Mittwoch , 28. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Aus Alt wird Neu
Nils Junker (l.) und Finn Naujoks stöbern durch die gebrauchten Klamotten, die beim Kleidermarkt neue Träger finden sollen. Foto: t&w
Nils Junker (l.) und Finn Naujoks stöbern durch die gebrauchten Klamotten, die beim Kleidermarkt neue Träger finden sollen. Foto: t&w

Aus Alt wird Neu

mm Lüneburg. Dem Gefühl, „das kann ich nicht mehr tragen, aber wegwerfen mag es noch nicht“, will ein studentischer Kleidermarkt Herr werden. Die Initiative organisiert einen Klamottentausch. So werden ausrangierte Fummel des Einen zum neuen Outfit des Anderen.

In den vergangenen Wochen haben schon viele Lüneburger Kleidungsstücke aussortiert und bei den Organisatoren des „Kleider tauschen Leute“-Marktes abgegeben. Dafür bekamen sie Punkte gutgeschrieben, mit denen sie Samstag und Sonntag (2./3. November) beim Kleidermarkt im Ladencafé „Zum Kollektiv“ im Scharffschen Haus an der Heiligengeiststraße auf Einkaufstour gehen können. So wird aus Alt auf einmal Neu.

Nils Junker hing an seiner multifunktionalen Outdoorweste. Nur getragen hat er sie nie. „Man kann nicht alles horten“, überlegte sich der 31-Jährige und brachte sie und andere Perlen aus seinem Kleiderschrank zur Sammelstelle für den Kleidermarkt in einem Wohnhaus am Kalkberg. Dort leben Finn Naujoks, seine Freundin Nicola (beide 30 Jahre alt) und Philip Luthardt (28). Das Trio rief die Initiative zum Kleidertauschen ins Leben, im Vordergrund steht dabei der Gedanke der Nachhaltigkeit.

„Wir wollen Kleidungsstücke, die sonst nur im Schrank hängen, wieder in Umlauf bringen“, erläutert Naujoks. In der Wohngemeinschaft stapeln sich kartonweise Klamotten, die nun beim Kleidermarkt neue Besitzer finden sollen. Natürlich könne man auch immer von Freund zu Freund tauschen, wissen die Initiatoren. „Doch nicht immer passt dann die Größe.“ Ein Tauschmarkt biete nun das komplette Spektrum an Stilen und Größen. Das Angebot ist vielfältig. „Uns erreicht deutlich mehr als die Badeoutfits des zurückliegendes Sommers“, versichert Naujoks. Das verdeutlicht ein Berg von „Jacken, Hosen, Pullis, Schuhen und Gürteln. Daneben gibt es auch andere Schmuckstücke, wie eine in Handarbeit genähte Umhängetasche, die der 31-jährige Nils Junker schweren Herzens abgibt. „Sie passt nicht so richtig zu meinem Stil, aber ich möchte, dass sie nicht einfach in Vergessenheit gerät.“ Deswegen bringe er sie unters Volk. Für seine Klamotten bekommt Junker 84 Punkte gutgeschrieben, die er beim Kleidermarkt gegen Ware einlösen kann.

„Am Anfang war es uns etwas unangenehm, im Beisein der Besitzer ihre Klamotten zu durchforsten und zu sortieren“, gesteht Philip Luthardt, der Nachhaltigkeitswissenschaften studiert. Das Sortieren geschieht mit größter Sorgfalt, doch es werde auch wenig abgegeben, was sich nicht zum Weitertragen eignet.

Durch das Projekt soll eine Plattform für Tauschgeschäfte geschaffen werden. Dafür bietet die Ladenfläche im Scharffschen Haus Platz. Die studentische Initiative „Kollektiv“ hat sie zur Zwischennutzung angemietet. Bei „Kleider tauschen Leute“ präsentiert sie auch die Ausstellung „switcheroo“ der Kanadierin Hana Pesut. Gezeigt werden Motive, auf denen Frau und Mann ihre Klamotten gewechselt haben. Die Ausstellung läuft noch bis Donnerstag, 7. November, und kann immer ab 20 Uhr besichtigt werden.