schneider nutzen viele Lehrer der Herderschule Facebook. Nur die wenigsten von ihnen suchen jedoch auch online den Kontakt zu ihren Schülern. „Das meiden sie wie die Pest“, resümiert Schneider nach einer spontanen Umfrage im Lehrerzimmer. Zu diesen Lehrern gehört Siad Tonma. Er lehnt Facebook-Freundesanfragen von Schülern grundsätzlich ab: „Ich finde, dass es Arbeit und Privatleben gibt und das ist für mich getrennt. Mit ehemaligen Schülern habe ich entweder direkt noch Kontakt oder über E-Mail aber Facebook ist so ein Bereich, da würde ich sagen, das ist privat.“

Der Lehrer für Spanisch und Französisch leitet die AG der Schülermedientrainer an der Herderschule. Das Prinzip ist einfach: Zwei Mal im Jahr gehen die älteren Schüler in die fünften bis achten Klassen und sprechen mit ihren jüngeren Mitschülern über die Potentiale und Gefahren der sozialen Netzwerke und digitalen Medien. Jennifer Tabea Block und Manuel Soetbeer haben sich vor zwei Jahren zu Schülermedientrainern schulen lassen. „Wir Schüler wissen, wie Facebook funktioniert, wir haben eigene Erfahrungen. Wir versuchen den Schülern die Gefahren im Netz klar zu machen, aber nichts zu verbieten“, sagt Jennifer.

Private Facebook-Freundschaften zu Lehrern wollen die beiden Elftklässler nicht. Manuel: „Ich persönlich möchte auch gar keine Lehrer auf meinem Privatprofil haben. Wenn ich dann mit ihnen befreundet bin, wissen sie ja auch alles von mir“. Anders sieht es bei jüngeren Schülern aus, glaubt Jennifer: “Ich kann mir vorstellen, dass die jüngeren Schüler es auf Facebook interessant finden, Lehrer zu kontaktieren. Wir Älteren wollen diese Freundschaft gar nicht bei Facebook. Wir sehen unsere Lehrer fast jeden Tag in der Schule, das reicht dann auch.“